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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 47 (1862) · p. Seite 186

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
47 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 — Skünden der Bangigkeit schlichen abermals Worüber; aber Rosa war völlig gefaßt, und nur dieser M ngel an aller Beschäftigung war für sie, das emsige, i-affende Mädchen, «in« unendlich drückende Last. Um M »««acht verrieth das Knistern der durch di« Länge der Zei: geworfenen Dielen auf dem Corridore das leis« Nahm eine» schleichenden Schritte», und eben so leise suchte ei re Hand den Schlüssel umzudreh«. Rosa wußte, daß der Versucher abermals nahe. Sofort erhob sie ihre Stimme, rm jenen zu bedeuten, daß fein schändliches Mittel nicht gelungen sei. „Wer ist da? Wer will hier herein?" rief sie. Der Graf sah sich verrathen und öffnete bi« Thüi >. Ader vor dem Bollwerke, das sich ihm hier entgegenst, lltt, und von dem die obersten Grräthe schon begannen, sich zum Sturze hin und herzuneigen, sodaß sie ihn selbst eicht treffen konnten, fuhr er erschrocken zurück. Rosa oder »ahm das Licht vom Tische und trat heran. „Herr E ras," hob sie an, „werden Sie noch nicht müde, diese nutz osen Versuche zu emeuern? Werden Sie denn gar nicht gewahr, welch« unwürdige Rolle Sie spielen? Ist das ein Graf von BanerSdors, der ein armeS, schuldlose» Mädchen so verfolgt, nur um sie zu verderben? Gehen Sie denn, so wahr ein Gott im Himmel lebt! legen Sie Haw an diese Model, die Ihnen den Weg verstellen, so zünde ich Ihnen mit diesem Lichte Ihr Schloß über dem Kopfe in!" Der Graf sah mit starren Blicken auf die -ochaufgerichtete Madchengestalt, und ihr flammendes Lug und ihre geröthetenZüge sagten ihm, daß hier ein unerschütte licher Entschluß gefaßt sei. Er legte sich daher auf's Bitten, er wandte alle möglichen Schmeicheleien und Versprechen a», am sie sich günstig zu stimmen. Aber Alles vergeben»; ihre L ppen kräuselten sich nur zu bitterm Hohn, sie schüttelte der Kopf mit dem Ausdrucke-Ler Verachtung, und antwortete nur initGederden de» Unmuths. Da also auch dieses nicht» frucht tt, begann er zu schimpfen und zu droh«, kündigte ihr ai, daß er siedurch Hunger und Einsamkeit schon dahin bri »gen wolle, daß sie flehend zu feinen Füßen fallen werde, i nd verließ Zähne knirscheno den Gang. Bald darauf hörft Rosa auch die Huffchläge eines Rosse», das durch die N icht davon stürmte. Glücklicherweise hatte der Graf versiiumt, die Thüre wieder zu schließen, und Rosa, nochdem ie das Gerampel bei Seite geschafft, zog den Schlüssel! «aus und verschloß die Thüre von innen. Sie löschte da; Licht und legte sich beruhigt und voll Dankes gegen Gott auf da« Bett. Wir überlassen sie jetzt für den folgende,: Tag ihrer Einsamkeit, die ihr jedoch durch die Gesellschaf der alten Frau, die ihr immer zugethaaer ward, gemildert wurde. — Daniel also fuhr früh am Morgen des! üages nach seiner Rückkehr wieder nach H., um den Obrsstlieutenant von Jahn die Befchwerdeschrift der LatterSdor er Bauem zu überbringen, und den ferneren Feldzugspla, mit'ihm zü verabreden. Er fand feinen Gönner schon völlig entschlossen und gerüstet, und hatte dieser sich dere tS am vorhergehenden Abend mir einem, ihm empfohlen« i, tüchtigen Sachwalter besprochen, der ihn mit den nörhü en Notizen aus dem Gerichtsverfahren und dem Strafko er bekannt gemacht und sich bereit erklärte, die Sache sofo tt anhängig zu machen, wenn der Versuch des Offiziers si > vergeblich erweisen-würde. Der Obristlieutenant ftidr demna h nach dem Schloss« des Grafen, wahrend Daniel fick zurück n fein elterliches Haus begab, um hier den Erfotz rbzuwarten. Der Obristlieurenant v. Jahn wurde vom Grasen Roderich willkommen geheißen, obgleich dieser bi» jetzt jenen nicht gekannt und an ihm eine Art feierlicher Kälte gewahrte, die ihm nicht zusagte. Er ließ daher an den Offizier nach den ersten Begrüßungsworten Vte Frage ergehen, was ihm die Ehre diese» Besuches verschafft habe? Der Obristlieutenant erwiderte: „Sie erzeugen mir mit dieser Frage einen Gefallen. Ich denke, Herr Graf, wir gehen, wie es Militär»,geziemt, kurz und einfach auf die Angelegenheit ein, die mich zu Ihnen geführt. Ich komme t» Sache des Sergeanten Daniel BatterSdorf." Bei Nennung diese» Namms flog eine Blässe über Roderich'S Gesicht. Doch erwiderte er: „Und waß hätte ich mit diesem Menschen zu thun? Und wie kommen Sie zu ihm, der so rief unter un« steht?" „DaS ist leicht zu sagen: Daniel hat mir in einer verzweiflungsvollen Stunde durch Darreichung seine» letzten Bissen Brodes wahrscheinlich da» Leben gerettet, und wie er ftir Sie in der höchsten Gefahr eingerreten, brauche ich Ihnen wohl kaum in die Erinnerung zu rufen. Solche Dinge machen die Menschen untereinander gleich, und verpflichten einen Jeden zur Wiedervergeltung, und wenn er noch so hoch im Range stünde. Doch genug. Die Sache ist: Sie haben dem Daniel seine Braut geraubt, und ich komme, sie Ihnen wieder abzuverlangen . . Der Graf vermochte erst nach einer kleinen Pause zu antworten: „Und wer sagt Jhnm die»?" „Die ganz« Welt weiß es. Wenn auch die Nacht diese Unthat bedeckte, so ist es darum doch als ob die Sonne sie be/chienen, und wohl, iä> frage Sie als Edelmann und Offizier, ob Sie diesen durch Ihre Leute geschehenen Raub leugnen können V „Ich ged« Niemandem die Erlaubniß und erkenne Niemandem das Recht zu, eine solche Frage an mich! zu stellen, die ich daher weder bejahen, noch verneinen werde." „Was meinen Sie denn Herr Graf!" erwiderte der Obristlieutmaat mit heftigerer Stimme. „Glauben Sie denn, daß das preußische Ofsiziercorps sich mit ewigem Ruhme bedeckt har, um Jemanden unter sich zu dulden, der feine Ehr« in schändlichster Weise befleckt bat? Glauben Sie, baß die Männer des preußischen Volkes draußen ihr Blut vergoss« Hab«, um untrcbeß von solchen, die zü Hause geblieben, sich Schimpf und Schande anthun zu lassen? Das Ofsiziercorps wie die ganze Armee tritt für da« Glück und Wohl, für die Ehre und Pflichttreue aller.ihrer Glieder ein, und darum bin ich hier, um Rechenschaft von Ihnen zu fordern." „Ich erkenne willig," erwiderte der Graf, ,^aS Recht de« OffiziercorpS, dem auch ich angehöre und in dessen Reihen ich auch mein Blut ve^oss«, an, in Dingen, welche dm'Offizier al« solchen betreffen, seinem Gerichte zu unterziehen; aber in Privatangelegenheit«, - gleichsam in häusliche Verhältnisse sich zu mischen, jhat es nicht da» Recht. Und wmn wir die Fremden aus dem Lande gejagt, so wollttn wir dafür keine neu« Inquisition und Spionage, von vaterländisch« Händen geübt, anfrichten" „Gur," erwiderte der Obristlkeutmant gelassen,^,,ich habe es auch nicht ander» von Ihnen erwartet. Für diese» Wort werden Sie mir übrigen», wie es einem Offizier und Edelmann geziemt, nach dem Austtage der Angelegenheit Rechenschaft geben, vorausgesetzt, daß sie mit unverletzter Ehre daraus hervorgehm. Jetzt aber habe ich noch ganz

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