Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 51 (1862) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
51 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999374-6026532--2308-4910694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches BolkMatt Aar •ßplellrii(tu unh Hnterfj ^pöipü’. Herauogegeden von ‘HjbbuKt Dr. «lömifl Phili-Pfon in Bonn. """ [9io. 51. 1862.] #£B dieser ZeiüLriil en'6*tnt ivtoenUiA d«< ftummrr. prri« Iti 2« gan*« 1 Ltzir. *Mcn«ljal)rifl 7 u Rzr. Alle BochhCidUluqco. PvftS uad.-^riiURg«kkv«d>!i7nt» »rtme« BcfiklUmgt« a». t [9. jtahrg, 4. Quartal.] Jephta's Tochter. - Ein dramatische» Gedicht in Einem Akte von David IIr. 6 alm. III. Scene. Asfan, auf der Erde liegend, in der Nähe eine« Zelte«. Im Hintergründe Xrieger. Hier, Affan, sagte Jephta, bleibst Du — Affan läuft nicht fort. Meine Seel«, ranzt und zappelt hundertmal nach der Hügelstavt dort hinüber und alle Stimmen, die ich Affan, hier giedk« heurigen Wein — Assan^WM nicht fort. Hu l — meine Kehle ist trocken, al« hätte ich sie drei Tage in der Sonne diese« Elulmonde« getrocknet. Der Elulmoad! Du liebe Zeit, heute ist ja just der Tag, an dem meine Mutter vor 70 Jahren ausrief: „Ein Knädlein, ein Knädlein!" Ader kein Later kam, der gerufen hätte: „Mein Sohn, mein Sohn!" Freie« Eigenthum für Jedermann, eine Wetterfahne für aller Winde Anspruch. Später warb Jedermann« Eigenrhum Wind für mich. Mein Sohn, mein Sohn, rief Mancher, wenn ich ihn au«plünderre. Mein Later, mein Later, antwortete ich, drehte ihn nochmal« am Boden um und nahm ihm da« Letzte. So fand mich Jephta im Toditerlanbe, und ich wurde fein Spießgeselle. Au« einem Becher tranken wir Beide — und jetzt? Er Feldherr, bald Oberhaupt, ich bin zu feinem Diener avancirt. „Hier, Affan, bleibst Du." Nun ja ich bleibe schon. Wenn Jephta drinnen bald drei Sunden schlafe» kann, al« wäre e< Mitternacht, habe ich auch keine Eile. Eil» ist keine Arznei für alt« Lungen. Wenn nur mein Bore erst wiedertämei Ich vergeffe Nicht« und dachte zur rechten Zeit daran, wie der heißblütige Mann, al« wir zum Kampfe vor Jahren au«zogen, gerade an diesem Orr« nach Mizpa zurücksah, auf sein Hau« zeigte und dann mit erhobenen Händm voreilig sein Gelüdde in die Luft hinausprahtte. Da« Erste! Warum nicht da« Mittelste «der Letzt«? Und muß ihm denn Etwa« «argegeako»me»? E« kann ja Alle« hübsch im Haust bleiben. Und wmn da« Erste nun mein Pudel wäre oder Mirjam'« einäugige Katze? Unreine Thier« wären'«, und wie müßte» die Üble Borde de» tu »g büßen. Mich juckt der Rücken, wenn ich daran denke. Affan muß Alle« entgelten, Regen oder Sonnenschein. Diese« Mal bin ich Dir aber zuvorgekommen, Herr Trink» und Spielkamerad von ehedem. Tob'« Söhne sind noch schlauer, al« Ihr Hebräer. Hättest Du »och so angelobt: («ifstedeuds Kehr ich al« Sieger i heim. o Herr, zu dieser Stelle, Dann trink ich zwei Haß Wein an meine« hause« Schwelle? da läge noch Sinn und Verstand drin und kostete kein Blut. Aber so — eine Prahlerei um «inen Ategenbock! Wenn nur mein Boa erst wiederkäme. Er har sicher der liebm Aeruja die Botschaft au«gerichtet und nicht der Krähe Mirjam. — Wtt der nur schlafen kann i In meinen Adern kribbelt di« Sehnsucht, meinem Kopfe ranzt die j Neu .ier, meine Augen verschlingen jede Bewegung, meine Ohren trinken jeden Laut de« bunten Treiben« unten vor der Stadt. E« ist doch etwa« Große«. Feldherr stia. Wäre schön, so al« Sieger.Affan einzlrhen. Auf di« Knieen, Mirjam! — Beneidenswerther Jephra! — Alte Plapperzunge — muß [er nicht an dem Grab« vorbeizieh», wo der lieb« Dan — (tt weint) da« ist meine elnzige Schwäche! Deu Jungen hatte ich mehr geliebt, .gehätschelt, al« sein Barer. War mein Schüler im Ringen, Fechten, Reiten — nur nicht im Trinken. Athalia's Auge war sein einziger Rausch. Wa« Hilst'« nun dem, daß die Nachwelt die Erbschaft seiner Tharen antritt — sein Name stirbt doch mit ihm au«. Nur eine Tochter soll man haben. Und auf den schmucken Vogel lauert Jair'« Habichtsauge schon >lange, ein Griff und er zappelt! Dann bleiben Jephta, Affan und Mirjam allein im Hause, drei alte Rüsterstämme, «in Kleeblatt von zweihupdett Jahren — ha, ha, ha! Siagt: Al« ich jung war, Ist schon lang her," Schön« Thamar! War wein Herz schwer. Jetzt ift}« Herz leicht, Nun ich alt bin, Jeder Gram «eicht j i Meinen^ Frohsinn. j Steh allein sich — i j Unverdrossen 1 ' ' Nehm' deu Wein ich ' Zum Genossen.! Stirbt 'ne Flasche, f Hol ich andre , , Au« der Lasche, * Wenn ich »and re. i 92287^5^97

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.