Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 3 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem ffekiele. HerapSgrgcbrn von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. [Mo. 3. 1863.] von vieler ZeiilSrist erlchriat wick^sUich ei»» Nummer. Preis d«s 2adrgang« i Tdlr. Vterieljährig 7 ’4 Ngr. Alle Buchhauvlungr», PoftLmier und ZeiiungeexperiiionM oebmen Seftellungr» an. slO. jLkrtz. 1. Quartal.] VerbreHen und Liebe. > (Fortsetzung.)! Das kleine Geschäft unseres Burschen machte sich Vesser, als man vermuthet hätte. Er war in der Thar gewandt und stark, und sein hübsches AuSsehn, fein munteres Wesen und zum Theil daS Mitleid, das man mir dem Waisenkind«', daS so frühzeitig auf den Erwerb auSgehen müsse, empfand, verschafften ihm den Zugang in die Bauernhämer, und nach Berhältniß einen guten Absatz. Freilich verschwieg er sorgfältig seiner Mutter und seiner kleinen Freundin, daß er auch oft das Gegentheil erfuhr, daß^ ihn hartherzige Leute bisweilen mir den Hunden von dem 3j?of< hetzten, die Dorfkinber ihn mir Spott und Steinwücfen verfolgten, die Burschen in den Wirthshäuser«, wo er Eirchehr halten mußte, ihn verhöhnten und zur Zielscheibe ihrer plumpen und wohlfeilen Witze machten; er verbarg es seinen Lieden, wie oft sich da sein kindliche« Herz empörte, 'fein Stolz sich aufväumte, sein« Faust sich ballte; wie, als er großer und stärker wurde, seine Wuth zügellos ward, und er mit Schlägen und Würfen antwortete, die ihm in! der Regel doppelt und dreifach vergolten wurden. Er blieb dann lieber einige Tage länger aus, dis die Flecke und Striemen matter geworden oder verharrscht waren, damit seine Mutter nichts vavon merke oder er sie mit einem leichten Falle oder Stoß deruhigrN*konnte. Manche Dörfer mußte er daher aus der Liste seiner Kundschaft ganz ausstre» chen, da ei sie nicht mehr zu betreten wagen durfte. Hesto freudiger und zuversichtlicher kehrte er immer zur Wohnung seiner Mutter zurück. Wie stolz zählte er seinen wöchentlichen Erlös vor ihr auf den Tisch, schied sorgfältig was »r für die verkauften Waaren zahlen mußt« von seijnem Gewinn ab, und legte das der Mutter zu zahlende Wochengeld zurück. Wie selbstzufrieden kleidete er sich dann um und ging in die Synagoge und auf die ererbte Der» stäkt» seines Bakers, die Knaben verachtend und sich! den selbstständigen -Männern schon zuzählend.' Seine nächste Befriedigung bestand darin, Scheda einen Wochenbericht zu liefern und ihr seine kleinen Abenteuer zn erzählen, wobei freilich Alles verschwiegen blieb, wa« ungünstig ausgefallen, und die jugendliche Phantasie der geschichtlichen Treue manchen bösen Streich spielte. Da er adhr in ihren Augen gern als eine Art Held erscheinen wollte, und sie ihn vielleicht noch lieber als einm solchen betrauten mochte, so stimmte es ganz gut zusammen. Und Scheda verdiente alle Aufmerksamkeiten des Knaben, denn dieser unterstützte seine Erzählungen öfters durch kleine ländlich« Sch, ih ' de u Gaben, die er für sie mitdrachte, Blummstraußchen, schöne Frucht und dergleichen. Sobald sie ihre arbeiten und später die häuslichen Verrichtungen bei Ellern beendet hatte, eilte sie zu Josephs Mutter, ihr, wartete ihrer bei ihren Unpäßlichkeiten oder verplaud> doch wenigstens eine Stunde mir der armen Wirtyo Kurz, sie erwarb sich um diese di« größten Verdienste, Joseph bereitwillig anexkannte. Es war diej rin so» barer Bursche, der in fast dreifacher und ganz verschie Gestalt erschien. So zärtlich und hingebenb bei der Mu und der Freundin, so beredt, gemüthlich, neckisch, ja üi sprudelnden Humors draußen bei Leuten, die. ihm gefie r: ebenso abstoßend, tückisch und stolz war er gegen die üb Welt, ging still und in sich gekehrt seinen Weg und dra nur zu wilder Leidenschaft und ditterm Haffe auf, wo hie geringste^ Beleidigung zu erfahren glaubte. Alles entwickelte sich bei ihm mir den Jahren immer de und starker. Und die Jahre vergingen. Joseph zahlte schon fechszehn, Scheda stand nahe dem vierzehnten Iah Beide waren über ihr Alter hinaus, äußerlich wie innerff In Beiden wachten Gefühle auf, verschieden von früheren; in beiden wuchs unbewußt die' gegbrrseift Neigung zu der Gewißheit heraus, sich einst für das L anqehören zu wollyr. Es warb dies zwischen den Kia nicht ausgesprochen, es verstand ffch von selbst. Da ein Ereignrß ein, welches die Aerhälmisse umgestal^e Nach den Gesetzen des kleinen deutschen Staates, welchem unsere Geschichte vor sich gehr, war der H den Joseph betrieb, nicht ganz in der Ordnung. Haufirqeschäfte gehörte ein hochbesteuerter Gewerbes, und dieser wurde nur mündig gewordenen Leuten gegeben Almvsenempfänger erhielten ihn auch nicht. So rprder die Wittwe Benjamin noch ihr Sohn Joseph Hausirgewerbe bekommen, und der letztere mußte fein Gesch in eigentlich verpönter Weise betreiben. In den Ländern aber werden gesetzliche Vorschriften, namen wenn sie etwas älteren Datums sind, nicht streng handhabt; man sieht sich da die Personen und Verhälttti chehr als die Dinge an sich anda man jene so ge! kennt; der andere Beamte, der sich in seinem kleinen K für bi« entscheidend« und gebietende Autorität hält,' ha« Mehr nach seinem Belledm und feiner Einsicht, als dien Buchstaben. des Gesetzes. Joseph stand sich Und er war nicht der einzige, ganz gut und friedls Kleine Geschenke an die Frau und die Töchter d»S G darmen, der allein sich um diese Sache zu kümmern esne l en hbff rte e. die htLir trr ern, q* iyste er tiies »stürm »er über re ch >MI 9« on terv ral te iv anbet 3«r> Äeir int t. eir äs er (id ge ff au Üeisi wli v ich kor» daher ch. ebs» ha tu,