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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 48 (1862) · p. Seite 190

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
48 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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190 — «m i'- de i aus welchen die Bourbonen vor feinem Nahen flohen waren. Die Heere der Verbündeten hiil ihrem Rückmarsch an, ''und gingen in Eilige i gegen die französischen Grenzen vor. Alle Be wurden ringerufen, und auch der Odristlieulenant stellte sich zumr-Aklivdienst wieder ein. Er avan Oders), da er seine Aufgaben in der Heimarh au lichste gelöst harre. Jetzt sahen die junge Frau ^Eltern.Daniels die Steifheit feines Fußes sehr g als ec sich nun, der Pflicht' und Ehre zu genüge i geüellr Karre, wurde er für invalide und zum Kr unbrauchbar erklärt. An demselben Lage, wo der ObristUeurenanr Roderich einen so unwillkommenen Besuch abgesiat^e der letztere sein Schloß verlassen, und sich nach der stadt begeben/ wo er sich in die Wogen eines wüsten stürzte. Ader beim Wiederauödruch des Kriege t auch er wieder eiogefordert, und trotz Widerfp Bestechungsversuchcn als ein kerngesunder Mann geschickt. Der Zufall wollte, baß er gerade Befehl des Obersten v. Zahn kam. Als er bei sich meldete, wahrend dieser von einem Schwa Offizieren umgeben mar, wurde er vom Oberste freundlich empfangen. Sobald die Meldung aber war, führte shn der Oberst -bei Seite, und sagte „Herr Rittmeister,. wir beide haben noch eine abzumachen. Jndeß für jetzt gehören wir nicht uns dem Dienste des Königs und des Vaterlandes an. wir mit Gott und heilte Haut aus dem Feldzüge werde ich die mir schuldige Genugthuung vor fordern. Wären Sie aber bereit, mir wegen der licken Warte, die Sie in der Hitze des Äugend gestoßen, eine Ehrenerklärung zu geben, so werlle Hand zur Versöhnung bieten. Diese Ehrenerklär» ich mir aber in diesem Falle nach dem Kriege damit eS nicht aussähe, alü ob Sie der Autorilp Vbrgcsetzten gewichen wären/' Diese'Morte wal Heizen des Grafen Roderich einen schweren Sleik erklärte sich bereit, den Wünschen seines tapferen zu aller Zeit und unter allen Umständen Folge Zu der gedachten Ehrenerklärung kam es aber ni< schon nach wenigen Wochen brachte die Kugel eines sra Grenadiers den Grafen eine rödtliche Wunde Wahrheit zwingt uns zu gestehen, daß dieses € Grafen auf Ser Flucht ereilte, die ec vor einer c u«d tzine Zchwadron heranrückenden Schaar ecgri die Kugel war ihn in den Rücken, gefahren. t ligst entr ren aufwieder klaubten v. Jahn irre zum 's Tnff- und die denn wieder egsdienst Eh :ct 6 alle Tcg Der Honigmond unserS jungen Ehepaars über, und schon trat die düstere Sorge an die heran. Die Sorge hatte diesmal die Gestalt beS angenommen. Er redete eines Morgens seinen und sprach: „Lieder Daniel, ich habe die ersten Ehe nicht durch trübe Gedanken stören wollen, wird es Zeit, über unsre Lage nachzudenken Entschluß für die Zukunft zu fassen. Wir einige Mittel, und um so klüger ist eS, nicht a bis dieselben aufgezehrt sind." — In der Thal Aussichten trübe genug. Das Geschäft lag ganz Durch die Einwirkung Roberich'S wa:en dem alle Wege des Erwerbes adgeschnitten; der Krie Grafen t, hakte Residenz- Lebens .wurde uch.und r Armee irer den Letzlern me von n ganz zu Ende zu ihm: rensache sondern Kehre« urück, so Ihnen schimpflcks ausich die ng muß erbitten, t Ihres len vom , und er Obersten u leisten. >i, denn »zösischen Die icksal den c egen ihn f en hatte; t ei var vorlücklichen n Salme Pohn an, e Deiner Über nun einen den noch chuwarten, varen die darnieder. fast halte so > nd h« 6 reise viel Noch, so großen Geldmangel verursacht, daß bei den Bauern fast gar nichts mehr zu verdienen war. Hierzu kam, daß Daniel durch seinen Militärdienst, durch den Aufschwung, den sein Geist erfahren, durch die Ehren, die er erworben, zur Fortsetzung des väterlichen Geschäftes fast untauglich geworden, und ec darin eine unerträgliche Erniedrigung gesehen hätte. Allein er fühlte sich beruhigt. War doch vor dem Beginne des Krieges allen Denen, welche mir Auszeichnung dienen würden, eine» höheren Grad erreicht hätten und invalide geworden, eist Anrecht auf Civilversorgung je nach dem Maßsiabe ihres militärischen Ranges nnd ihrer Befähigung zugesichert worden. Er beschwichtigte daher die Besorgnisse seines Varers> verwies ihn auf dir bescheidenen Ansprüche, die sie machten, llntz fetzte sich hin, sein desfallsiges Gesuch an die betreffende Behörde niedeczuschceiben, das er mit allen seinen Papieren und Zeugniffen begleitete. Der alte Salme schüttelte den Kopf, ließ aber den Sohn gewähren. „Ich habe viel erlebt", sprach er nur leise, „Vieles ist besser geworden, als wir es erwartet und geglaubt hallen. Ader das glaube ich nun doch aicht, daß man hier iir^Preußen einem Juden ein gutes Amt geben werde." Daniel antwortete nicht, denn er ltedt« es nicht, seinem von ihm so tief verehrten Vater zu widersprechen. Das Gesuch ging ab; Monde verstrichen ohne Antwort. Salme wurde immer betrübter, Daniel immer ernster. Er .hatte ja auch keinen einzigen Fürsprecher, Niemanden, der sich für ihn.verwenden würde, und er fing selbst an zu bezweifeln, daß das bloße Recht durchdringen könnte. Endlich kam der Bescheid; Daniel riß bas Schreiben heftig auf, aber ebenso schnell erbleichte er. Unter belobender ^Anerkennung der von ihm geleisteten Dienste wurden ihm' eine einträgliche «Stelle zugesagt, sobald sein jüdisches Glaubensdekennrniß ihn am Eintritt nicht mehr hindern würde ... Es mochte wohl das Gesuch Daniel's nicht baS, erste derartige gewesen sein, denn baS Restripr der Regietung fügte gleich hinzu, daß eine Verwendung an höherer und allerhöchster Stelle hieran Nichts ändern könne, da desfallsige Befehle in bestimmtester Weise bereits erflossen waren. Daniel war würhend; noch nie in seinem Leben halte man ihn so leidenschaftlich, so aufgeregt gesehen. .Wie? rief er aus, har man in dem Aufruf zu den -Waffen ein Sterbenswörtchen von dem Unterschied deS Glaubens ererwähm? har man auf den Schlachtfeldern, in den Commandos, die uns in den Tod sandten, einen Unterschied gemacht, sollen wir die Treue für König und Vaterland, die wir mit unstcm Blute bewahrt, mit einer Untreue gegen Gort und uns selbst besiegeln? Glaubt man dadurch treue Beamte -zu erzielen,--wenn man sie erst eine Lüge gegen Gon und Menschen hat begehen lassen? » . . Er riß die Ordenszeichen von seiner Brust, er wollte sie einpacken und zurückschicken mir einem Ergüsse seiner ganzen Bitterkeit. Sein Vater hielt ihn zurück, indem er ihn aufmerksam machte, daß ihm diese Ehrenzeichen ja nicht durch die Gunst irgend eines Dritten, geworden, sondern daß er sie sich mir seinem Arme rechtmäßig erkämpft. habe. Auf die Aufregung folgte bei ihm eine düsteke Schwermuth, denn das Rechrsbewußlsein deS jungen Mannes, dessen Herz immer von Ebelmulh geglüht hatte, der in der Befreiung vom Fremdenjoche mit zahllosen Anberir eine Zeit allgemeiner Gerechtigkeit erträumt hatte, war^ zu tief verletzt, als daß es sich die Dinge so bald wieder hätte zu-

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