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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 5 (1863) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
5 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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;u aller Zeit in dilstem Sinne vorwärts, und W nigeren, als man glaubt, schneidet ein ungünstige- Gest >ick den Weg ad. Ob aber das Ziel ein rechtes ist, o> cs die Strebenden glücklicher macht-, als sie in ihrer Armuch gewesen, d's ist eine andere Frage. Solche schlimm. Lage kamen über die Winne Benjamin und ihren Sohn wahrend seiner Lehrzeit; j me war auf ihre karg« Unterstützung angewiesen, dieser h. ne noch keine Gelegenheit zum Erwerbe. Scheda brachte herbei, watz sie sich selbst vom Munde adfparte, aber w e wenig war das. So war ein Vierreliabr vorübecgegan, en, als eine epidemische Krankheit über das Land kam, und zu gleicher Zeit die Ellern Schcba's und die Mutter Zoseph's auf das Krankenbett warf. Das Mädchen «xidliete sich Lag und Nacht der Pflege ihrer Eltern, und nenn sie nur einen Augenblick sich von diesen entfernen kooi le, eilte sie zur Nachbarin, um ihr das Nölhige zu bereite l. Die Ewern starben nach einander binnen vierundzwanzig i wunden, während die Wiltwe Benjamin genaß und siä schnell wieder erholte. Aus dem Todkenzimmer eilte das »erwaiste Mädchen in die Arme ic,.er Freundin und weinte ihren Lchmcrz an ihrem Herzen au*. Da sie keine Verwandten n ihrem HeimalhSorte Hane, beschloß man, daß Scheda zur Wiltwe Benjainin ziehe, wo sie so gut aufgehoben war. Glücklicher Weise ergab eS sich, daß die Eltern Scheb 'S nicht so unbegüterr gewesen, wie man geglaubt. De fleißige Vater, und die sparsame Mutter hatten bei ihren geringen Bedürfniffen nach und nach einige Überschüsse g wonnen, die sie sorgfältig angelegt, um für ihr einziges j tn6 eine zukünftige Versorgung ---- haben. Die Zinsen waren genügend, um den geringen Bedarf beS Mäd> irnS zu decken, und bilderen so für die Wircwe Benjaw in einen Zuschuß, der für alle drei Personen des HauShilrs Erleichterung schaffte. Aber ehe die zwei Ibhre der Lehrzeit Jos.ph'S ganz verflossen, kehrte der Engel des Tc res noch einmal zu der Hütte der Witlwe um, als ol er sich besonnen hätte, daß er hier vorübergegangen, l'r kehrte zurück und vollbrachte sein Werk. Als die Gefa>r höher gestiegen, war Joseph zum ersten Male von seinen Meister fortgeblieben und verließ das Belt seiner Murr c nicht. Diese verlor bald die Sprache, nicht aber das Bei sußtsein. Lie ergriff die Hände der beiden jungen Leute, legre sie in einander, erhob dann ihren Arm, um mit den bleichen Lippen unverständliche Worte des Segens auf die jugendlichen Häupter zu legen. Einige Minuten dar uf war sie verschieden. Der Ausbruch des Schmerzes var bei Joseph heftig und wild, er überließ sich zügellos rer Der» zweiflung; er klagte sich an, die Mutter lange nic l genug geehrt, lange nicht genug für sie gestrebt und erarbeitet zu haben. Aber ec tobte sich bald aus und ve sank in starres Schweigen, aus-welchem selbst die milde 'Stimme Scheba S ihn nicht zu wecken vermochte. Doch >ie Zeit lindert AlleS^ und bas Leben mit seinen Forderung! n poche ungestüm an jede, auch noch so verwundete und j errissene Brust. Scheba, die jetzt bereits zu einer stättlichei > Jungfrau herangewachfrn, mielhete sich bei einer stillen Familie in ein Kämmerchen ein, und Joseph zog nach der sch nutzige« Dorstadt, wo sein Meister wohnte, man wußte nl ht recht wvhi Am Sabbath besuchte er auf eine Stund« Scheba, zeigte ,lch ihr freundlich zugethan, aber fein Wesen war in .ch gekehrt und ruhelos; wenn ihm Scheba san tmüthig —, 18 zuspcaä, wurde er heftig, erinnerte sie daran, daß er ihr in jener Srunve auf der Bank im Hause gesagt, er werde seinen eigenen Weg gehen und wenn er genügend erworben hätte, sie heimführen. Ec müsse eS ihr überlassen, ob sie ihm vertrauen oder sich von ihm trennen wolle. Die Thranen, die da dem Auge des besorgten Mädchens entquollen, machten ihn nur unwirscher, er riß sich los und eilte davon. Seirbeü, schwieg sie, konnte aber nicht verhindern, daß ihre Blicke, wennJoseph wiederkehrle, voll Unruhe und Besocgniß an ihm hafteten. Er bemerkte dies und schlug die Augen nieder, aber schwieg. Sie las in seiner Seele, daß da Viele» nicht richtig stand, durfte aber nicht» sagen. Dies bekümmerte bas arme Mädchen sehr und beschäftigte sie Tag und Nacht, aber es half ihr nichts. Hätte sie weniger eingezogen gelebt, wäre sie mehr unter die Leute gekommen, so waren wohl auch die üblen Gericht zu ihr gedrungen, die sich nach und nach über Joseph, die Orte, die er besuchte, die Menschen, mit denen er gesehen wurde, verbreiteten. So aber lebte sie in ihrer unschuldigen, wenn auch kummervollen Unwissenheit weiter. Diie Lehrzeit Joseph's war vorbei. Und was wurde nun mir ihm i Wir werden es erfahren. Ich führe dich, lieber Leser, in eine von der Nacht beschattete und wilbe Gegend. Sie ist bergig und w^nn. auch die Berge nicht hoch sind, so verlaufen sie doch so unregelmäßig unrec einander, bilden bald liefe Kessel, um welche sie in regellosen Gestalten umherstehen, sind bald durch liefe Schluchten getrennt, laufen bald von Ost nach West, bald von Süd nach Nord, daß nur der Kundigste sich durch sie sicher hinducchwinden und zu -den Ebenen gelangen kann, welche sich von da ab fast ununterbrochen dis an das Meer erstrecken. Dieses Wirrsal kommt daher, weil das Gebirge keinem einzigen größeren Gewässer dm Ursprung oder den Durchzug gewährt, sondern nur hier und da einen unbedeutenden Bach durch seine Thäler und Klüfte laufen' läßt. Man kann daher keinem Flusse folgen, um durch das Gebirge zu gelangen. Hierzu kommt, da» e» weder auf seiner Oberfläche, noch in seinem Innern Schätze für den Menschen bietet, sondern nur von unabsehbaren Föhrenwäldern bestanden ist, daher wenig bevölkert und von belebten Straßen nicht durchzogen. Die Nacht lag auf dem Gebirge, und zwar von vollendeter Dunkelheit. E» war eine Sommernacht; ein schweres Gewitter war in deren ersten Hälfte über die Landschaft gegangen, hatte sich aber nicht genugsam entladen, die Wolken bedeckten daher den Himmel wie mit einem dichten Mantel, und langsam floß der Regen aus dem Schooße des Gewölkes auf die Erde nieder, langsam, aber unaufhörlich. Von Mondschein und Slemenglan; war so wenig eine Spur, daß man ihre Existenz überhaupt hätte bezweifeln können. Dies war eine Nacht, wie ganz besonder» geschaffen für eine' gewisse Menfchenklaffe. Der Wind heulte nicht, so daß man jedes stärkere Geräusch weit her vernehmen konnte, wohingegen der fallende Regen den leichteren Schritt des Wanderergedeckt hätte. "Du wirst dich aber hüten, in solcher Nacht durch solche Gegend deinen Weg zu. nehmen, wo du doch nur in der Irre umherlaufen und bei jedem Schritte in einen Sumpf oder in eine Tiefe stürzen konntest. Dennoch mußt du mir dahin folgen, und ich zeige dir, daß wir durchaus nicht allein ssnd, sondern daß diese Wälder und Berge heute mehr Personen

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