Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 47 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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188 außerordentliche Fruchtbarkeit als Nachwrrtv lg desselben WunderwasserS zu betrachten fei. Bewohnt wird Wadi Feiran von nicht w nig Araberfamllien, die untv den Palmen in niedrigen füllen Hausen. *Die letzteren sind von der einfachsten Ausführung, und beschranken sich meist auf Räumlichkeit« i zu ‘ ebener Erde, mir Wäüden auS zusammen gefügten Hölzer >en Stangen oder lose über einander gelegten-Steinen, und Fächern von Flechtwerk und Palmenzweigen^ Nur ein P>ar Anlagen erheben sich über diese urzustandliche Bauart; öinant-B«, der berühmte französische Ingenieur und Gel hrte, besitzt eine solche, die e^ wie einen Sommer-Landsi :> von Kairo aus besucht. Auch das Sinaikloster hat mrhrer Besitzungen hier; leibeigene Beduinen des Klosters bewohnen und bebauen sie. Nach Osten Hat-Wadi Feiran seine bestir imt« Grenzmark« an einem großartigen Felfenthor, tl Bi eb; es entspricht jenem quer vor den westlichen Beginn »es Palmenrhals gelegenen Hügel mir den Palastruinm: l enn zwischen beiden entfaltet sich die herrliche Palmenkultur. Doch schon eine halbe Stunde, bevor wir den östlichen Eng raß erreichen, befinden wir uns am Ende der Palmen, und a t ihre Stelle treten die bis dahin nur vereinzelt erschimea n gleichfalls immergrünen Tamarisken; sie verdichten sich ier zu einem üppig reichen Walde, der uns mit seinem Dufte und Schatten bis an den Ausgang des ThaleS gl leitet. Bei diesem Tamariskenwalde treffen wir < uf jene schon genannten seltsamen Lehm - oder Thonbildun;en, grotesk gestaltete Hügel von gelblicher Färbung, zwisc ittt 100 und 200 Fuß hoch. Man ist beim ersten Anblick derselben geneigter, sie für Ruinen von uralten Schlössern rnd Tempeln als für angeschwemmte Erdschichten zu halten Bisweilen lehnen fre sich an röthliche Porphyrwände odi r graue blau- und braungeäderte Grauirfelsen an, wodurck ein seltener Cvntrast der Farben entsteht. Auch hinter dem Bueb, wo Wadi Sö ech beginnt, setzt sich der schöne Tamarisken- oder Tarfawa d mit starken kräftigen Bäumen noch «ine kleine Strecke tort; darauf tritt er erst gegen die Mitte desselben Wadi, >. h. nachdem wir gegen fünf Stunden vom Bueb in nord »stlicher Richtung weiter geritten sind, in der überraschendsten Fülle wieder hervor. Dorr haben wir dir Heimath des Man na erreicht. Denn in diesem gegen eine Stund langen Tamariskenwalde des Wadi Schech wird noch je zl alljährlich, wenn es nicht allzu sehr-an Regen gefehlt »at, Manna geerntet. Daß es hier ausschließlich vorkon me. wie mir früher mitgerheilt worden, bestätigte wenigsten' vom Feiran» tbale meine eigene Erfahrung, Denn als ich 6 nde Mai und Anfang Juni des JahreS 1844 beide Thäle besuchte, bemerkte ich gar wol.bei den Tamarisken des Wadi Feiran den starken Mannageruch, aber es ließ sich d »rchaus nichts von dem Erzeugniß selbst auffinden, wogeg n ich's Tags darauf im Wadi Schech an vielen Zweigen wie glänzende Perlen, wie dickliche Thautropfen hängen sa!. Jedenfalls kommen aber auch, schon nach Seetzen'S ua Anderer Be» obachtungen, noch andere tamariskenreiche £k dis der Sinai- Halbinsel für die Manna-Erzeugung io Bedacht, obschon Wadi Schech damit am reichlichsten gesegnei ist, weshalb es sogar in seinem westlichen Theile mit dem Namm des Wadi Tarfa belegt wird. Diesem Manaadesitze der Sinai, Halbinsel gegenüber ist es eine überaus merkwürdige Thatsache, daß wol auch anderwärts, z. B. «ach Burckhart's Zeugniß in Nudim, in vielen Theilen Arabiens, am Eu» phlat, »m HedschaS, dieselbe Tamariske vortrefflich gedeiht, ihre Mannaprodnetion aber auf die Sinaitisch« Wüste sich beschränkt. (Forts, folgt.) Unterhaltungs-Pillen von Louis Lehmann in Lad Homburg. In Leipzig soll es üblich fein, den Kundm ein Meßgeschenk zu machen. Ein polnischer Jude, der eben seine Einkäufe gegen mehrere Solawechsel gemacht hatte, erhielt ein Dutzend Strümpfe. Als er über dieses geringfügige Geschenk seine Unzufriedenheit äußerte, legre der Kaufmann noch 7* Dutzend zu. Auch damit nicht befriedigt, ruft letzterer entrüstet aus, indem er sein Portefeuille herausnahm: Da haben Sie gleich einen ihrer Solawechsel von fl. 20. als Cadeau, wenn Sie eS nicht schon anders thun. „Behüt'," sagte der Jude, „sen mer doch lieber die Strümpfe." Ein sehr begabter gelehrter Jude, der die Würde eine- Landtagsdeputirten begleitete, pflegte das ganze Jahr hin» durch die ihm Begegnenden nicht zu grüßen, woran nicht allein seine Zerstreutheit, sondern auch eine augebome Unfreundlichkeit Schuld hatte. Als unlängst nun wieder von der bevorstehenden Wahl eines Abgeordneten die Rede war und Jemand in der Gesellschaft fragte, wenn jene dmn stattfinde, erwiderte ein Anwesender: „Acht Tage später, als Herr N. die ihm Begegnenden wieder freundlich grüßt." — Alle lachten. — Ein Jude, Kaufmann, befindet sich in einem Badeorte mit einem Farbwaarenhändler, den er dermaßen mit GeschäftSangelegenheiten heimsucht, daß dieser endlich ausruft: „Na, können Eie denn gar nicht von was Anderem reden, als immer von Geschäften? Bewundern Sie doch diese reizende Gegend, dieses saftige Grün, dieses himmlisch« Blau." — „Apropos von Blau," fiel hier der Jude ein, „wie steht denn jetzt der Indigo?" — Allgemeine Zeitung de» Judenkhum». No. 46. 1862. Leitende Artikel: Die Emancipatiou der i Juden in Poleu. — 9lur da» Prillest»! — Erklärung. — Literarischer Wochenbericht. ZeituugSnachrichteu: Deutschland: Gotha, Hamburg. Hamburg, Frankfurt am Main. Preußen: Berlin, Posen, Berli», Posen, Bielefeld. Oesterrei chifcher Kaiserstaat: Krakau, Lemberg. Schweiz: Bern, Bern, Aargau. Frankreich: Pari». Gro ßbri t a nnien: London. Jonische Inseln: Zante. Nordamerika: Philadelphia, Wilk«»barre. Eorrespoadenzen: Ueber Zweck und B?haudlung der Bibeln io Schulen. (Forts, au» No. 26.) — Unterstütz ungSkasse de» Bereiu» israrlitiicher Llementarlehrer für Äestphaleu uud RheiuproSiuz. Zu beziehen durch jede» Postamt und jrde^Buchbandlung jährlich 3 Thaler, vierteljährlich *A Thaler. Bera» «ttU| »o, e«RB|lrta.< twortlicher Redacteur I. H. Luder. '« vuchhuudloug tu Leipti»- — Druck »o, 9. »reyliug iu Leipzig.