Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 47 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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187 — andermit Ihnen zu reden. Ich will Sie, junger Mann, auf- Nachdrücklichste verwarnen, sich, wozu ich Ihnen die Handbiete, auden schlimmen Handeln rechtzeitig zu ziehen, in welche Sie sich eingelassen. Zuerst sehen Sie hier eine Beschwerdeschrift der Bauernschaft, mir deren Schulzen an der Spitze, welche die Gewaltthäkigkeiten, Erpressungen und Beleidigungen, die Sie sich in unerhörter Weise erlaubt, der Regierung zur Aenntniß, Abhülft und Bestrafung vorlegt. Dieselbe wird, wenn Sie sich weigern unserem gerechten Verlangen 4» genügen, noch heute der königl. Regierung übergeben. Sir kennen die Proklamation unsre- König-, den Erlaß des Staat-ministeriumS und wissen, daß gerade die Einführung der neuen Regierung enolhwendig macht,, an jedem offenbaren Uebertreten ihrer Verfügungen im Lngesichte der Bevölkerung dastrengste Strafamt zu üben. Sie werden sich also «ine haue Untersuchung auf den Halziehm, und wie diese enden müsse, können Sie selbst berechnen. Nicht minder ist bereitfür Ihren an einer Einwohnerin de- Dorfevollzogenen Raub ein Rechtsanwalt instruirt, der noch heute die Hülfe de- Kriminatzerichrein Anspruch nehmen wird. Glauben Sie nicht, daß man Ihr alte-! verfallene- Stammschloß nicht kenne, dazu solchen Unrhaten die beste Gelegenheit giebt. Lassen Sie mich unverrichteter Sache Ihr Hauverlassen, so werden al-dalb Untersuchungsrichter und GenSdarmen ihre Schlösser besetzen, die Zeugen sind bereit, und Sie können der Strafe und der Schande nicht entgehen. Ihre Sache, junger Mann, steht verzweifelt schlecht, und erkennen Sie mich lieber al- Ihren besten Freund, indem ich Ihnen zusage, baß all« diese Dinge niedergeschlagen und vergessen werden sollen, wenn Sie da- Mädchen unbeschädigt auslsefern. Wissen Sie, ich will Sie nicht überrumpeln; ich gebe Ihn« eine halbe Stunde Bedenkzeit; erwägen Sie Ihre Lage recht, Sie haben Ihr Loos in dieser Stunde noch ln Händen." Der Obriülieutenant stand auf und begab sich ln eih' Nebenzimmer, wo er, die Hände auf dem Rücken, mit. starken Schritten hin und hergiag. « Leute, die zu niederträchtigen Handlungen befähigt sind, pfleg« in de^ Tiefe ihrer Seele nur Feiglinge zu sein. Der Wuthftnd Trotz, mit welchem sie, so lange sie sich im Besihe^her Macht glauben, an die That gehen, verlassen sie sofort, wenn sie vor einer höher» Gewalt stehen und sie die Gefahren erkennen, in welch, sie sich gestürzt haben. Am Ende hatte auch weniger die Leidenschaft selbst, als der Aerger über den Widerstand und die Abweisung, die er bei Rosa erfahren, und der Wunsch, sich an ihr zu rächen und die zu seinm Füßen zu sehen, welche ihn so schnöde abgefertigt hatte, den größten Antheil an seiner frechen That gehabt. Da er nun auch bei der Gefangenen auf unerschütterlichen Muth gestoßen und nicht recht absah, wie er zu seinem Ziel« kommen könne, so kostete eihm kein langer Bedenken; nach einer Viertelstunde schon begab er sich zum Obristlimtenant, erklärte ihm mit dürren Worten, daß er feinem Verlangen Folge geben wolle, indem er auf' da- Ehrenwort de- Offiziers rechne, daß alle Weiterungen für ihn unterblieben, und stellte ihm sogar feinen Wagen zu Gebote, um da- Mädchen audem alten Schlosse abzuholen. Der Obristlieutenant nickte nur mit dem Kopfe und fiigt« hinzu: „Trotz dem Drange der Geschäfte will ich dennoch das Mädchen selbst abholm, damit ihr nicht in irgend einer Weis« wieder eine Schlinge gelegt werde. Stellen Sie mir aber auch einen Ihrer Diener, der den Daniel hierherberUfe, damit er mich zu feiner Braut begleite." I So geschah e^; Daniel erschien, durch de» Diener de- Grafen selbst berufen, an dem Orte, von welchem ihm sein Jugendgespiel» mit der Drohung, ihn auszupeitschen, verwiesen hatte. Er bestieß mit dem Obristlieutenant die gräfliche Karosse, um zu Rosa zu eilen. (Schluß folgt.) Wandemngeu durch die Wüste nach dem Sinai. Lon K 0 nst'antin Tischend 0 rf. 1 (Fortsetzung.) Während der Koch Huhn und Reizurichtete, erging ich mich im Thale. Gegen zwei Stunden dehnt es sich auvon West nach Ost, meistenrheilkaum zehn Minuten bwit. Da liegt ewie «in herrlichein Rahmen gefaßte- Bild. Ein voller üppiger Palmmhain, dir sich in sanften Windungen dahinschlängelt zwischen kolossalen Granit, und Porphyrwänden, deren dunkle Färbung, rvthlichgrau und bvaun, bisweilen auch dlütrorh, ebenso' wunderbar contrastirt mit dem grünm Teppich der Palmentronen, wie mit dem azurblauen HimmelSbogen, der sich von Höhe zu Höhe darüber spannt. Der Palmengrund felder paart mit der Lieblichkeit die Hoheit; aber die hochaufragenden Mauern, die eS umgürten, schroff und unerschütterlich, dringen »inen gebieterischen Ernst hinzu. Bei meiner Lustwandlung ergötzten mich auch, alder Abend herannahte, mehrere Gänger de- Hain-, deren einer unserer Nachtigall nahe kam. Er weckte mit feinem melancholisch-lieblich« Schlage weniger die Sehnsucht nach den Mauern der Heimath, als de« Wunsch, die Lieben der Heimarh zum Genuß einer unvergeßlichen Stunde an meine Seite versehen zu können. Die Kindey dej Wüste, denen ein freundliche- Geschick düse- Thal zum Htkmarh-herd« gegeben, haben Grund noch Alberean ihm zu schätz« alwir hervorgehoben. Die er, giebigste Dattrlkultur ist nicht sein eknziger Reichthum; auch Tabak und Hanf,! dtr zur Bereitung deberauschenden Haschisch benutzt wird, werden in den Dattelgärten fleißig geizog«; dazu kommen noch Mandeln und Feigen, Granaten und Orangen, sowie insonderheit der Nebek- oder Sittere- B^aum, dessen runde röthlich« Frücht«, ziemlich so groß wie ein« klein« Haselnuß, schmackhaft und nahrhaft sind. . Diese Fruchtbarkeit des Thal«- soll nicht nur von seiner Wasserfulle herzuleiten fein, die eallerdings vor allen ührig« Wadis brir Halbinsel auszeichnet, sondern man rechnet dazu auch,! daß sein Boden einem eigenthümttchea befruchtenden Riederschlage ausgesetzt ist, der sich besonder« in zahlreichen, oft seltsam gestalteten, gegm hundert und mehr Fuß hohm kehmhügeln zu erkennen giebt, welch« mehrere Stellen de» Feir athals in seiner östlichen Hälft« und dedarauf folgenden Wadi Schech charakterisier». Interessanter freilich, vielle cht auch erbaulicher wäre e-, wenn wir im Einklang mit der uns audem 6. Jahrhundert berichteten Sag« zu der Annahme berechtigt wären, daß der klare Gebirgsbach de- Feitanthaleseinen Ursprung Mose'- wasserspmdendem Wunderstabe verdanke, und ebenso di«