Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 46 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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182 — AmrSsiegel darunrersetzre. Darüber war freilich I ie Nacht hereingebrochen und Daniel mußte «'eine Ungeduld dis zum andern Morgen zügeln. Er barte sich freilich die erste Nacht im elterlichen Hause ganz anders gerräua r. Ader die Hoffnung war ja wieder in sein verzweifelt des Her; eingezogen, und so fand ibn der erste Frühürahl v w Sonne wieder auf dem Wagen, um seinen Beschützer die geforderte Schrift zu dringen. Bis jetzt war ikm durch Go reS Hülfe und Fügungen Alles io trefflich gelungen, daß er darin eine Bürgschaft für alles Weitere zu erblicken gl »übte. Doch sehen wie nun un» zuvor nach Rosa »nd -ihrentz Schicksale um. Einige Stunden moLre wobl die Fahrt gedauert haben, bis endlich die Kutsche, in we chec man Rosa mit Gewalt gepackt und verschlossen batte, 'vor dem Portal eines altertbümlichen Gebäudes dielt. ES war eine erschreckliche Fahrt. Denn, außer dem S türm und den immer von Neuem niederraui'chcnoen Platze« ^en, ging sie auf den holperigsten Wegen, meist durch W!lder, bald aufbald abwarrS, daß -er Wagen bald auf Sie eine, bald auf die andere Seite sich neigte und iipmerfort un Zuschlägen drohte, und daS Mädchen hin und hergefchleut err kaum zur Besinnung kam. Als der Wagen hielt und ec Schlag geöffnet worden, trat ihr ein altes häßliches Weid mir einem Licht« entgegen, führte sie schweigend dr rch Gänge und ü^er Treppen in einen langen Korridor, i jo sie endlich eine Tbüre offnere, daS Mädchen bineiHnöi A'gre, daS Licht auf einen Tisch stellte, und sich entfernte. Losa.hörte, wie jene die'Thür verschloß, und sich bann la rgsam entfernte. Sie befand sich allein in einem große r Gemach, daS einst zwar mir großer Pracht ausgeftatt r gewesen, jetzt aber veraltet und zum Theil in seinen 2 iprten und Vorhängen zerschlissen und vom Zahn der Zeit rderall angenagt war; die MeubleS waren altmodisch u iö massiv, nur ein schönes weißüderzogeneS Bert mir reichen Umhängen winkte ihr freundlich aus einer Ecke entgegen. Mitternacht war schon vorüber; der Wind heulte um und du ch das Gebäude, stieß auf die Fenster und Läden, -aß si immerfort klapperten, und das Licht hin und herflackttte. Rosa empfand ein tiefes Graufin und warf sich verzv riflungsvoll in einen alten Lehnstuhl, der vor dem 'Tische! :and. Sie harre ' feine Thränen, denn Schreken erfüllte ihre Brüst. Eie rang nur die Hände, griff von Zeit zu Z it nach der brennenden Stirn und erleichterte ihr beängsti» leö Herz in Seufzern ... Allmalig adcr kehrten ihre Lebensgeister;t -ück. Rofa hatte, wie wir es schon erfahren haben, eir en kräftigen Charakter. 'Wie sollte sie es auch anders un> ir den Verhältnissen. in welchen sie ausgewachsen. Wahr nd der neun ersten Iah,« ihrer Kindheit führten ihre Eltern ein herumschweifendes Leben. HeimathloS, nirgends la ge geduldet, mit einem kleinen Kram von Jahrmarkt;> Jahrmarkt' oder in der Landschaft hausirend herumwaaderr d, bisweilen sogar obdachlos, nicht selten auch zum Bet tln greifend, hatten ihre Eltern sie als Kind vor taufend lnbillen und vielem Ungemach nicht schützen können, denen hre Zärtlichkeit sie gern entzogen hätte. DaS Kind begr ff mit frühreifem Verstände die Lage ihrer Eltern, und oft hätte sie diese gefragt: warum sie nicht auch in ei remschönen Hause, in einer Stadt oder einem Dorfe bar emo blieben, wo sie vor Unwetter und bösen Menschen;eschützt seien und sie mit anderen Kindern spielen könne? Niemals aber haue sich das Kind dazu verstanden, um Almosen in cei. Hausern zu bitten. wohl iedoch fd-er. sehr früh häuslich. Müken für die abwesenden Eltern übernommen, oder au«" den Markten am Kramrisch gestanden, damit nichts entwendet w/rdr, auch wohl den Käufern zugefprvchen,' was häufig nicht wirkungslos blieb, da das schöne Kind Allen gefiel. Endlich war der höchste Wunsch der kleinen Rosa in Erfüllung gegangen, sie harre in BarrerSdorf eine Heimath erhalten, konnte endlich sogar in eine Schul, gehen, wo sie die eifrigste und gehorsamste Schülerin ward Ader da mußte sie bald die Pflegerin erst ihres Vaters werden, an dessem Grade sie so bald stehen sollte, oann der Mutter und nun auch durch emsiges Arbeiten zum Er werde des Unterhaltes ^«11«$««. ^imgc Jahre später, und auf ihr lasiere Alles; sie hatte die immerwährenl kränkelnde Mutter, deren Krampfanfalle immer häufiger und heftiger wurden, mit einer eisernen Geduld zu warten. daS Hauswesen zu bewegen und zugleich durch ihrer Hand. Arbeit den kargen Unterhalt zu schaffen. Abet alles dies beugte sie nicht; das Bewußtsein, ihre Pflicht zu thun. und ihre kindliche Liebe in jedem Augenblicke zu bekhäligcn, stählte sie und hielt. sie aufrecht. Wenn einmal ihre Mutter einige Tage der Gesundheit genoß, wenn es ihr dann und wann gelang, eine besondere Erquickung unt Stärkung für sie zu erhalten, und sich so der süße Frieden der Liebe in ihrer Hürce einstellrewie glücklich fühlte sie sich dann, daß ihr frommes Herz zum Herrn jubelte und selbst «m fröhliches Lied über ihre schönen Lippen klang. Daher kam es wohl auch, daß trotz allem Weh ihre Geiratt frisch und voll aufschoß, und ihr Angesicht alle Anmuch der Tugend, allen Reiz der Schönheit behielt. Und als nun die Liede zu Daniel in ihr keusches Her; einzog, aber auch hier die Stunden des Glückes karg zugemessen waren, und die Entsagung mit eisiger Forderung auf sie zurrat, beugte sie abermals demürhig das Haupt vor dem Willen de» Geschickes, aber trug eg mit Standhaftigkeit, da sie e» kaum anders erwartet darre. So kann e» uns nicht wundern, daß sie nach einiger Zeit mitten in den Schrecken der Nacht und der Unklarheit dessen, was chr eigentliche drohe, und was mir ihr vorgegangen, dennoch bald eine gewisse Fassung wiedergcwann. und einigermaßen ruhig zu überlegen anfing. Die Frage, wer der Urheber dieser Gewaltthar sie, wer sei aus der Mitte der Ihrigen räuberisch entführt habe, beantwortete sie sich leicht: e» konnte Niemand anders als der Graf fein, der sie mit seinen LieoeSbewerdungen belästigt und geuvungen hatte, in dem Hause ihrer zukünftigen Schwiegereltern Zuflucht zu nehmen. Was er wolle uud beabsichtige i das stand, wenn auch unklar, doch bestimmt vor ihrer Seele, und erfüllte sie mir Angst und Abscheu. Aber ihr Geist erhob sich kräftig über dies« schweren Sorgen, zuerst mit der innigsten Zuversicht zu dem Horte der Unschuld, zu dem Gorte, der sie gnädig durch so viele- Mißgeschick geführt und seinen Engel vor ihr hergesendet, von allem Uebel sie zu lösen; dann in dem Muthe, welcher der Unschuld dem Fveveimuthe gegenüber einwohnt, und in dem Entschlüsse, lieber das Leben zu verlieren, als der Tugend und der Liede untreu zu werden. Sie sah voraus, daß es einen barten Kampf kosten würde, aber sie gelobte sich die größte Wachsamkeit urd die mulhigste Entschlossenheit sich zu bewahren, um der Gewalt wie den Künsten der Verlockung widerstehen