Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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o keinen Schritt wieder in die Stube, ich mag fd nicht, ich thue es nich . . . Und der Knabe überließ sic seiner Leidenschaft in angemäßigter Weise\r « stampfte r it den Füßen; schlug i rit den Fausten ans den Tisch, rau ke sich in den Haaren! sein ganzer Körper schüttelte sich! ampfhast und seine Züge verzerrten sich bis zur Enls ellung. Die Mutter schlug die Hände über den Kopf zusi nmen, und rief immer wiederholt: „Sei doch nur ruhig, naß'ge Dich, ich werde wieder krank werden , Du bringst mich unter die Erde, und dann Da öffnete sich leise die Tbüce, und ein kleiner Mädchen von ungefähr neun Zähren trat in das Z mmer. Sie blickte vsll Staunens auf die beiden aufgeregten Menschen, die bei ihrem Erscheinen zu sprechen au! 'örken. Es war just kein schönes Kind, aber ihr Gesicht trahlte so voller Herzensgute und Sanflmutd, und sie ewegle sich fo anmulbig, daß ihr Eintreten sofort eine deru »igende Wirkung tbat. Sie schritt nach einigen Auge blicken auf Joseph hin, ergriff dessen zitternde Hand und sprach mit mildem Tone: „Aber lieber Joseph, was h st Du denn i Du bist ja ganz außer Dir, und es itz^nich: schön von Dir., baß Du wieder einmal so wildbist.' Der Knabe blieb ihr die Antwort schuldig, aber die Rurler erzählte ihr in der Kürze, was vorgefallen. Ar ch das Kind war empört, wandte sich za Joseph, streichele ihm die Wangen und sprach: „Der schlechte Mensch hc l Dich übel behandelt. Du hast ihn aber bestraft, Josept, und nun laß eS gut sein, und verhalte Dich ruhig, ur d folge Deiner lieben Mutter, die Dir gewiß nichts thui lassen wird." Der Knabe beruhigte sich wirklich unter d n Lirbkosungen des Mädchen», die Thränen rollten ihn nur noch über daS Gesicht, aber zuletzt sprach ec: „ zn die Schule bringt mich doch Keiner wieder!" DaS Mädchen, das auf die beiden Unglücklict m eine so beruhigende Wirkung geübt, war die Tochter benachbarter teure, armer jüdischer Handwerker, die i iit der Wittwe Lenjqmin auf venrautem Fuße lebten, ir dem sie sich gegenseitig in ihren Nöthen aushalfen, war nicht selten geschah. Die Acmurh ist rin viel festeres Bindemittel, als der Reichthum und die gefellschaftliä en Genüsse, welche ein lupuriöS auSgesiattereS Haus 0 irbieret. Durch daS Band gemeinsamer Entbehrungen we den die Seelen an einander gekettet und zu Großmukd ur b Hingebung geführt, die auf den Wegen des WohlstaN es und gesicherter Existenz nicht gefunden -werden. Die beiden Kinder waren daner von dem Augenblicke an, wo > e gehen . gelernt, zusammen ausgewachsen, und harren sich > >ie Geschwister und noch mehr lieben gelernt. Der wild Knabe spielte stekS den Beschützer für "das schwache D Lochen, wahrend die Sanftmuth Scheba'S ihn bei seiner leichten Erregtheit immer zu zähmen verstanden, fo daß l i, allzu nachgiebige Mutter oft zu Scheda ihre Zuflucht nahm, wenn sie den unbändigen Knaben zu etwa» v rmögen wollte. Diesmal aber gelang ihr dies nur zur Hälft. Die Leidenschaft wich, aber der Eigensinn blieb. Alles Zureden half nicht-. Auch die Ellern Scheba'S könnt« den gar nicht beschäftigten, nahm, obschon die Sache in allen Häusern vielfach besprochen ward, keine Not«) davon. Joseph blieb zu Haust, und warf sich anfangs mir aller Macht feines Eigenwillens auf das Lernen; ec las und schrieb und rechnete den ganzen Tag und tief in die Nacht hinein; er verschaffte sich eine Menge Bücher, die er für seine liebsten Spielsachen eintaulchre und ließ sie gar nicht aus de» Händen. Kaum daß Scheda ihn. dann und wann auf ein Stündchen in den kleine« Hof lockte, um mit ihr zu spielen. Unrer die Knaben machte er sich gar nicht mehr, und wurde ihnen wie eine fremde Erscheinung. Aber das währte doch nicht allzu lange. Sein Wesen war zu unruhig, seine Neigungen zu lebhaft, als daß ihn das Studircn lange Zeit hätte fesseln können. Ec schien; über etwas zu brüten, ging einige Tage wie träumend > umher, und trat endlich vor seine Mutter, indem er ihr erklärte, er wolle vom Anfang der nächsten Woche an einen kleinen Hausirbanbel anfangen. Er wäre stark genug und gescheidl genug, um sich durchzubelfen, und wolle! nicht Mehr das kümmerliche Brod seiner Mütter theilen und zum größten Theil.verzehren. Sie solle ihm nur für I ein paar THaler Waaren schaffen, dann würbe er schon j seinen Weg machen. Die Mutter war erstaunt und wollte! nicht darauf eingeben. „Du kennst das nicht, mein Soda," wandte sie ein, „Du bist noch zu jvng und zu schwach, um in Wind und Regen, in Frost und Schnee von Dorf zu Dorf zu ziehen. Du würbest krank werden. Ober ein böser Mensch schliche Dir nach, schlüge Dich zu Boden und nahtne Dir Deinen Packen ab. hätte ich I Tag und Nacht keine Ruhe!"! Die» war Alles recht; aber hatte ste die Äraft, seinen l immer wiederholten Bitten und Drohungen, seinen leiden- . schaftlichen Ergüssen und wilden Stürmen zu widerstehend i Er zeigte ihr seine starken Arme, den Knolenstyck und daS ' Messer, mit denen er sich bewaffnen würde; er drohte ihr, davon zu laufen und gar nicht wiederzukommen, bis endlich Scheda sich inS Mittel legre, sie bat, nur einen i Versuch zn machen, und nachdem die Mutter nur erlangt , halte, daß er bis zum Tage nach seiner Bar Mizwa warten : möge, gab sie nach und bereitete Alles zu seinem Unternehmen vor. (Forts, folgt.) Knabe« nicht umstimmen. Die Befürchtungen der erfüllten sich zwar nicht, der Lehrer hütete sich, pn e Klage beim Vorstande eiozubriagen, und dieser, au» G fchaftSmännern bestehend, die sich am liebsten mit der Schule Wittwe Wanderungen durch die Wüste nach dem Sinai. Ben Konstautin Tischentorf. (Fortsetzung.) Am 3. Februar rüstete ich mich den Sinai zu besteigen. ES geschah im Laufe von fünfzehn Jahren zum dritten Male. Da» Ersteigen des Berge», wenigsten,» in seiner ersten größeren Hälfte, war seit kurzem bequemer geworden. Dem vorigen Bicekönig von Aegypten, Abba» Pascha, hatte ftomme Schwärmerei und leidenschaftliche Anhänglichkeit an die Wüste den kühnen Gedanken eingegeben, auf einem der Nachdarfelsen vom Gipfel de» MosiSbergeS ein Sommerschloß anzulege». Zu diesem Behuf« ließ er, unrer Umgehung de» schroffen Aufstiegs der Pilger, mit großem Geschick und viel Kraftaufwand einen Weg anlegen, den ein Zweispänner sollte befahren können. Ueder 2000