Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 5 (1863) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
5 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026571--2350-4910728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches Bolkslilatt. B-.T i JSelcftnuu] und llntcrf)nftuntj auf jüdischem Hebietk. Hera»0gezeben von ' Radbiner Or. Ludwig PhUip'pson m Bonn. |Mo. 5. 1863.] Ä0L dieser Zeitschrift erscheint wöchemrich eine Nummer. Sfrtil des Jahrgangs l IMt. Vierteljährig 7 Rgr. Ml« Bnchvandlnngh», Poftämier nur Zeinlngse/veditione» »eh««» «eitellunge» «». [10. Ialrrg. 1. chuar at] Verbrechen und Liebe. Hortietzung- Am andern Tag, war er mir der Sache fertig. Er kam auf feinen anfänglichen Gedanken zurück, denn er wußte, worauf er bei der Ausführung desselben zu rechnen habe. Dennoch bezwang er sich noch einmal, machte die Runde bei den angesehenen und ordentlichen Schlossermeistern der Stadt. Mancher unter ihnen sah sich dm kräftigen und gewandten Zungen mit hübschem Aussehen und klugem Gesichte genauer an, und schien nicht ungeneigt, sich einen solchen brauchbaren Burschen in dm- Dienst zu nehmen. Sobald er aber erfuhr, baß er eia Jude, fing er an den Kopf zu schütteln, und frug erst nach den Personalien, wobei Joseph sein Mißgeschick unmöglich verschweigen durfte, so wurde ihm sofort und zwar nicht auf di« .feinste Weise die Thüre gewiesen. Dieüberraschte dm jungen Menschen nicht. Gekränkt fühlte er sich nur von seinen Glaubensgenossen. Er hatte nur eine Pflicht gethan, die er Scheda gegenüber Übernommen, und wußte sich nun frei von jeder Verantwortlichkeit. Früh am dritten Tage richtete er daher seine Schritte nach einer Dorstadt, ging durch mehrere schmutzige G'ssen, zwischen kleinen vernachlässigten Häusem, dm Wohnungen des Elend- und des Verbrechens hindurch und blieb in einem engm Sackgäßchen vor einem einstöckigen alten Häuschen st,hm, klopfte dreimal an die niedrige Pforte, die von innen geöffnet ward, und trat ein. Ein verwachsenes schielendes Mädchen frug ihn nach feinem Begehr. Alsbald begann Joseph einige Worte in jener dem Uneingeweihten unverständlichen Gaunersprache, mir welchen er zu dem Meister Jürgens geführt zu werden verlangte. Das schislende Mädchen sah ihn erst erstaunt an-, als er aber sein« Forderung mit ähnlichen Worten wiederholte und «inen plumpen Fluch hinzufügte, führte ihn jmes al-bald durch den duntten Gang über dm Hof nach einem Hinterhaus«, aus dessen Erdgeschoß ihm.die Schläge des Hammers und das Rasseln der?>v!le entgegen tonten. Er begrüßte den rußigm Meister, der dm Schelm und Spitzbuben auf dem Gesichte und m den zwinkemdm Augen trug, in derselben Sprache. Dieser streckte ihm die Hand mtgegm, welche Joseph auf eim ekgenthümliche Weise faßte und drückte. Hierauf legte der Meister den Hammer weg, lud dm jungm Menschm ein, sich auf einm Holzschemel zu setz«, wie er selbst that, und fordette ihn auf, ihm Isein Anliegen zu eröffnm. Was die Beiden mit einander verhandelt«, brauch« wir mit d Seite an d hier nicht weiter auszuführen. Genug, Jürgens war tstriit Joseph in die Lehre zu nehmen, bestimmte seine Lehrzeit auf nur zweit Jahre, bewilligte ihm sogar am Sabbath und an dm Festtagen fortbleiben zu dürfm, brdung^ ffch jet^ch aus, laß er stets in der Früh«, bevor das Tag«- licht angebrochen, bei ihm erscheine und ebenso erst ich Dunkel brr Nacht das HauS »erlasse. Welch« and«? Bedingungm, hie Joseph wohl erst in der Zukunft söstn konnte, er ihm sonst noch stelltk^wissm wir nicht, [otkr wird sich aus dem Verfolge unserer Geschichte ergib«. Joseph kehrte nach Hause zurück Und machte seine M»tver esem Erfolge bekannt, dm er ihr fteilich von günstiger vorstellte. Das Mutterherz übersah Alles, was ihr r Sache dunkel erschien, vor der Frmde, brtj ibr bisher! so gebeugter Sohn daran zu haben schien oder sich stellte, und vor der Gewißheit, daß er dm h. Sabktth. haltm werde. Ihr kindlich religiöser Sinn konnte nicht glauben, daß mir der Uebung dieses heilig« Gesetzes irgAd ein böses Thun und Treiben verbünbm sein könnte. Sie hatte die Tage vorher, wmn Joseph am Abmd heimkehrt« und ihr alle die Kränkungen miltbeilte, und er thar dies ausführlich, die er bei seinm Versuch«, in ein« regelrgchte Laufbahn zu komm«, zu dulden gehabt, zu viel gelirit«, als daß es ihr zu schwer erschimm wäre, ihre ggn e Hausordnung umzukehrm und nach den ihrem Sdhne gestellt« I Bedingungen einzurichtrn Sie versprach ihm deeeitwiltj, da- Aittagseffm zum Admd aufzuhebm, und er steckte jeden Morgen ein Stück Brod ein Vorstellung zjr laffm, daß er in dem nichts verzehre. So trat Joseph seine Lehrzeit an. A daß wir es unsrem Leser gleich verrathm; es war vil wmiger das eigentliche Schloffergewerk, das er hier erlernt-, als noch ganz andere Ding»,-z. B. wie man von .Schlosse schnell und genau einm Wachsaddruck nehme 4« nach diesem wieder einen Schlüssel fertige, Dietrich«! z machen und zu gebrauchm, Krummköpfe und Ei herznllellen, Feil« aller Art und ftine Säg« zum Xu schneiden von Getäfel u. dgl. -mehr. Es ist ein Glück, daß die Armuth amthig« Natu nicht abschreckt, Pläne für die Zukunft zu «twerfm, w sie auch «ich wiffm, wie und wovon sie dis zu de Ausführung besteh« wollm. Wie viel würde sonst in Menschemvelt unverwirkttcht bleib«, wie Viele, di« zu höchst« Zieles gekommen, in ihrer Niedrigkeit verkÜnmn Aber die Tage vergehen auch unter den härtesten brhnmgm, esn« Zeit löst die andere ab und das Ziel zuletzt erreicht. Ob st« es wissen oder nicht, Diele strebe. zuheb«, und u »in, um sie bei der , christlich« Haust Lehr,eit an. Ab, r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.