Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 52 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
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I Wauderuugeu durch die Wüste uach dem Sinai. Bon Aoostaotin Tischendorf. zu lFortsetzung.) Nach diesen Abschweifungen in den Wadi Scheck, feinen Maanatamacisken, seinem Fellenthore, kehren isir - dahin pirück rvo es im Westen beginnt. Denn erst bei meiner ^Rückkehr nach Aegypten — am 7. Februar nabm ich die« Mal den Weg durch Wadi Scheck; dagegen schlug ich am 30. Januar den kürzeren wenn auch >«* schwerlich««»» Weg nach dem Sinai ein. Dieser letzi >c< i führte uns, nachdem wir e'l Bueb, den Grenzfelsen es '■ Wadi Feiran. hinter uns hatten, zuerst beim westlict en ' AnfangdeS Wadi-Scheck vorbei, der von da aus e ne! nach Nordost weit sich ausvehnende Biegung macht, soda tn | aber tnf den südöstlich laufenden Wadi Selaf Kme n.! Dieser gegen 6 Stunden lang« Wadi läßt sich dm an ie- - hcnbftm der Sinaitischen Wüst», beizahlen; an reizen ».ec Mannigfaltigkeit der Felsenwände steht er kaum ein m . anderen nach, und auch die Vegetation, obschon ohne Palm n, ist so reich, daß sich zwei Beduinenstämme darin mit ih en schwarzen Zelten angestedelt hatten. Als wir bei die en Zelrdörfern, die sich ohne allzu große Mühe aus dem «n en 1 Wadi in den andern versetzen lassen, vorbeiritten, war es schwer sich den freundlichen Einladungen ihrer Schecks zu enrjiebe». Da ich es aber für möglich hielt, an dies m Tage, einem Sonntage, noch das Kloster zu erreich n, so konnte ich auch meinen Begleitern nur. flüchtige 8!egcüßungen gestatten, die sie immer mit großer'ZLrtlichl eit unter oft wi-derholtem Bcuderkuffe vollzogen. Bevor wir die Hauptaufgabe dieses Taqemarsches, >ie Uebecsteigung des Nakd el Hauwy, zu lösen begann n, . batten wir schon einen Vorgeschmack davon, indem i »ir «inen mit Felsblöcken aufö reichste und störendste überfae en schmale« Weg abwärts zu steigen hatten. Aber um 2 Uhr des Nachmittags standen wir am Fuße des berühmi m „Winvpasses" oder „Windsattels" selbst. Umsonst f ar man ihn für eine neuere, etwa dem Sinaikloster zu 6 e« fallen auaelegte Bergstraße auSgeden wollen, da mehr re seinen Sreinvlöcken eingegräden« Sinaitische Inschrift« zerstreut über den ganzen Weg, —, 1863 zählte ich der n sieben — seinen Ursprung und Gebrauch um Jahrhunve> te über di« Anlegung des Justinianischen Klosterhinaufrücke i. Daß jedoch in der Thal die' Hand der Kunst dazu mit; rwirkl har, diesen Uebergang über ober durch das Gebirze zu ermöglichen, dafür zeugen mehrere wegsamer gemachte Stellen der rohen Felsenwildniß. Als eine solche erschei tt der Paß aber sofort. Rechts und link« thürmen sich imposante vielfach zerrissene ucgebirgliche Felsmassen ai f. Während wir zur Linken die bisweilen ln beträchtliche Tb fe hinabreichende Felsspalte vcr Augen haben, führt unS der Pfad über die unteren Vorsprünge der über 500 Fuß hoch trümmechaft aufgeschichlerea Äranitklippen zu unserer Rechte i. Zwischen herabgestüczten Felsen steigt dieser Pfad steil ui d in vielen kühnen Windungen aufwärts. Die beladen n Kameele müssen eben so kräftig als geschickt sein, um ih e Ladungen -glücklich hindurch - und hinauf zu dringen; o't haben ihr« Führer mit lenkender und schützender Hand er'- ^zugreif«. Gegen die Mitte des Passes wird der W g 210 — leichter; der Abgrund zur Linken hat sich fast ausgeglichen; es ist nur noch das wildromantische B«t des GießbojcheS, der da alljährlich von den Bergen heradstürzt und befruchtende Wasser in die harrenden Thäler trägt. AlS wir die Mitte selbst erreicht harten, Nachmittag ljt4c, willfahrte ich dem Wunsche meiner Beduinen nicht weiter z» ziehen; denn vom Dunkel durften wir allerdings auf h schwierigem Wege nicht überrascht werden. Unser Lager vucde m tten in der hohen Felfeneinöde durch eine kleine-Sandfl »che, gerade groß genug um daS Zelt darüber arfzufchlc gen, möglich gemacht. Auch fanden die Kameele an d«n zwi chm den Felsen wachsenden Gesträuche einige Erquicku,g. Pon menschenfeindlichen Insassen dieser Klüfte blieben.wir unbehelligt; nur zahlreiche Adler umkreisten die Höhn; war es doch auch alS ob wir uns selbst mit solchem Nacht, lager kn die Region der Adlerhorste verirrt hätten. Am 31. Januar früh 7 Uhr setzten wir unseren Felsenlveg fort: er verlor auf der östlichen Seite mehrlund mehr von seiner Schroffheit. AlS sich aber vor unspaS Thal zu öffnen begann, da ragten in naher Feme yor unseren Blicken »ns wolkenlose Blau des Himm-ls hsicin jene majestätischen Gcanitberge, auf denen noch heute Jro?, Ehrist und Motzlem das Gedächlniß der GesetzeSvffenbsstu»; feiern. Von keiner Seite kann idc Eindruck den nahsnter, Pilger mächtiger ergreifen. Bald stehen wir in der ipeivn Ebene Rahatz selbst: von ihr auSerhebt sich wol an ^00) Fuß in schroffster Gestalt der nördliche nackte Fels> de> -Liaaigebirgs, gewöhnlich Horeb benannt. Rechts! vor ihm erblicke« wir am Rande der Sandwüste vereinsamt» freundlich grüne Stellen, eS sind zwei Klostergartchen. Links aber schaut uns bald darauf, kühn zwischen den Gcanitberge« in Isckmaler Schlucht festungsartig aufgehaut, das Kathari'nenkl^Ker entgegen; seine Gartenmauern über;, rageck in unverwelklichcs Grün gekleidete Cypressen: mit >o lieblich ernsten Bolen winkt es uns sein Willkommm zu. Nachdem wir die genannte Ebene Rahab durcbrnessm hatten, zur Linken an der weiten Oeffnung des Wadi Sckrch vorüber, betraten wir ben schluchkartig in südöstlicher Richtung laufenden Wadi Schneid, und hielten gegen 10 Uhr am Karharinenklofter. (Fortsfolge.) Kleine Biographie. * Abramson. So fern auch die Juden Deutschlands lange Zeit den Künsten standen, so haben sie doch eine Kunst sietS Mit Vorliebe geübt und darin eine bewundernswerthe Höhe erreicht, nämlich in der Graveurkunst. In diesem Kunstfach, daS den Juden gewissermaßen erblich überkommen ist, hat auch Abramson bedeutendes geleistet. Abramson, einer der vorzüglichsten Graveure und Medailleure aus dem letzten Viertel deS vergangenen und dyn ersten Zehn» dieses Jahrhunderts, war im Jahre 1754 zu Potsdam geboren. Die ersten Radimente, fo Zulagen, daS Mechanische seiner Kunst erlemte ec von seinemOvaler, dem Münzmedailleur Jakob Abraham, der in dieser Funotion dem königlich preußischen Hof über fünfzig Jahre, biS zu seinen 1780 zu Berlin erfolgten Tode, gedient hatte. Ehe Abramson in den Jahren 1788—1792 «ine Kunstreise antrat, welch« wesentlich dazu beitrug, seinen Geschmack zu bilden, arbeitete er nur nach vorgelegten Zeichnungen; nach