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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 3 (1863) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
3 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 — schmälster Kost nur burchzukommen. Scheda war ihr einziger Trost, aber birst konnte doch nicht verhindern, daß Tag und Rächt di« Thränen der bekümmerten Mutter um ihren Sohn flössen, den sie jede Woche nur eine Stunde besuchen durfte. Ach, der Mensch beweint oft ein Schicksal, daS äußerlich vor ihm liegt; in welche bodenlose Trauer wjache er aber erst stürzen, wenn ec wüßte, welchen Keim einer noch schrecklicheren Zukunft dieses Geschick in seinem Inneren trage! - - . Auch die Zeit der harren Strafe ging für Joseph vorüber. Ader wie anders kehrte er aus dem Kecker zurück. Die Blosse seines Angesichts, die Magerkeit seines Körpers Kälten nichkS auSgemacKt; diese konnten in der Freiheit und vor der Pflege der Mutter bald wieder weichen, und thare« es auch. Ader ein Gift haue seine kindliche Seele angefcessen, das niemals wieder schwinden sollte. In den Kerkern solch' kleinen Landes und besonders in jener Zeit, von welcher wir erzählen, klassifizirre man die Sträflinge nicht nach ihren Verbrechen; man sorgte sticht dafür, baß leichte Vergehen von schweren Mlssethflten unterschieden würden, daß jugendliche Verbrecher von den geschulten Frevlern getrennt wären, AllcS war untereinander, und bildere ein Chaos deS Adscheu's und der Lasterhaftigkeit. Solche Gelegenheit nahmen di« alten Gauner wahr, uyter den jüngeren Mitgliedern der Gesellschaft zu rekrutiren, sie in listiger Weise um ihre Unschuld zu bringen,! sie in den Künsten deö V.rbrechenS zu unterrichten, und durch Autorität und Spott den Rest ihrer besseren Gefühle zu unterdrücken. Oie ergrauten Bösewic^ter machten sich an die jungen Leute, entflammten in ihnen daS Gefühl des erlittenen . Unrechts, das ihnen! die bürgerliche Gesellschaft und das Gesetz angethan hälfen, dis zur Leidenschaft, bis ihnen alle Begriffe von Recht und Rechtlichkeit verwirrt waren, und dir Sünde selbst als eine gerechte Vergeltung und männliche Rstche für die erfahrenen Unbille erschienen. So erging eS auch unsrem Joseph, und fein leidenschaftlicher Geist sog die scheußlichen Lehren und Unterweisungen nur allzu gierig in sich auf. Er bürstete fast darnach, den empfangenen Unterricht in Thaten zu verwenden. Ader noch einen anderen Schaden hatte er erlitten, er. der von seiner frommen Mutter in den Bräuchen und Satzungen seiner väterlichen Religion sorgsam erzogen worden und ihnen wie in kindsicher Keuschheit angehangen, war im Gefängniß gezwungen worden, am Sabdath zu arbeiten und die Grfängnißkost zu verzehren. Man weiß, baß namentlich für ungebildetere Geister der erste Schritt Ueberwindung kostet, mit diesem ersten Schritte aber alle gethan sind und für alle Zeit, wenn nicht etwa im Alter wieder eine Umkehr eintritt. Die höhnischen Einflüsterungen seiner Genossen thaten das Uedrkge, und der dedauernswerthe Junge hatte auch diesen-festen Halt de- Lebens verloren... (Forts, fotzt.) Laffet uns des Weges nicht fehlen. (Schluß.) Man kann nicht verkennen, daß die Menschen in unsrer Zeit zuversichtlicher auf sich selbst, stolzer auf ihre eignen Kräfte und eingebildeter auf ihre eignen Urteile geworden sind. Jemehr die Kultur die Oberfläche der «de sich unterwirft, die Wissenschaft sich der Erscheinungen'in i der Rarur bemächtigt, di« Technik die Schwierigkeiten ind , Hindernisse zu überwältigen lernt: desto heimischer fi hlt! sich der Mensch auf ber. Erde, desto sicherer schreite er! dahin. Wenn Dü ihm zurufst: „Geh' Deines W'geS 1 wicht fehl!" so lächelt er. Wenn ich reisen will, spr chl j tt, so setze ich mich in den Postwagen oder, in den Ei es- ' bsthnwagen, kann ruhig meine Augen schließen, und st ige aus, wenn ich am Ziele bin. Wie kann ich da fehl geh n? ■ Und selbst wo ich zu Fuße wandere, führt mich ber LZeg sicher, an den Kreujpfavm hat man mir Wegweiser c uf-! gerichtet, und schlage ich wirklich einen falschen Weg in, führt es mich doch bald zu Menschenwohnungen, in de iea ich Ladung und Zurechtweisung finde. — Und. nim nst Du das Wort der Warnung selbst nur im figürlic >ea Sinne, hast Du dabei dm*Htlichm Wandel im Au z»; nun, giebt es jetzt nicht Sitkenlehren genug, wird n cht von Kindesbeinen an genugsam in uns hineingepred gt, stellt man dem jungen Menschen nicht von allen Seiten Bilder der Tugend und des EdelmutheS, warnende Geist» ele! de- Lasters, sind des Verderbens auf, als daß er feil en Weg. verfehlen tonnte, wenn er eSl ni!cht selbst will? l l nd warum finden wir denn doch so. viele verlorene Söhne, so viele verfehlte Laufbahnen, so Viele unglückliche Ehen, so viele untergegangene Männer, , so viele bemilleidenSwerthe Greise? Gab eS eine Z,it> wo so viele Hoffnungen getäuscht wurden, wo so viele Personen, an sich und ihrem Geschicke verzweifelnd, Hand an ihr Leben gelegt? . . . Gehen wir selbst nicht fehl, indem wir unS sicherer >or dem Verfehlen unsres Weges wähnen! Roch immer ist »er gerade Weg nur einer, und der krummen, sich kreuzenden, in die Irre führenden Pfade unzählige. Mag ber Ber, stand noch so klar denken, der berechnende Scharfsinn; iel und Weg, Zweck und Mittel noch so deutlich vor ich hinstellm: so lange daS glühende Herz noch der wil m Leidenschaft, der wüsten Begierde zugänglich ist — r nd dieS wird eS immer sein — so lange unser Ohr noch m Locktönen der Versuchung willig offensteht, und so la >ge die—Hand der Vorsehung die Fäden ber Mmschengefch cke in der Hand hat, und sie in weisester Absicht unter eman »er I wirrt — so lange, Mensch, habe stetS und wohl Acht Deines WegeS, daß Du ihn nicht verfehlest! ... ,; „Lasser unS des Weges nicht ^fehlen", theure Le er. j Dieser Zuruf hat noch heute seine ganze Bedeutung nie ' irgend vormalS. Ja, vielleicht jetzt mehr als jemals. , Zn! früheren Zeilen war die Menschliche Gesellschaft in e ne . Menge kleinerer abgeschlossener Kreise getheilk. DieS wa :m i sehr bestimmte Kreise, und in ihnen warm die Le dm Sw ege j genau und ziemlich gleichmäßig adgesteckt. Sie wa m ] unebener, weniger gebahnt, holperiger alt jetzt, aber da ür bestimmter und gewisser. Jetzt wo die Marksteine tnnerh lb deS bürgerlichen LebmS fast ganz verschwunden; die Berhälmisse verworrener, die alten Autoritären, Staatsuid Religionsgesetz adgeschwächter werben, ist eS bei weitm , schwieriger, den rechten Weg zu finden und eMzuhalrei», ■ die Abwege haben sich gemehrt, und Niemand ist sich r,! schon in der nächstm Stunde einen falschen Pfad ei »- ■ zuschlagen. Darum hinweg mit jener Sicherheit m d | Selbstüberschätzung l Da fcägst Du adee: wie mache ich es, baß ich M i Weges nicht fehle? . ’. . Einfach. Es ist immer noch basseldige. Habe Go^t

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