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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 46 (1862) · p. Seite 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
46 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 zu könn.n. Sie ergriff da» Licht, durchsuchte alle Winkel vegroßen unheimlichen Gemaches, verstellte mir Meudetn die beiden Tbüren desselben und warf sich dann auf da- Berr. um einige Stunden de- Schlafezu genießen. Aldie ersten Strahlen der Sonne sich in da- Gemach stahlen, erwachte sie, brachte al-vald da- Zimmer wieder in Ordnung und erwartete gefaßt, wada kommen würbe. Bald Hort« sie auch Schrine nahen, der Schlüssel ward umgedreht und die Thür öffnete sich. Die alte Frau trat wieder ein, und stellte ein Frühstück auf den Tisch, wobei sie einen giftigen Blick auf da- Mädchen warf. Rosa war aber schon aufgesprungen, faßte den Arm des Weide-, und rief ihr zu: „Wo bin ich yirri wawill man mit mir, wer hat mich mit unerhörter Frechheit hierherdringen lassend Um Gotre-willen, antwortet mir Krau! Habt Mitleid mit einem armen Mädchen, mir einer unschuldigen Waise!" . . . „Oho, Puppchen!" grinste ihr die häßliche Alte entgegen, „du weißt ja da- Alle« «beu'v gut wie ich; ich lasse mich von solchen Lärvchen nicht täuschen, und du wirst bald genug Den sehen, den du sicherlich erwartest." ^,Jhr seid im vollen Jrcihume, Krau i Nichtweiß ich, aldaß man mich wider Gotte- und der Menschen Gesetze von Hause fort und hierher geschleppt har; ich ahn» wohl, wer Ser Bösewichl sei, der die,»- angezerrelt, aber ich stehe in kernerlei Verbindung mit ihm und habe ihm ruemal- «ine Hoffnung gegeben. Uevrigen«, wenn Ihr glaubt, baß ich freiwillig hierher gekommen, warum schließet.Ihr mich ein r Die alte Krau schien hiervon etwabetroffen; doch schüttelte sie mir dem Kopfe und sprach: „Waweiß «ch davon. > Ich thue, wamir geheißen wird und kümmere mich um i Nichtweiter." Mit dreien Worten riß sie sich von Rosa [ lo» und eilte zur Thür hinaus, die sie sorgfältig wieder verschloß. Rosa vermochte nichtvon dem Frühstücke zu verzehren; sie jmaß immer und immer wieder das große Gemach Mit ihren Schrillen; endlich trat sie an'- Fenster, aber der Anblick, der sich hier ihr barbor. war nicht minder trostlos. Sie sah in einem großen, von hohen Gebäuden ganz umschlossenen Hofraum hinein; aber die Gebäude waren längst verfallen und unbewohnt, weder Mensch noch Thier ließ sich olicken. Ebenso herrschte Todlenfchweigen »n dem ganzen allen Schlosse, und der vom grauen Himmel herunter > fließende Regen war da- Einzige, wadie Stille unterl^üch. Everging Stunde nach Stunde in tövtiicher Einförsingkerr, und mehrere Male flössen die Augen dejungen Mädchen» in Thranenströmen über, wenn immer und immer wlfdec ihre völlige Verlassenheit ihr zum Herzen drang.! Endlich um oie Mittagszeit kehrte dt« alle Frau wieder und brachte lnehrere Schüsseln mit. Da sie da- Frühstück noch unangerührt fand, blickte sie auf da- Mädchen, daolejch und in sich gesenkt auf dem Lehnstuhl saß und ihrer gar nicht zu achten schien. E» mochte doch ein Gefühl des Mitleibendurch da» Herz des häßlichen Weibegehen, denn sie redete Rosa an: „Nun; Kind, wahärmst Du Dich so fehri Komm und iß; dakann Dir doch mchks helfen, baß Du von Fasten Deine Kräfte verlierst." „Ich kann nicht« hinunterdringen," antwortete Rosa.! „stnd dann darf ich Eure Speist ja nicht genießen, ich bitz eine Jüdin/' „Also eine Jüdin," erwiderte die Alte, „wie ich egleich vermuthere, und eine Jüdin,, die da« Gesetz streng bälr... " Dem Weide schien diesonderbar in den Sinn zu fahren; sie sann einige Zeit still vor sich hin, dann trat sie zu Rosa, und sprach mir etwawilderem Tone: „Erzähle mir doch wer Do eigentlich -ist und wie Du hierhergekommen." Rosa sah zu ihr auf, bemerkte wohl, baß da- Weid einest» günstigeren Gefühl» für sie Raum gegeben, und sah keinen Grund ihr Etwazu verschweigen. Sie erzählte chk daher kurz aber bestimmt den ganzen Hergang der Dinge und von allen ihren Leden-verhälmissm. Als sie geendet harre, hob die Alte an: „Gut, Kind, Ich glaube Dir Alle-, denn Deine Worte tragen den Stempel der Wahrheit. Ich bin zwar nicht im Stande, Dich frei zu lassen, aber halte Dich nur tapfer, ich werbe Dir jedenfalls deistehen, und sollte ezum Aeußersten kommen, werde ich schon in der Nähe sein. Hab« Vertrauen zu mir, benn^daß ich »-.Dir nur sage, ich bin auch Jüdk», wenigstenwaren e» meine Eltern. Wie egekommen, baß diese mich verließm, und ich m große Nord geriet-, daß ich willig die Hand meineseligen Manneannahm, und ihn in die Kirche folgte, gehört nicht hierher. Er wurde zuletzt Kastellan in diesem einsamen und verfall«« Stammschloß der Grafen, dasie nur noch bei Gelegenheiten der Jagden besuchen und einige Tage bewohnen, und so verblieb ich hier nach seinem Tod« allein mir einer alten Magd. Nun, getroste Dich mein Kind, ewirb schon Alle» gut gehen; ich werbe Dir Etwadringen, wa- Du essen darfst. —" , (Forts, folgt.) Wanverungril durch dir Wüste nach dem Sinai. Beu -oostavrin Tischendorf. (Fortsetzung.) Von hier au-, wo offenbar die Wüste Sin der Mosaischen Erzählung ihren Anfang nimmt, führen zwei Haq»t» wege zum Sinai, ein oberer und ein unterer, an alten Erinneruugen wie an wüstenlanbschaftliche ...hei reich. Der obere, östliche Weg führt durch den Wadi Taijidey zurück und geht dann zunächst den Wadi Hamr entlang^ der westliche dagegen führt von Ra- Zelime auweiter am Ufer hin und lenkt nach einigen Stunde« wieder in die Lcrgregion ein, von wo audie beiden so merkwürdigen Thäler Mokattrd und Feiraa erreicht werden. Während den letzteren, den unteren, die eben genannten beiden Thäler nebst dem Serval au-zeichnen, zieht der Weg im Osten besonder« durch Sarbut el Ehadem an. 18S3 ging ich ihm nach, ' und erkletterte mir meinem Freunde Graul vom Wadi Suivok au» über Schluchten und jähe Abhänge jenen Felsenderg, auf welchem Riebuhr seinen „prächtigen ägyptischen Toblenackrr" entdeckt«. In der Thar empfängt da» Auge de» unbefangenen Beschauers zunächst keinen anderen Eindruck; denn Denkmäler mir Hieroglyphenschrift, sogenannte Stelen, auftechtstehenden Grabsteinen am ähnlichsten, 6—8 Fuß hoch, charakierisiren den Orr vorzutz-weise. Die Reste von einem Felsemempel und von Frisinkammern, Säulen und Säuleafragmente schließen sich a». Und die» liegt, wenigsten- »um größten

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