Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 44 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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175 tttnn ich endlich die Gelegenheit ergriffe» habe, wich vor Ihnen auszusprechen. Haben Sie Mitleid mit mir, und gönnen Sie mir einen Blick und ein Wort." Bei diese» Worten griff.er nach ihrer Hand. Dies gab ihr den vollen Muth zurück, und indem sie seine' Hand unwillig.von sich stieß, rief sie au«: „Wad wollen Sie von mir? Ich bin ein armes Mädchen, das Sie mcht kennt; ich bin die Derlodre des Mannes, der Ihnen mit feinem Blute das Leben gerettet; und ich bitte Sie daher, mich nicht zu de» heiligen, und mich mit ihren Blumen, Früchten und Worten zu verschonen!" . . . „Wie schön Sie in Ihrem jAvrae sind!" erwiderte Roderich, „aber Sie dürfen mir nicht unwillig sein. Noch nie habe ich bei den Anblick eines Mädchens das empfunden, was Ihre Schönheit und Ihre Tugend mir einflößt. Klagen Sie den an, der Sie zum Gegenstände der Be, wunderung gemacht. Was schadet es dem abwesenden Daniel, wenn Sie ein klein wenig Ihre Gedanken und Ihre Neigung mir zuwenden, der von so vieler Sehnsucht damach gequält wird. Wenn Daniel audem Krieg« wieder zurückkehren sollt«, werde ich nicht anstehen, wieder zurückzutretm. Nur «in Blick und eia Wort von Zeit zu b«il, mehr verlang« ich ja nicht, theures, holdes Mädchen!" „Gehm Sie; ich weiß nicht, wa« Sie hier suchen, kenne di« große Welt und ihre Weife nicht, aber so viel fühle ich, daß es einen jungen Herrn nicht zufteht, sich da einzudrangen, wo man nicht nach ihm verlangt." Bei diesen Worten wollte sie sich eilends in das Haus zurückziehen, aber Roderich griff schnell um ihr« Taille, um sie zu umarmen. In diesem Augendicke traten einige Männer in den Hof des Nachbarhauses und bei den Srimmm der, selben fuhr er zurück und entfernte sich schnell, wie er ge» kommen. Rosa eilte in ihr« Kammer. Sie hätte schon im Garten geme um Hülfe gerusm, wmn nicht die Furcht, ihre Mutter auf den Tod zu erschrecken, ihr den Mund verschloffen hätte. Sie sann lange nach, was ihr jetzt zu thun bleibe, und faßte den Entschluß, Ihren Schwiegereltern mitzutheilm, was ihr widerfahren. Der alte Salme war aber selbst rarhloS. Immer von dem Gespenst« der. Armulh, daS er stets auf sich losrückm sah, verfolgt, seit zwei Monaten ohne alle Nachrichten von seinem Sohne, konnte er bei dem Berichte Rosa'- nur erschrecken, ohne Hülf-mittel aufzufinden. Sr rief feine Frau herbei, die nach vielem Kopfschütteln meinte: Rosa habe den Grafen wacker adgerrumpfl, und dieser würbe wohl nun di« Sache fallen laffm. Sollte er sich aber noch einmal Ungebührlichkeiren ertauben, so war« es am besten, man führe dm schon lang gefaßten Plan au- und Rosa ziehe mit ihrer Mutter zu ihnen in bas HauS, wo sie mehr geschützt fein würde. Einig» Tag« hindurch schien die Meinung Leah's ganz die richtige zu sein, und der Graf ließ sich nicht einmal in der Gaffe sehen, so baß Rosa sich schon ganz sicher wähnte. Eines Nachmittagaber, als sie an dem uns schon dekamuea Heerde auf der Hausflur sta»d, offnere sich die Thüre und Roderich trat ei». Die erschrocken« Rosa flüchtete sich hinter dm Heerb. „Erschrick nicht, liebe Rosa", redett der Graf sie an, und nahm «ine traurige und zugleich bescheibme Miene an; „ich habe die ganze Zeit mit mir gerungen, um Dich zu ver» geffm, Dein Bild aus meiner Seele zu verdrängen. Aber ,» gelang mir nicht, und ich habe unsäglich gelitten. Du mußt Mitleid mir mir haben, ich will ja gern« Alles, für Dich thun; meine ganz« Herrschaft lege ich Dir zu Füße»! ich will Dich aus diesen armseligen Umgebungen, die Deiner nicht würdig sind, und von diesen erbärmlichen Menschm, di« Deinm Werth nicht begreift» können, erlösen; Du sollst von Pracht und Glanz umgebm werden, und Hunderte sollm sich vor Dir beugen, wie vor einer Königin, denn dazu bist Du berufen, dazu von der gütigen Natur geschaffm. Reich mir die Hand, und ich will Dich von dannen führm." (Forts, folgt.) (Schluß.) Sir Moses ging nach seiner Gewohnheit in das an die Krankenstube stoßende Zimmer, welches eine-Art von Hauskapelle bildet, um vor ihren Ohren die für diese feierliche Gelegenheit vorgeschnedenen Gebete -zu . sage». Nach Beendigung der Andacht trat er in ihr Zimmer und legte sein« Hände auf ihr Haupt, wie er es viele Jahre au Saddathr und Festtagen gewohnt war, sprach einen Segensspruch aus und beugte dann sein Haupt, um seinerseits ihren Segen zu empfangen. Dann kehrte er in ftöhlicher Stimmung in sein eigenes Zimmer zurück, voller Hoffnung auf ihre baldige Genesung. Er unterhielt sich heitn mit einigm Freundm und Verwandten, die bei ihm in diesem feierlichen Augenblick versammelt waren. Ader ach! seine Hoffnung war trügerisch! Gerade zu der Zeit, wo er sich schmeichelte, »aß jede augenblicklich« Gefahr vorüber wäre, fand sie der Arzt, der gekommen war, um diesen Abend seinen Besuch -bzustatttn, so schwach und tat Puls fo gering, daß er <• für nöthig hielt, Sir Moses mit dem Zustand der Kranken gekannt zu machen. Der Kummer leidtragender islgeheiligr. Wir wollen ihn nicht enrhetlige», indem wir länger bei der Sterdescene verweilen. Sir Moses hatte di« traurige Geaugrhuung, die Augen der Frau zuzudrücken, die während eines Halden Jahrhunderts kaS Licht seiner eigenen gewesen war. Ladp Moatefiore verschied um halb zwölf Uhr am Vorabend« des neue» Jahres. Ihr Tob war wie ihr Leben — ruhig. Sie starb nicht - sie schlief ei». Sie verschieb ohne Todeskampf, wie unsre Weifta von Moses sagen, durch eimn Kuß. Ihre irdischen Uederreste wurden Sonnabend Rächt nach Ramsgate gebracht, begleitet von dem tiefdetrÜbte» Barre», ihrem Bruder, Herrn B. Cohen, den Herrn Z. M. Montefiore und Joseph Sedag, den ehrwürdigen Herrn Piza und dem Doktor Hodgkin. Sonntag Morgen» hatte sich «ine Anzahl anderer Herren nach East Cliff, dem Sitz L des trefflichen Baronets verfügt. Unter ihnen bemerkte man Sr. Ehrwücbea tat Oderrabiaer; Ihre Ehrwürden Abrahams, Green und M. B. Levy; Sir Anton von Rothschild, Alderman Salomons u. A. m. Um zwei Uhr begann sich dir Träuerzug in Bewegung zu setzen. Der Leichnam wurde nach dem Lorhost der Synagoge gebracht, und, während er dort stand, hielt der Oderadbtner nnter freien Himmel eine sehr eiudriagliche Leichenrede, die Aller Herzen rührte. Darm wnrd« der Leichnam zu seiner letzten Ruhestätte gebracht, die Sir Moses und Lady Judith sielange vvher al» den Platz auSerwählt hatten, der seiner Zeit das Obdach ihre» Staubes sein sollte. Run dielt Le.