Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 51 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite [202] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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102 — JttfK zur Nacht ich \ Heim zur Stelle, Leg' ich sacht mich -Auf die Schwelle. Keine« Weide« Laute« Zanken Stört de« Leibe« Lust'ge« Wanken. Mirjam höhnt mich, Dummer Hobn! . Trunk gewöhnt sich An Spott schon. Gruß, Zeruja, Liebe« Kmd! Mirjam auch da i Fort geschwind! Komm, Gazelle, e Au« dem Hau«,! Komm Du Schnelle, Krieg ist au«. Baker, Hauptmann, Wir sind da, Komm, sonst glaubt man, .Schläfst, Zeruja. Trala lala, Trala lala Komm, sonst glaubt man — — (Ruf hinter der Scene: „Affan!") Ja ja! — Endlich ist er aufgewachr, sonst 'ief Jair nicht so laut. Nun geht'« nach Mizpa, zittert Schüssel und Gläser l (Ruf: „Äffan^) Faß man Geduld, tx bin ich schon — (Lb). IV. Scene. Jephta tritt an» dem Zeit, ihm nach Jehuda. Ich u da. Soll ich, o Herr, zum Aufbruch blasen lassen? Boll Ungeduld stampft längst Dein edle« Schlastjtroß, Und unsre Krieger plagt der Sehnsucht Fieder Rach Vätern, Müttern, Schwestern, Bräuten, hindern, Die dort auf blum'ger Wiese harrend lagern. Jephra. Noch nicht, mein Sohn, zu allgewaltig drückt *. Der böse Traum, der mich umfangen hält Am Ziel der Rückkehr, wie mir eh'rnen Banden. - Je h u d a. Du hast der Knechtschaft Fesseln kühn gesprengt, Au< Ammon« Kerker Israel befreit. Wie bebte solcher Mann vor Traumgebilbm? Jephta. Und doch, Jehuda, denn der Traum ist Gotte«. Hör nur! Am Amon lag ich, Moab« Grenze, Du kennst den immergrünen Palmenhain, Deß Glan; sich in dm klaren Wellen spiegelt. Vom Kusse lauer Lüfte leisi umspielt — Ring« sieht da« Auge sonst nur Oed' und Wüstt, Nicht eine« Menschen Tritt noch. Ledensspur — Auf meiner wüsten Jugmdwanderung, Vom Barerhause schnöd' und schnell verbannt. War dieser Ort vor allen mir der liebst«. Die Ruhstatt meine« Hasse«, meiner Pein. Penina sah ich hier zum ersten Male, Mein honigsüße« Weib, wie Balsam duftend, Vom Scheitel bi« zur Zehe Lieblichkeit. I Ein Dora lebend'gen Wasser» quillt im Hain, Der oft den Durst, nie unsre Liebe stillte. ' Hier ruh' ich jetzt, mein Haupt in ihrem Schoße,; Wie vordem fächelt sie mir Kühlung zu, 1 Und pflanzt der Lippen Rosen auf die Stirn, , Die ein demant'ne« Diadem mir schmückte. ' Ein weiße« Täubchen saß zu unfern Füßen! Und pickte manches Körnlein au« dem Sand. Da schreck' ich auf. denn angstvoll rief Penina Und streckt' die Hand entsetzt zum Himmel«raum. : Herad schoß, wie der zack'ge Pfeil dev Blitze« Schnell, wie de« Fluthbach« Strahl vom Libanon^ Im jähen Sturz ein riesengroßer Geier. Mit seinen Klügeln schier die Lust verdunkelnd, Im graben Fall auf unser Beider Haupt.; Eh' ich zur Wehr da« breite Schwert ergreife, ' Lag zappelnd scbon die Taub' in seinen Fängen Und tröpfelte ihr Blut in P'nina'S Schoß. ' Aufflog ter grause Vogel, immer höher; O»e weiten Kreise ziehend — endlich schwand er! Dem angsterfüllten, schrecken«sti,ren Blick, j Mein Schwert entfällt der Hand, doch sieh, Penina j Verschwunden plötzlich auf der höchsten Firne , De« steilen Felsenkamm«, am Horst der Geier« j Seh ich sie kämpfen mir der Löwin Mulh. j Sie siegt! noch lebt die Taub' in ihrer Hand! Uno wächst, heran zur reichgeschmückten Jungftau > Mit blur'gem Busen aber freundlich lächelnd,! Da« bleiche Haupt auf P'nina'« Arm gestützt — | Bi« Sildernedel, dicht'ce Woltenschichten ' Die Frauen bergen meinem Thränenblick. Im Angstkrampf schrei ich auf: Penina, Tochter! — Wie Mitternacht bleibt'« dunkel, da erwach ich. — Jehuda (Für fick:) Mich selber packt de« Traume« Geierkralle So furchtbar wühlt sie noch in Jephta'« Brust. (Laut:) Nun da erwachtest Du, sahst Hellen Jubel! Jephta. | Nein! — sah zuerst de« Heldenjüngling« Grab Im grünen Thal an dlüh'nder Trrebinthe, (hinzqgend) > Und darauf erst den Gmß im Aug' de« Freunde«. Jehuda. j Harr ich doch Joseph'« lich'ce Deutungsgabe, j Wie Jacob'« Liebling lichte Traumerkennmiß, Dana scheucht' ich bald die Runzeln Deiner Lnrn Und führte Rüde in«' gestörte Herz. Jephta k Du stehst auf Deine« Ruhme« Gipfel, Und sahst den Abgrund Deine« früher» Elend«. i Dein Herz zog dich zum Frizdensstulen Wohnhau« Und schauderte der Lücken, die der Tod ihm Al« Ruhestörer ftüh'rer Tage schlug. Da« gab den Traum Stoff, da« ist der Kampf, Der Deine Seele sich zum Feld erkor. Blick muthig auf, fei wieder Du, sei Jephta, Der »»besiegte, ungebeugte Mann, Der Arm de« Land«, fein Fel«, de« Felsen Erder!