Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Letehrimg und Anteehattnng auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von * Rabbiner Dr. Ludwig Phili-Pson in Bonn.! s!)io. 2. 1863.} Bo» tiefer Zettschrilt erscheint wSchentlich eine Rommee. Prell de< Jahr« «--»» l LHUc. BieneljShria 7 X 9tgr. Alle v»chha»dlo»ge», PovEter »nt .Heitu»0len«6itunt8 »ebne» Bestell»»»« a». [10* Isl»rg. 1. portal] Jonathan und Akiba von Paul Möbius. Vor Kurzem ist ein wohlgelungenrs Trauerspiel von Paul MöbiuS erschienen (Leipzig, 1863), welches den B-r-Kahba zum Gegenstände hat. Wir Heden hier eine sehr interessante Scene, den ersten und zweiten Auftritt des fünfte« Aufzuge« heraus. Be rar, die Festung, in welcher sich Bar-Kahba gegen die Römer ein ganzes Jahr hindurch vertheidigt hatte, war durch Hinterlist und Berrath gefallen. Aus dem ungeheuren Blutdade, welches die Römer unter den Juden anrichtet«, Hanen sich zwei Mitglieder des Sanhedrins, R. Jonathan und R. Akida, gerettet, vo« denen der Erster« die dem Rabdinismus entgegengesetzte epikuräische Richtung eingeschlagen, während R. Akiba der echle Repräsentant oee national »retiglöfen Geistes war. Man wird dies im Folgenden recht glücklich ausgedrückt finden. Erster Auftritt. (Waldplay.) Jonathan (links vor einer Grube mit einem Spaten in her Hand. Reben ihm steht ein Geldsack.) Die Grube wäre fertig! Freilich hat Sie beiden Schweiß gekostet; meinetwegen! Solch eine Grude laß ich mir doch noch Gefallen: die giedt wieder hübsch heraus, Was man ihr anvertraut! Ein di-chen Rost Dazu, nun ja; was fchadets auch? 'S ist. doch Nicht Moder, nicht Verwesung! Ha, verwünscht, Daß man auch immer dran noch denken muß! Ich mein, '< wär schon genug, daß man dem Ding Nicht kan« entfliehn! Warum auch noch sich quälen j Mit der Erinnrung dran? Hilft doch zu nichts l (Cr hebt den Gelhsack auf.) ' Da lob ich mir hier diesen guten Freund Mit seiner schmucken Gold- und Silderfülle, Der bringt doch wieder fröhlich« Gedanken! So lang ich dich noch Hab, ist auch noch nichts Verloren; du wirst sichrer, Freundchen,» mir Ein Vaterland und Macht und Ansehn wieder Verschaffen, als es jener Narr vermochte Mit seiner Krone, seinem Schwert »nd all Dem Wortgeprahl von Ruhm und Vaterland! Was ist er nun und sie, die an ihn staubten? Ein Fluch der Juden und ein Hohn der Römer! DaS ist fein Lohn! Hab es ja gleich gesagt; Da wußten sie es aber alle beffer. Die klugen Herrn mit ihrer feinen Nase! Ha, lächerlich! (Er blickte wieder auf feinen Geldsack.) Jt, wer dich hat, der hat Die Macht! du bist der «inzge Held und König, Dems wahrhaft lohnet ewge Treu zu schwören. Dem kein Rebell vermag das Reich zu stürzen. Vor besten Scepter jedes Volk sich beugt! Ha, ha, verachtet, höhnet nur den Juden, Hetzr ihn wie ein geschosten Wild von Ott Zu Ott! Nur zu! (Auf den Sack deutend.) Hier stecktet, was zuletzt Die Spötter sammtlich lockt mir in die Falle Und mich läßt bester lachen als sie alle! (Er wendet sich wieder zur Grabe.) Und nunmehr komm, mein theurer Herr und König, Laß dich einstweilen hier zur Ruhe nieder. Bis ungestört ich von den römschen Spürern Und meiner eignen Leut« scharfen Auge» Zu rjnem würdigeren Thron dich führe. (Er legt den Sack in die Grube und füllt sie dann wieder jq, sich von Zeit zu Zeit scheu umblickeNd? nachdem er die Erde g ebnet hat:) So schütz ihn denn, du mütterliche Erbe, Birg ihn vor jedem unberufnen Blick, Das nicht zu Schanden deine Tjrrue werde, Der — (die Achseln zuckend) ohn Stücke weit weg in UI Pfandschein — ich vertraut mein Glück! Doch du, mein bester Spaten, hu kannst laufen, (Er zerbricht ihn und wirft bi« Gebüsch.) Daß du mir nicht noch zum Venäthtt wttbest. Und wir hübsch bei der weisen Regel bleiben: Der Dolch, den du gebraucht, zerbrich, Sonst trifft dich selber n ich sein Stich! (Sich die Hände' vom Stände reinigend.) Was doch btt Mensch nicht alles 4mn! Wahrhaftig, Als ich noch üb« meinen Büchern saß, Ich hätt es damals mir nicht träumen lassen, Daß mit dem Spaten ich dereinst so trefflich Verstehen würde umzügehn. Wenn die Zu Bttar drin es wüßten, ja ich glaube, Sie würden wohl noch eiftiger, als es Schon so geschehen mag, auf meknm Fang Bestehen; denn da mag es heute und i i