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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 3 (1863) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
3 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 doo ntdj: T.g ein t)i lich j er v in tharen ihre gute Wirkung, und fo oft der m einherschreitrnde Wächter b,S Gesetzes und der S den strammen Jubenburschen erblickte, sah er schnell hinter den Rücken gehaltenen Packen Joseph sorgte möglichst dafür, baß diese- Begegij, selten geschah. So ein Gensdarm halte seit seine drstimmren Gänge von Dorf zu Dorf und von WirtKSHaus, zu Wirlhshaus pünktlich in Stunde, so daß «s leicht war ihn zu vermeidet dann dachte der Beherrscher des Kreises, so Waisenkind will auch leben, wenn er auch ein und die Bauern können auch nicht um jeder Kl willen in die Stadt laufen, und wenn die grünen Ti,'che das nicht wissen, fo weiß es Unseres und versteht es besser. So lange er daher e mag er mit seinem Handel hinlaufen. — Jetzt ti ander-. Der gutherzige Mann de- Gesetzes wai invalide und zur Ruhe-g,setzt geworden, und wurde in den ihm bis jetzt unbekannten Kreis verse i t6 nun, daß die Gewerbevorschrifren einmal wieder her eingeschärft worden, sei es, daß der Neuangeste^t Amtstkätigkeit und Pflichttreue beweisen wollte und ü strengeren Sranes war — zwar nicht die Spitzbu Gauner, wohl aber die Hauflrer, die Hantwerk^b und Polizeiconcravenienten spürten mit Schrecken, neues Regiment begonnen habe. Unser Joseph der Ersten, die unter den Streichen des Sch Gestalt des gestrengen Gensdarmen fielen. Un und heiter H.Ltte er eines Sonntags früh seinen gang angetrerM. E« war ein so reizender Früdlingsjn die Sonne schien glänzend am blauen Himme Flur und Wmd waren mit dem ersten lichten kleidet und bpfteten wonnig, die Lerchen trillerten hoch in den jnilden Lüften; Joseph hatte sein recht wohlaufwerlassey, Scheda hakte ihm beim sogar einen gegeben, oder vielmehr ec batte geraubt, untj der Bursche wußte in seinem Pack> n neue, schöne j Waaren, für die zr sichere Kunc^n Was Wundsr, daß. alS er pen Forst betreten da er sein Liedchen zu singen begann, und den schön dandi nachzushmen suchte, welchen am vergangen«, Abend der »ordetee in der Synagoge gesungen die allgemeine Bewunderung der versammelten erhallen hatti. Plötzlich, als er um eine Ecke do ,rn stämmiger Föhrenwuchs bildete, stand der ner^e darm in glänzender Uniform und mit furcktöar Angesicht vor ihm. Joseph verstummte; der un Blick, welckirn der Hüler des Gesetzes auf ihn n die schnelle Ahnung seines Geschickes in ihm und ein Zittern üderlief ihn. „Halt, Bursche l" Jener zu „was hast Du da?" und er ergriff bei Joseph's und d^rchslödertt ihn. „Haha, Hau j wo hast Du Deinen Gewerbeschein?" — „Ich Hab« lautet.' die demülhige Antwort, „ich werde erst und bin eine Waise, der seine Mutter ernährt. Anderes weiß." — „Das hilft nichts, wer keil hat, darf nicht hausiren. Ihr Juden wißt Andereals schachern; lernt was Anderes, und ih: nicht zu hanstren. Außerdem wie unterstehst am Sontage Handel zu treiben, da noch nicht e Kirchenzeit vorbei ist. Du bist doppelt strafbo: apstätisch cherheit dessen und M,t Abs tzi I J ui d m nur Jakren arionen und Und armes ude ist, inigkeit er» am S doch ist, kam endlich neuer t. Sei Oben e feine «erbaupt ■en und urichen daß ein ntrr eiwer ickfals in erangen Lochenorgen; lchewslbe, dehr Lied terchen jede — ich ihn einige halte, auch l.eeiiv Freitag und der Gemeinde welche Gensirengem rbittliche arf, ließ chfsteigen, rief ihn Packen rwaeen; keinen", Iah«. nichtS Patent nichts braucht Dich ifimal die. n > )u heißt Du, und woher bist Du?" Joseph beantwortete diese Fragen und der GenSdarm notirte es in seine Schreibtafel. „Nun laufe heim. Dein Packen bleibt confiszirt, und der Strafe kannst Du gewärtig sein." Der arme Junge legte sich auf's Bitten, er weinr, und jammerte, aber der GenSdarm schrie ihn nur heftiger an. Da stieg dem Jdseph die alte Wukh ins Her;, er griff plötzlich nach seinem Packen, und eilte blitzschnell davon. Der Gensdarm aber hob seine Flinte in die Höhe, und schrie ihm nach: „Steh oder ich schieße!" Die« kühlte d.n Flüchtling denn doch ad, er warfi-den Packen nieder und schlrzg sich in den Wald hinein. Lange Zeit irrte er verzweiflungSvoll in dem Walde umher, und warf sich endlich erschöpft in das Gras nieder. Er üverschaute fein Schicksal. Er wußte, daß seine Waaren verloren seien, von denen nur ein kleiner Theil sein eigen war; daß er eine hohe Strafe mit längerer Gefängnißhaft sühnen müsse, und was das Aergsi« war, er durfte und konnte das Gewerbe nicht wieder anfangen und halte sein Brod und seine Zukunft verloren. Wie sollte er die Thronen seiner armen Murrec und den Kummer Scheba'r ertragen? Ein wilder Sturm ward in seiner Seele wach. Was hatte er gethan? Wodurch haue er diese Behandlung verdient? Harte er nicht in redlichster Weise seinen Unterhalt und die wenigen Thaler erworven, die er'nach und nach erübrigte? Wen halte er betrogen oder überlistet? Harre er nicht Unwetter und Mühsal, Verdruß und Täuschung geduldig ertragen? Was wollten also die Mensthen von ihm, warum gönnten sie ihm den schmalen Lebensweg nicht, den ec gehandelt, ohne irgend wem zu nahe zu treten? . . . Dies waren die bitteren Gefühle und Gedanken, die im Walde durch seine Seele stürmten, die ihn gegen Abend nach Hause begleiteten, mit denen er vor die Mutter trat. Sein unerwarteter und verstörter Anblick erschreckte diese auf den Tod; voll Verzweiflung und Grimm stieß er die Worte aus, die der Mutter eine Erklärung gaben, und dann überließ er sich unaufhaltsam den Ausbrüchen seines Aergers und Kummers. Was sollte das unglückliche Weid ihm erwidern? da sie ihn auf Gott vertröstete und dessen.sichere Hülfe, antwortete er nur mit Hohn, da sie ihren Entschluß ihm ankündigte, durch einen Fußfall vor dem Herzog Gnade zu e.flehen, erwiderte er nur bitteren Zweifel, und alS endlich nahende Schritte das Eintreten Scheda'S anzeiglen, floh Joseph in seine Kammer. Wirklich trat auch da« Schlimmste «in. Joseph wurde zu einem Vierteljahr Gefängniß verurrhetzk, und die Widersetzlichkeit, die er dem GenSdarmen gezeigt, und die dieser in seinem AmtSstvlze weil übertrieben hatte, machte jedes Bittgesuch um Gnade erfolglos, um so mehr, da die Herren von der Regierung vermeinten, man müsse einmal durch ein warnendes Beispiel den Ungesetzlichkeiten eiam Riegel vorschieden. Wer dachte daran, baß man die« an Schuldigeren, als an dem unglücklichen Sohne der Wirrwe vollführea könnte, und daß das Strafmaß und dessen traurige Folgen bas Vergehen weit überstiegen. Düstere Tage kamen über die Wittwe Benjamin während der Haft ihres Sohnes, Tage des Grames und des Mangels, die um so empfindlicher für sie waren, als Joseph in der vergangenen Zeit ihr stets Freude bereitet und sie mir mancherlei Bequemlichkeiten versehen harre, deren sie sich jetzt nun wieder entäußern mußte, um bei

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