Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 52 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Die Heidnische» Religionen gleichen einem »eblichten S age, der die Sonneuscheide' nur in schroachen Umrissen ecsch« inen läßt; aber die Religion Israel« dem erquickenden Mo genstem, der. Rächt und Nebel zerstreuend, die Ankunflj des großen Tage-gestirneverkündet. Anekdote. Ein katholischer Geistlicher, der einen guten Sherz liebte, unterhielt sich öfter mit einem jüdischen Metzger, der nicht ohne Witz war. Einst befand sich der letzter« bei dem Pfarrer, all dieser ihm erzählte: Freund Joseph ich habe diese Nacht ein« sonderbaren Traum gehabt. Ich kam nehmlich nach dem Himmel, und der h. Petrus n ollle mich geradezu in den Himmel der Katholiken hinein kaffen, als ich ihn bar, mich doch auch einmal in den Himmel der anderen Leute hineiablicken zu lassen. — Und I wie fanden S''r e» denn b», Herr Pfarrer? frug der jütische Metzger. — Run, in den Himmel der Katholiken war Alle« prächtig und herrlich und wundersam schön, wieumn der liebe Herrgott selbst darin wohnte. Der Himme der Evangelisch« ging allenfalls noch, an, man konnte ei sich gefallen lassen, und ruhig und ordentlich darin verw iten. ___2U«—4dfab<r zum Himmel der Juden kam, da wa : xin solche« Geschrei, solche Unordnung und wildes Wesen daß ich sofort den heiligen Petrus bar, mich draußen zu l iffen. Wa« da« doch für sonderbare Zeiten sind, erw iderte der Jude. Justament, Herr Pfarrer, solch' einen ahn ichen Traum habe ich auch gehabt. Es kam mir Alle« tra; efähr ebenso vor, wie Sie da erzählen. Bevor ich ab r in Abraham« Schooß einging, bat ich Petru«, mir doch auch einmal den Himmel fir die geistlichen Herren zu j eigen. Der gute Apostel willigte ein, er öffnet« die Tküre Nun, frug der Pfarrer, wa« sähest Du da, Joseph; E« war Alle« darin still wie in der Kirche, denn e< war kein einziger Mensch darin . . - Der Pfarrer kram e sich hinter dm Ohren, denn er merkte den Stich. Ein Rabbi, der wegen seiner Klugheit weit b kann t war, wurde von seiner Frau, die viele Aehnlichke t mit der Zcantippe unseligen Andenkens hatte, gefragt, ob er ihr nicht ihren Todestag sagen könne? ,,Ach was", fa« tr der Rabbi, „bas weiß ich nicht, und wenn ich es wüßte, würde ich es Dir nicht sagen." — „Wie?" fuhr da« Web auf, „Du weißt für Alle Rath, und mir willst Du nicht« sagen?" „Run, nun," antwortete der Rabbi, ,jedenfall« wird Dein Todestag ein Lrek Jom tof sein." Kuriosa und Notizen. (Ein Brief nu» Amerika.). Ein jüdisch«: Hau» sirer erschien eine« Tags in einem Hause in O taknag und bor daselbst seine Waarm feil. Nach lange,, Feilschen entschloß sich mdlich eine Frau, 10 Ellen Leinwand zu kaufen. Sie öffnete zu diesem Zwecke den Kaste», nahm au« demselben eine Zehnguldea-Rott und entfernte sich,~~~ um dieselbe zu verwechseln. Kaum zurückgekehrt, glaubte dieselbe zu bemerken, daß der Hausirer, welcher in der Wohnung allein zurückgeblieben war. in ihre« Käst« herumgestöbect habe, und beschuldigte dmfelden, Ihr einm Versatzzettel gestohlen zu hadm. Da der Hlmsirdr feine Unschuld betheuerte, so verließ die Frau rasch bas Zimmer, schloß dasselbe hinter sich ad und eilte zur Polizeibehörde, um den Juden verhaften zu lassen. Eine große Meng« von Mmschen umstellte das Hau«, und als der Eommiffär herbeikam und den Augenschein vomahm, fand sich der vermißte Bersatzzettel an einem anderen Orte al« dorr, wo ihn di« Frau angeblich hiagelegt hatte. Der Hausirer ward verhaftet und wegm Mangels an Beweis vom Diebstähle losgesprochen. Wider diese« Urtheil ergriff der Vertheibiger de« Angeklagten die Berufung, worauf der Beschuldigte gänzlich freigefprochen wurde. Der arme, überglückliche Mann dankte dem Vertheibiger mit Thränen, den Lohn Gotte« verheißend, und mtfernte sich. Ein Jahr verging seitdem; nun bekam vr. Janowitz einen Brief mit dem Poststempel Neworleaas. Der Brief lautete ganz lakonisch: „Inliegend übersende ich Ihnen für Ihre Verteidigungsschrift da« verdiente Honorar von 50 Dollar«." Gefertigtwar M. H., Offizier in dcr Unionsarmee. , (Härte eine« Gläubigers.) Die Redaction der „Presse" erhielt folgenden Brief aus Wim vom 21. November: „Herr Redakteur! Ein Act entsetzlicher Strenge ereignete sich heute im hiesigm Schuldm-Arrest. Ein armer polnischer Jude, Namens Moses Lyon, hatte dadurch, daß er vermögender« Mitgefangenen Kleiber und Stiefel reinigte, und im eigentlichen Sinne des Wortesich selten mehr als Wasser und Bcod vergönnte, den Betrag von acht Gulden mühsam erspart, um für di« eingettetene kalt« Jahr«szeit sich einige wärmere Kleidungsstücke anzuschaffen. Da erscheint plötzlich sein Gläubiger in Begleitung des Sollicieakors und des AmtSdieaers, fordert von ihm die Brieftasche, darchsucht feine Kleiber, und nimmt ihm j«ne acht-Gulden! — Eine solche Handlungsweise bedarf keines ^Commentars. Oke Inwohner von Nr. 1 und \ im Schulden-Arrest." Beraunvartli hfr Redakteur Z. H. Lüder. Verlag mb 8«ia|imc('l 8*4|4wbtu| ia LeivziA. — Tmi »ob ö. Allgemeine Zeitung des Judenthum». Ro. 51. 1B62- Leitende Lrti el: Die jüngsten, hoffentlich letzte» Opfer der päpstlichen Jntoll tanz. — Dek^üdisch-dcutsche Di-lect vom kulturhistorischen Sta rdpuukte. 1. — Ueber die politische Stellung des Kaufmann» taube».! Zeitungsnachrichten: Preußen: Au» dem Poleuscheu. Thor», Liffa, vieles«, Bonn- Oesterreichischer Kaiser, staat: Pesth. Sckwerz: Lern, Tübingen. Rußlands Bonder russischen Grenze, Petettbnrg, Petersburg, »«ersburg. Persien: Bagdad. Mexiko: ssiexiko. Italien:jFerrara. Zu beziehen mrch jede« Postamrtnnd jede Buchhandlung Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich^ Th""