Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 46 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Kolksblatt Zur JSeleQru-ng und Unterhaltung auf jü&ifdjem Uehiele. Herausgegebev von Rabbiner Vr. Ludwig Phttip-sou in Bonn. Mo. 4«. 1862. s Bo» biefa Jatiicntt crf<baiu uiMbcnUia ein« yiummti. Prc»« u« «iaijr. S»»g« l Thlr. «ieneyLvri^ 7 % -t-r. «ve vuchha»dl»»z>:a. Poftamre? u«v Zei«»O»«rV<ditto»e» »eh«e» Bni«bv«-m »». s9. Isdrg. 4. Quartal.] Der Freiheitskämpfer. Novelle. (Fortsetzung.) Als unser Daniel in Frankfurt am Main sich in den Postwagen setzte, nahm er neben einem höheren Offizier Platz, welchen er alSdald erkannte, und der auch ihn herzlich begrüßte. Es war ein Obristlieulenanr von Jahn, der zu diesem Range erst kürzlich avancirl, und jetzt in die Heimath beordert war, um für das Armeecorps, in welchem er diente^ Ersatzmannschafr und Borräth« aller Art zu besorgen. Ihm hatte Daniel einmal «inen jener kleinen Dienst« geleistet, die unter Umstanden de« größten Werth haben, und zur Erhaltung des Lebens bisweilen mehr beitragen, als die helbenmürhigste Aufopferung. Daniel Hane den damaligen Hauptmann von Jahn bei einem Marsche in einiger Entfernung von' der Heerstraße an einen Baumstamm lehnend gefunden, dem Verschmachten nahe, da »hm nach einem tagelangen Marsche und einem Gefechte, in welchem er eine kleine Verwundung davon getragen, jede Ladung au Speise und Trant fehlte. Daniel reichte ihm bas Brod und emen Schluck Branntwein, die er noch ' besaß, willig dar, und erquickte den fast ohnmächtigen Offizier dadurch so sehr, daß dieser auf seinen Arm gelehnt dis zum Nachtquartier gelangen konnte. War es immerhin von Seiten unsres Helden eine gewisse Aufopferung, so stand sie doch mit der Dankbarkeit im Herzen deS edelmüthigen Hauptmanns dafür in keinem Verhältniß, denn diesem war dadurch Daniel wie ein rettender Engel in Todesgefahr erschienen. Er freute sich daher gar sehr, den wackeren Sergeanten an seiner Seit« zu haben,, und die lange Reise gab ihnen Gelegenheit, sich noch näher zu kommen, so daß es auch nicht unterblieb, daß Daniel seinem Gefährten alle seine Ledensverhälrnisse und Schicksale mittheslte. Die Fahrt' führte die Beiden zusammm dis durch das h. imarhliche Dorf Daniel», da sich der Obristlieutenant zunächst nach H. begeben wollte, um seine Geschäfte dort zu beginnen. Er rechnete auf einige Tage Aufenthalt daselbst. Als Daniel mir dem Haupte in die Hände gelehnt auf dem Stuhle in dem elterlichen Gemach gesessen, da war ihm wie eine Eingebung von oben der Gedanke durch den Geist gegangen, bei dem Odristlieutnanr Beistand zu suchen, da er unter dem Schutze eines so einflußreichen Manne« überall Eingang zu finden hoffm durfte. Zu ihm zu eilen, und seine Hülfe anzurufrn, nachdem er zuvörderst durch den Schulzen seinen Eltern Ruhe verschafft, war daher die Absicht, mit welcher er sich auf den Wagen setzte. Die einzige Lesorgniß, die ihn ängstigt«, war, daß Herr v. Jahn bereits H. wieder verlassen hätte. Diest erwies sich aber als unbegründet, und der Odristlieutenanr empfing ihn freundlich, wenn auch überrascht, ihn so schnell wieder zu sehm. Mir großer Erregtheit erzählt« er ihm alles Vorgefalleae, und flehet« mit bewegter Stimme seine» Beistand an, auf den allein gestützt er die groß« Gefahr, in welcher sein ganzes Lebensglück schwebte, zu beseitigen hoffm könnte. Der ObristUmwanr sprach dem leidenschaftlichen Jüngling Beruhigung zu, und versichert« ihm alle möglich« Bemühung, die, wie er hoffe, nicht ohne Erfolg sein würde. Er ließ sich alle Umstände, alle Verhältnisse und Lokalitäten diS ms Einzelnste gmau beschreidm, und stand nicht an, sofort Hand anzulegm. vor allem verlangte er, daß Daniel wieder nach Battersdorf zurückkehre,, um dorr vom Schulzen im Ramm der Bauernschaft eine Beschwerdeschrift über die Gewalttdärigkeitm, Beleidigungm und Abgaben, welche sich der Graf in dm letzrm Monatm erlaubt hatte, aufsetzm und unterschrei dm zu lassm. Dieser, an die köutgl. Regierung gerichteten Beschwerbeschrift wollt, sich der OdristUeukmant de, dem Grafen, zu dem er sich persönlich zu begeben gedachte, dedimen. In seinem Kummer und feiner Angst durch die Aussichten, die ihm der edle Freund eröffaete, unendlich beruhigt fuhr Daniel nach Battersdorf zurück, und fand hier Alles für ihn in der günstigsten Stimmung. Der Büttel des Grafen war wirklich in des alten Salme Hause erschimm, um die alte Krümmet au» d«m Dorfe und über die Grmz« zu dringm. Sofort aber wurde der Schulz« geholt, dm aber der üdermüthige Diener des Grafm auf's Schimpsvchste behandelte, dis der Schulze eiu paar handfest« Knecht« herbeigeholt, die m,t Vergnügen nach Anweisung ihre» Herrn den Lütttl tüchtig durchdläuetm. Nach geschehener Thal üderkam aber den Schulzen doch einig« Besorgniß vor dem mächtigen Herm, der, wenn er es irgmb vermochte, diese Beleidigung und Widersetzlichkeit gewiß ahnden würbe. Es war dem Schulzm daher eine große Beruhigung al» Daniel erschien, und den Antrag auf eiue Beschwerdeschrift au die Regiemng stellte. Er vermochte dem Bauer leicht einsichttich zu machm,' daß die Hülfe der Regiemng allein dem Zustand« ein Ende machen «nb ihn vorallen üblen Fvlgm schützen könnte. Daniel selbst fetzte die Schrift auf, faßte sie mit Klarheit und Nachdmck ad, gruppirre die einzelne» Frevel des Grafm geschickt nebm einander, so daß der Schulze selbst von all' den gewichtigen Thatsachen überrascht war, und muryig seinenNammuad ba«