Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 50 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999374-6026530--2305-4910692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
199 Schwierigkeiten. Ehrenberg selbst meinte, daß hie Mosaische Au«deuck«weksr, e< regne Manna, <« falle au« der Luft l), dadurch gerechtfertigt sei, baß e« noch heutzutage von dm obersten Spitzen der Zweige de« dizu 2V Fuß hohen Mannabaume« heradträufle. Auch abgesehen von allen dm wunderbaren Einzrlnheilm, die der Mosaische Bericht am Manna Israel« rühmt, fragt e« sich, ob Ehreaberg'S Auskunft eine sichere Brücke von unserem Insekten» Manna zur Mosaischen HtmmetSspeise schlage. An der Spärlichkeit der jetzige« Produktion dürfte dabei am «enigstm Anstoß zu nehmen sein, da sie sich ohne große Mühe auf's Vielfältigste und eben wunderbar gesteigert denken läßt. WSllt« man aber die Analogie zwischen damal« und jetzt gänzlich abweisen, so spricht dagegen entschieden der Umstand, daß eben da, wo Israel sein Manna genossen — in der Wüst« Sin-, zwischen Elim und Sinai, worauf sie nach Raphidim gekommen *) — auch da« heutige Manna ge. ganz dafür, daß da« heutige Manna in bestimmtem Zu» sammenhang mit dem ehemaligen stehe, daß bei Ausdrücke» wie dem de« Mannaregm« zu bedenken sei, wie trotz aller Fortschritte der Naturwissenschaften doch erst seit kurzem für un« selbst eia gmauerer Nachweis de« Phänomen« gewonnen wurde (S. a. a. O- S. 679), während di« Beduinen noch ir^mer da« Manna regne« lassm und auch Flaviu« Joseph»«! dieselbe Anschauung getheilr, indem er schreibt, durch Jehovah'« Gnade pflege noch immer dieselbe Speise in derselben! Gegmd der Gesetzgebung am Sinai, herab» zuregnen (S. 680 *); daß aber trotz aller Analogien und Erklämngen da« un« überlieferte Wunder 'wunderbar genug bleibe*). Dabei vertritt er zugleich, unter Benutzung nonHengstenberg'« Studie«, eine maßvolle Au-legung de« heiligm Texte«, wornach: weder ein auf 40 Jahre ausgedehnte« tagtäglich,« Falle« noch auch die ausschließliche Ernährung de« Volke« durchs Manna berichtet werde. funden wird, und zwar wie schon oben bemerkt wordm, in so vereinzelter Weise, und ohne daß viele andere tamariskrareiche Länder Aehnliche« aufzuweisea haben *). Ja sogar die Jahreszeit, in der das Mosaisch« Manna zu fallen begann, Anfang Mai^j, berührt sich auffällig nahe mit dem heurigen Beginn der Mannaperiobr. Der selige Ritter, ein Man« von ebenso gläubigem Gemüth als Hellem Geiste und großem Wissen, har vortrefflich über dies, Angelegenheit geschrieben. Er erklärt sich, unter Zusammenstellung vieler Einzelheiten 5), 1) S. 2. Mos. 16, 13. 14. „Und am Morgen lag der Thau um da« Heer her. Und als der Thau weg war, sieh« dg lag c« in der Wüste rund uud Nein, wie der Reif aus dem Lande." 4. Mos. II, 9. „Uud wenn de« Nacht« der Thau über die Lager fiel, jo fiel da- Mau mit darauf." Nur vorher, d. h. 2. 16, 4. heißt e»: Da sprach der Herr zu Mose: „Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lasten" woran sich der Ausdruckjve« Psalter» (78, 24) anlrhnl: „Rud iieß da« Man aus sie regneo." 2) S. 2. Silos. 16. 1 sg. 17, 1. 3>Daß üderaupt noch Ähnliches vortomme. laßt sich keine«, weges laugneu, wie ja auch, nachdem lährenberg das Seheimniß entdeckt, da« calabrische <Ächenmauna vergleichbar geworden. Ritter stellt a. a. O. S. 682 sg. mehrere» hieher Gehörige zusammen, da« zum Theil schon im Alterthume beobachtet worden; rbeuso bereit« vor ihm Rojeumüller im Haodbuche der bibl. LlterthumStunde 4. 1, 316 sg., auch im alten und neuen Morgenland« 2, 34 sg- Den Vertretern de« Jnsektenmauoa« möchte vielleicht Jemand mit andern überraschenden Namrerscheinuagen, die in neuester Zeit beobachtet wurden, entgegenttelru. Wir meinen die« jrnigen, die eine Ähnlichkeit mit einem wirklichen Mannaregen dardielen. Auch davon hat Ritter anhaugsweise zum Kapitel über da« Manna berichtet, siehe S. 692 sg. Wir haben e« dabei mit einem nährenden Flechtengewäch«, liehen esculentns zu thun, dasich auf trockenem steinigen Boden bildet und freiliegend, nicht am Boden hastend, seinen Rahrnng«stoff einfaugt. Bei heftigen Steppen, oder Wüstenstürmru in die Höhe geführt, fallt e« in der Ferne dem Regen gleich wieder zu Boden, und hat bei einem solchen Niederfalle, dergleichen in Persien und anderwärts beobachtet wurden, aber nie in der Sinaiwüste, wo auch , die Flechte selbst niemal» vorkam. umsäogUche Stteckca Lande» einige Zoll hoch bedeckt, so daß selbst Schafheerden reichliche« Futter daran hatteu. Live «ergleichung diese« Phänomens mir dem Mauuafeaen der Israeliten scheint uns sehr wenig berechtigt. Zum Ueberflusse sei nur noch bemerkt, daß diese Flechte, von der mir selbst eine kleine Quantität an« Agier durch einen rustischen Naturforscher geworden, nicht da« Geringste von der Honigsüße unsere« Wanna besitzt. 4) Die Ankunft in der Wüste Sin fallt nach 2. Mos. 16, 1 ans den „füaftehuteu Tag de« andern Monat«, nachdem sie — zur Osterzeir — au- Aegypten gezogen waren". 5) S. a. a. O. S. 681 sg. Ganz besonders in Betracht kömmt 2. Mos. 16. 31 „Und e« war wie Loriauderfame», unweiß und hatte einen Geschmack wie Semmel mit Honig". Diese umständliche, wenn auch bei weitem nicht au«-, führliche Darlegung der Auffassung Ritter'« wird an sich I schon beweisen, wie sehr sich der Verfasser dieser Wander« 1 fkizzen in Einklang damit wei i. Nur da« Eine Möchten wir noch beifügen, daß doch a ich für denjenigen, dtm Bedenklichkeiten darüber übrig -lei xn, ob die jetzige Erzeugung de« Manna auf j da«, gefeiert^ HilnmelSdrot vollkommen üderträgbar fei, stoch jene Mouson'fche Auffassung berechtigt bleidr. Da« gegienwärltg« Männa müßte v^ch immer al« ein sinnvolle« geweihte« Ecinn bare Thar de« Herrn an stim n begnadigten Volke gelten, uNgszeichen für die wunder» nnersten Natur nach, auch unser«« eigenen Auge« conwenn wir die latere. ihrer nicht durch die Beobachtungen ttoliren konnten.! Verfolgen wir nun den Weg zum Sinai durch Wadi Schech noch weiter, so überrascht ün« etwa eine Stunde nach den manüafeichen Tarfad, umen bei einer Verengerung de« Wege« dop Anblick der zu unseren beiden Seiten meh» 1) Joseph. Aut. Juck. 3,1. 6. heißte« ausdrücklich vom Wanna, daß rS noch jetzt h^rabregne (L-r^). Philo im Leben Mosi« 1, 36. gedenkt gleichfall« der himmlrscheu Mannagabe als eine« außerordentlichen tpunderbarrn Ritzen», doch folgt rt nicht« von einer Wiederholung der Tbatsache^ 2) S. a. a. O. S. 677 sg. „Trotz de« Nachweise« de« Natur, gesetze« durch den Menschen bleib i ihm nicht dasselbe Gesetz der Natur zuletzt doch elbst noch ein merklarliche« Wunder„Die Wunder Gotte« bl iben uns Wu wer, selbst wenn wir sie alle un« durch Ratttrkri fte sollten au« lären können, denn auch diese' selbst find und blei >eu uns doch i r ihrem Urgrund ein Wunder. Da», was wir fat ihnen Grillst mg und Bertzandniß nennen, ist bei jedem wist« nschastlichen Duker nur der Nachweis eine« Hergang« auf eine, noch tieferen, noch verborgener« allgemeinen Urgrund. Wenn i nfere Keuutni der uatürUcheu Kräfte an«, reichen sollt«, da« sp :cielle Wunder e« Mannaregen« zu lösen, so er. höht sich dadurch nu was Wunder I hovah'» in der Erhaltung seine« Volk« in der Düst um so mehr, al« auch die Wüste,' die nach menschlichen Begriff n dazu unfähig schien, durch ihren Organismus so vorgebikdet war, um dennoch dt« Leben von Milliouea fristen zu köuneu". *) ') Welche Anal >gie man auch mit dem Manna der Sinai, wüste finden will, so ist immer sestznhalten, daß ersten« da« Manna der Israeli en in solcher Menge fiel, um drei Millionen Menschen zu uährei, zweiten« e« 40 Jahre gefunden ward» »nd durch die ganze Wüste bi« grade an die Grenze de« heil. Lande« sie begleitete, und dritten« e« am sechsten Tage doppelt, am siebenten Tage gar nicht gesunden ward — Umstände, welche im Gründe rede Analogie mit dem heutigen Manna aufhebeu. Die Redaktion.