Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 52 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
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— 211 Rückkehr' von der Reift aber sind seine Arbeiten größtenrheils nach seiner eigenen Idee, sowohl in Hinsicht der Darstellung alS auch der Zuschriften. * Unter seinen Arbeiten, welche sich sowohl durch die Einfachheit der Ideen alS durch die saubere Ausführung au-zeichnen, und welche den einfachen reinen Geschmack in der Stempelschneidekunst sehr gefördert haben, verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Eine große PreiSmedaille Friedrich de- Großen auf die Gesetzgebung; dl« große Medaille auf daS Krönung--JudiliKm der preußischen Regierung; die groß« PreiSmedaille auf die Dacrinatton; eine Medaille auf die Königin Luise von Preußen; eine andere auf den Kaiser Paul I. von Rußland; eine Denkmünze auf dir glückliche Rückkehr de- König- und der Königin von Preußen; eine auf die Ankunft deo Kaiser- Alaander I. von Rußland;. ein« auf die Zusammenkunft der drei Souveräne 1807. Außerdem verfertigte er noch viele Denkmünzen auf berühmte Gelehrte. Er starb al- Münzmeister zu Berlin im Jahr« 1811. K Die Walt preisir die gold>ne Minelstraße, ob schon sie oft wenig mir dem Golde vervmwt ist. Mag sie auch im beschränk»« Kreise -de- Hau-tz-lreS von ersprießliche» Folge« begleitet fein, fo erscheinest« doch im Reiche deck Geiste- und Herzenaleine gefährliche Schwankung oder höchstenalbequeme Bahn, worauf sich di, Flachheit und Flauheit ergeht.^ Recht und Unrecht, zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen Glauben und Unglauben gibt e» keinen Mittelweg, nur der Heuchelei und der charakterlosen Unentschiedenheit ist eeigen, sich dnrch diese äußersten Grenze» durchzuwinden. _ Um zu einer höheren Stuft zu gelang«, ist enicht immer nöthig, daß wir steig«;! wir steigen auch, wenn Andere sinken ^und dieist der Grund, warum Berläum» düngen so hastig au-gestreur usid so gierig aufgenommm werden. Die Sucht zu vertäumden ist de-hald auch ein« Eigenheit niedriger Seelen. Denn weil sie weder. Kraft noch Willen haben, sich über da- Gewöhnlich« zu Ncheden, so muß der Fall ihre- Nächste» da- Thermometer ihrer Höhe adgeden. Der höchste Verlust ist, sich selbst zu verlieren. Aphorismen u I von David Wahl in Codlenz. Die verderbliche Wirkung der Sünde ist «ine doppelte; ein freventlicher Eingriff in die göttliche Ordnung der Natur; denn wie sind gleichsam mit Vernunft begabte Planeren, die um eine geistige Sonne zu wandeln haben; — zugleich aber auch eine Verletzung unsereinnersten Wesen-; denn wie ein Glied, wenn esich vom Körper lo-risse, seiner eigenen Vernichtung enrgegengehen würde, so zieht auch da- Sündhafte eine geistige Verwesung nach sich. Ein Mensch, der von Jugmd auf verkehrte Grund» sätze eingesogen hat, ist wie ein uneben geschliffener Spiegel, er nur verzerrt« Bilder zurückwirft. . 8gehört eine groß« Kunst dazu, den Schein audem Versteck de» Wesenherau-zustödera. Ader man rege nur die Leidenschaften der Scheinheiligen auf, fo werdm ihr« Blößen im Licht erscheinen, so wie man in der neuem Kriegskunst Leuchtkugeln aufsteigen >läßt, um guch in der Nacht Stellung und Bewegung der Feinde zu deobachtm. aber Unentschiedenheit wirkt enmervevd auf unser Innere-; Eutschloffmheit ist ein Sturzbad für die Seele. Denn der Frühling wieder einzieht, so streut «r auf feiner Bahn neue- Leben, neu« Herrlichkeit aus; aber -tausendfache- Ungeziefer lauert schon über und unter der . Erde, um Tausend« von Keimm zu erstickm: So pflege» Neid und Schmähsucht ihre kalte» Fangarme vergiftend und erdrückend um da- Schön« und Edle zu legen. Die Heldentugeoben unserer Vorfahren sind Schaumünzen von edlem Metall, die zwar nicht mehr im Kurse sind, aber alkostbare Kleinodien von Geschlecht gu Geschlecht aufbrwahrt werden. Die Thränen de- Unglücklichen fallen albeftuchrender Thau auf den Acker seiner Zukunft; aber dem Unterdrücker geftierm sie zu Hagelkömem, die seine Saar zerschlagen. Die Scheinheiligkeit glaubt, mir einem gleißmden Mantel umhüllt, der Gerechtigkeit Gottesich zu entziehen, so wie der Strauß, um den Blickm de- Jägerzu entgehen, seinen Kopf in den Sand steckt. Wie viele Schalen und Häutchm muß man oft von einer Seele abwickeln, um endlich zu dem winzigen Kern zu gelangen. Die Wüadm, welche der Spart da» Gemüthe schlägt, sind ein Vandali-mu-, der t» Heiligt-am de- Herzende, gangm wirb. _ _ Eist wohl ei« rührender Anblick, wenn die gedrückt» und gefeffette Unschuld mit Ergedemg «mf den Tag da Erlösung harrt; aber Nichtgleicht auch da Erhabenheit, wenn sie bei andrechenbem Morgmroth in hoher Majestät sich > erhebt, die Pfeile der Spötter und dft Ketten der Unterdrücker zu einem Racheschwerr schmiedet »nd Schlang« und Narre« unter ihren Füßen zermalmt. Dana ist der Tag gekommen, wo „der Kmg zerdrochm am Brunnen liegt, und die Müllerin feitrt". Eist lächerlich, sich selbstgefällig in Spiegel zu betrachten, aber gefährlich, sich im Anschau« seiner «oralischm Schönheit« zu verlieren. *