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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 Oie nächste Zeit gar hübsch zu graben gehen, Um nur ein passend Plätzchen zu besorgen Oen armen Schächern, die für ihren Glauben An de< nunmehr erblichnen Sterne« Sohn Statt der von ihm geprägten neuen Münzen In römfchem 6isen ihren Sold empfingen: Die Dummheit gräbt sich stet« ihr eigen Grab! (Lauschend.) Doch wie? da« klingt ja wie Gesellschaft, horch! Die Römer werden« hoffentlich nicht sein. Der Saran selber müßte sie denn führen! Ah, nein, '« sind meine guten Freunde, die Bon frühem Zeiten her bl« Stelle kennen, Wann« nicht geheuer in der Stabt mehr war. Man har doch schon so mancherlei erlebt! *(£i tritt in den Hinlergrm &'.) Zweiter Auftritt. (Jonathan. Akiba mit der von einem Urberzuz umhüllt im Arme; ihm folgen zum Theil Büuhel tragend Wandersiadcn versehen: Limen den Gamalirt, Priester, Frauen, unter ihnen Mirjam und Esther, Linder' Akiba. a Tora mit Männer, i nfc Hier laßt die erste kurze Rast uns halten, Daß wir mit neuer Kraft bann weiter ziehen, Wohin de- Himmel« Fügung uns gebietet. Jonathan (hervortretend, so daß er recht« zu stehen kommt) Willkommen, theuecster Akiba, hier Im GrüneN; ei auch Simon du, willkommen! Nicht wahr, hier ist e« doch behaglicher, Al« drinnen in der-Stadt, au« deren Lärm Ich noch vor Sonnenaufgang mich verzog. -Sagt mir, wie steht e« denn jetzt eigentlich? Simon den Gamaliel. O Jonathan, wa« unsre Baker «inst Beim Untergang Jerusalems erlebten, Ein Vorspiel nur war« zu der Grausamkeit, Mit der dje Römer.—Fluch sei ihrem Namen! — Dießmal gewüthet und noch immer wüthen. Nein, nicht vermag der Mund dir zu erzählen, Wa« furchtbar schaudernd noch vor wenig Stunde i Da« Auge war gezwungen anzustarcen. Weh unsrem arme» Bolk, weh ihm! Gebrochen, Zersplittert ist sein Stamm für alle Zeiten! Jonathan. Ich theile deinen Schmerz vollkommen. Habe Ich selber alle« dießmal doch verloren! Bedenke meine Hauser, meine Gärten, Bedenke ferner meinen schönen Weinberg, Da« baare Geld noch gar nicht mitzurechnea, Wa« wird davon der Römer mir noch lassen? Arm bin ich nun, arm, eiy geschlagner Mann! Afiba. Hab ich denn recht gehört? ist« möglich denn? Nein, Jonathan, nein, lieber will ich hören, Daß dir der Schmerz um deine« Volke« Wehe' Die Sinne hat zerrüttet, da« im Wahnsinn Dein Mund verkündet, .wa« da« Herz nicht weiß. Ja laß mich alle« andre lieber glauben, Al« daß auch jetzt, in diesem Augenblick, Wo jeder Luftzug Mordgeruch versendet, Der Boden dampft vom Blute deiner Brüder Und purpurn über Meer und Bergeshöhen Der Himmel glüht von seinem Widerschein, Wo jeder Baum, wo jeder Stein vom Aechze« Und TobeSstöhnen Juda'« widergellt. Daß auch noch jetzt dein Trachten sei gerichtet Auf Glan; und Schein, baß du auch jetzt noch denkest Nur an d.« Leben« schaale Außenseite! . Jonathan. Du wirst.dich wohl erinnern, wecther Freund,- Daß wir schon früher in so manchem Punkte Nicht ganz zusammenstimmleo.I So auchjetzt! Schein, Außenseite, Glanz! Al« ob ein Thor War, der darauf den rechten Werth zu legen Versteht, als ob die Außenseite nicht Da« einzig Wichtigste des Leben« wäre! - > Nimm doch der Erd« ihre Blumendecke, Den grünen Wald, de« Meere« Silderschein, Wa« bleibt dir noch? Ein Haufen schwarzer Koth! Nimm doch der Jungfrau lieblichen Gestalt Oie äußr« Hülle, ihre« Busen« Schnee, De« Auges Reiz, der Wangen Rosenfammt, Wa« bleibt? Ein grinsend Todtenangesicht, Ein klappernde« Gerippe fahler Knochen! Nimm doch dem Throne de« Gewände« Zier,. Der Diamanten Pracdt, de« Golde« Flammet», Wa« bleibt? Vermodert Holz, dem Wurm zum Fraß! Der Schein erst giebt dem Dinge seinen Werth! Willst also du oem Leben noch entziehen, Wa« seine Außenseite du genannt, (Mit stetgtnder Bitterkeit.) Willst du ihm seine Thorheft auch noch nehmen, Wein, Ehre, Liebe und de« Golde« Glan;, Wa« bleibt dir von dem elend armen Leben? Ein grauenhafte« Räkhsel, nur ein Gift, An dessen Eiterbeulen langsam du Verstechst, ein schmutzig Ding, um bessetwillen Sich« wahrlich nicht der Müh zu leben lohnet! (Nachdem er einige Mal erregt am und abgegangen, während Akiba« Blick mit dem Ausdrucke tiefen Mitlnd« auf ihm ruht:) Enrschuldgung, Theuerster, baß ich mich also Ereifert. Hält ich niemals doch für möglich Gebaltrn, daß in meinen Adern noch Ein solche« jugendliche« Feuer brenne. Doch weißt du, '« giebt gewisse Gegenstände An die, wie man wohl sagt, da« Herz sich'hängt. Da kannst du, Freundchen, mir es nicht verdenken. Wenn ich, dem der verwünschte Krieg sein Alle« Genommen, jetzt in Eifer etwa« kam. Du bist doch wenigsten« gescheidt gewesen Und hast, wie eben ick bemerke, dir Dein Päckchen mitgenommen; ja, da« ist Ganz gut und klug! hält ich« nur auch grthan! Akiba. Unseeliger, die Tora ist e«, hörst du? Die. Tora, Jonathan, da« eine Gut, Da«, wenn du auch dem Leben all sein Glück, Ihm Höhere« noch nimmst, al« wa« dein Frevel Da« Wichtigste zu nennen sich nicht scheute, — Der Künste und de« Wissen« edle Zier,

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