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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 48 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
48 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BollMatt S« ' 1 •Belcörung unö Uuterhattung auf jüdischem gekiele. Herausgegebeu »o» Rabbiner vr. L>d»ig Philitztzso» in Bon«. lNo. 48. 1862.j Vv» dieser Zettjibrtst etMcfart «ö^eallich eint Nummer. Preis de«^2ahrgangs r Lhir. viemeljihn, 7« Rgr. mue vnchba»dt»»gt,, Pochämrer ■rt Zrinrngsesvedinöneu »«hmr» ve-ewuige» ob. [9. Jahrg. 4. Quartal.] Der Freiheitskämpfer. Novelle. (Schluß- Daniel, an der Seite feine- Beschützer-, wurde während^, der Fahrt bald schweigsam. So sehr, ihn -er Bericht.über 1 die Verhandlungen mir dem Grafen und deren schnellen! glücklichen Au-gang, welchen er freilich nur der Energie de- Obristlieutenant- und seinen geschickten Maßregeln »ft, dankte, aufgeregt und mit Freude erfüllt hatte, so drangen doch bald schwere Bangnisse in sein Herz ein: wie wirst du Vägeliebte Mädchen finden? wawirb fi« erfahren und gelitten haben? wie weit werden edie List und die Gewaltthatigkeitea de- Grafen über sie vermocht haben? So sehr er sich auch den Much und die Kraft Rosa'- in die Erinnerung rief, so oft er auch daran dachte, daß nach Gottegnädiger Fügung die Prüfung-zeit doch nur eine kurze gewesen — so schnitt eihm doch immer wieder wie Messerstiche in da- Herz, wenn er sich die wehrlose Jung, frau in der Gewalt derohen Bösewicht-, im verfallenen Schlosse, fern von aller menschlichen Hülfe dachte. Sein Begleiter" schien ihn zu verstehen und ehrte sein Still, schweigen. Der Weg führte durch dichte Föhrenwälder; man nahete sich den ersten Höhrnzügen de» Gebirges, alman, um einen Hügel wendend, in ein romantische- Thal 'eindog, in dessen Hintergrund daschön gelegen« Schloß, «in weitläufige-, aberzum großen Theilezur Ruinegewordene- Gebäüde, davon allen Seiten mir den Spuren ehemaliger Befestigung-werke umgeben war, erdlicktwurde. Höher schlug dem jungen Manne da- Herz, ein kalter Schweiß trat ihm auf die bleiche Stirn, seine Hände zitterten, fast. Der Wagen hielt vor dem Portale. Der Obristlieutenant rief seinem Schützling die Wort« zu: „Seien Sie ruhig, ewird schon Alle-Hut sein!" und sie sprangen au-der Kutsche. Die alte Schlopwäkterin, durch da- Wagengerassel auf, merksam gemacht. trat „ihnen entgegen, und der Odrtst» iieutenanl übergab-ihr mir. wenigen Worten einen Kettel de- Grafen, auf den er nur mit flüchtigen Schriftzügrn geschrieben: „Geben Sie da- Mädchen frei." Dan» konnte sich Daniel nicht länger halten, und rief der Frau zu: „Wie gehr edem . armen Mädchen?, wie befindet sie sich? . . Ec konnte mcht mehr her^u-bringen. Die Frau aber lächelte ihm zu und ihr unschöne- Geficht wurde so freundlich? wie es ihm nur, möglich w-r. „Sie sind gewiß der Here Daniel, von welches die gute Rosa mir so viel erzählt hat. Beruhigen Sie sich nur, eist ihr kein Schaden geschehen und sie wirb sehr glücklich sein." — Ein Wonne, und Hochgefühl, wie er enoch nie empfunden, selbst in der Stunde nicht, alihm Rvsa ihre Liede ge, standen, drang mir Einem Male in da- Herz Daniel'-, er hob die Hände empor, und rief, eineThräne im Auge, auÄ: (Bott, habe Dank!" Dann wandte er sich zu der Frau: „Kann ich zu ihr?" Der Obristlieutenant erhob Einsprache, und gab ihm zu erwägen, daß dagewiß leibende Mädchen durch sein plötzliche- Erscheinen einen gefährlichen Schreck haben könnt«. Aber Daniel, bei dem'der wechselnde Strom der Empfindungen schon wieder einige Zweifel herangedracht haben «achte, sagte: „Nein! wie eauch kommen mögt, ich muß den ersten Blick ihrer Augen, den ersten Schein Ihr,- Angesichtempfangen, egilt die Ruh« für mein ganzes Leben!" — Man hielt ihn hierauf nicht länger zurück, die Frau beschrieb ihn den Weg zum Zkm, meü de- Mädchens, und mit geflügelten Schritten eilte er hahin. Die Liede ist scharfsinnig; Daniel irrte sich in den> verschlungenen Gängen de- Schlossenicht einen Augenblick; sein« zitternde Hand faßte den Thürgriff und öffnue hastig. Rosa saß in dem Lehnstuhl, mit einer Handarbeit beschäftigt. Sie hatte die Schritte gehört, fit' dlickre auf, sie schrie: „Daniel, Du da! . . Ueber ihr schöneetwableiche- Geficht breitete sich ein unendliche- Glück, ihre Augen strahlte», ihre Wangen wurden mir Purpur üdergossen alsie aofsprang und mit au-gedrekteten Arme» dem grliebttn Manne entgegeneilte und sich an seine Brust warf ... Run war Allegut. Alle- Glück, Alle- Fried« .... Eine Stunde wohl hatten die Liebenden nebeneinander gesessen, Hand in H<md, oft auch Mund an Mund, und erzählten sich flüchtig ihre Erlebnisse, als die alte Frau herauftam, und sie zum Aufbruch mahnte, da der Odrist, lieutenant trotz der Flasche alte» Weine- und ihrer guten nicht langer warten wollte, wett drängende zurückriefen. Bald saßen die Drei so schnell edie schlechtm Wege ge, stattete» nach Batter-Vorf, wo der Obristlieutenant, glücklich, so viel Glück verdrehet zu haben, sich verabschiedete und nach H. sich tzegad. Die Szene« im Haust dealten Salme «ollen wir nicht beschreiben. E» waren selige Tage, bl« folgten. Vierzehn Tage si»ät«r> wurde die Hochzeit de- Braukpaargefeurl, an wetcheri daganze. Dorf einen hftzllcheN Antheil nahm. — - Der Friede hatte yicht lange gedauert. Der besiegte Kaiser der Franzosen war von E«da zurück^ekehrt, und hatte wie in einem Tnumphzuge Pariwieder erreiche. Unterhaltung Geschäfte ihn nach H im Wagen, -fuhwn

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