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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 44 (1862) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
44 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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— 174 — düng der Franzosen die ganze gure alte Zeit wiel er zurückgekehrt sei, und daß da« Volk, welche« noch beschäftigt war, da« Joch der Fremdherrschaft mir Aufopferung feine« > Blute« und seine« Guie« zu zerbrechen, nur bestimm sei, da« ' alte Anstokrarenioch wieder auf seinen Racken z l nehmen. | Graf Roderich mir diesem Gedanken seit lang! venraul, griff sofort thalsachlich ein. Er gerirte sich, ll« ob die, ganze alte Herrschaft mir allen ihren Rechten, oelche vor ' dem Einzüge der Franzosen sieden Jahre früher entwichen waren, wieder zurückgekehrt fei. Er ergriff die Zügel der Polizeigewalt wieder und zwar mir äußerster Skr nge, setzte ein Patrimonialgericht ein, legre Abgaben und K oh'ndienste auf, und rhar al« ob er der reichsunmittetdace souveräne Herr wäre. In den Wirren de« Kriege«, während derer . die Organisation der wiedereroberlen Provinzen 1 och wenig vorgeschritten und bei der Uakenamiß der Lan »teure von der eigentlichen Lage der Dinge war die« in ü m Winkel de« Lande«, in welchem unsre Geschichte spiel / möglich. Da« gebieterische Wesen de« Grafen Rodenc > und die strenge Handhabung seiner Vorschriften durch sein Creaturen . imponirten den Dorfbewohnern und sie leiste en, wenn 1 auch seufzend, Gehorsam. Der einzige Mann, > er sie harre Über die wirtliche Sachlage aufklären können,! er Pfarrer ' de« Orte«, sah seinerseil« diese Wendung der Dinge gern, da auch ihm dadurch die alten Zehenten und G »den wieder zuzufallen schienen. Roch härter traf der To 1 de« alten Grafen unsren Salm«. Roderich kündete ihm a «bald jeden Geschäftsverkehr auf und wie« ihn ein für a lemal vom Schlosse fort. Die« war ein schwerer Schlag; denn, abgesehen von dem Verlust an Verdienst, entging i >m dadurch der größte TheU der Geldmittel, mit welchen r sein Geschäft betrieb. Je weiter sich der Krieg au« diesen Gegenden entfernte, desto geringer wurde der Berk hr, der sich in der Nähe der kampfenden Heere noch lebhtft erhalten hatte; eine allgemeine Stockung trat ein, da die Kräfte de« Lande« durch die Kriegslasten gänzlich au«gel »gen waren. Die Theuerung der Lebensmittel steigerte sich i» noch nicht dagewesener Art, da die vorhandenen Borräth immerfort nach dem Kriegsschauplatz« geschafft wurden. Dei alte Salme sah sich ruinirr und mußte geradezu von fei nero kleinen Besitzthum zehren. Die« verursachte ihm bii rem Gram, welchen Leah in vollem Maße theilte. Rur i ie Anwesenheit der immer stacken, immer aufheitemdm 8 ofa und die wenn auch spärlich eiatreffenden Brief« Daniel' , welche, so bescheiden sie auch abgefaßt waren, doch immer >ie Meldung seiner Erfolge enthielten, hielten da« greise P ar aufrecht, und brachten manchen goldenen Sonnendlick i die dunkle Zeit hinein. So lebte man die Wochen und Mo »de hindurch. An einem Rachmittag« trat Rosa eben ar i der Thüre ihrer Hütte, um zu ihren Schwiegereltem zu g 'heu, wohin ihr bereit« ihre Mutter voran war. Sie Hai ie nach Gewohnheit Alle« schon firr di« Nacht geordnet, i a die beidm Frauen erst zu später Stunde zurückzukehren p egten« Da kam gerade der Graf Roderich di« Gaffe Hera, f, der wohl von einem Jagdzuge durch dm Wald einen R chtweg durch diese von ihm gewiß selten betrerme Gasse », «Ne» wollte. Auf diesem Wege traf er unversehens auf 9 osa und der Anblick diese« schönen Mädchen«, da« an feiner Gestalt, an anmuthiger Haltung, an liedlichem Teint, a »gesehen von der Schönheit ihrer GesichrSform und ihre, glanzenden Augm so gäa,lich von den übriqm Bewohnerinnen de« Dorfe« sich unterschied, und derm Kleidung selbst, wenn auch nur dürftig, doch schon einen städtischen Zuschnitt verrieih, machte einen liefen Eindruck auf den jungen Mann, Sec nicht« weniger al« eine so seltene Blume auf der Sandflur der dörflichen Bevölkerung erwartet hatte. Dieser Eindruck war ein so plötzlicher, daß da« Mädchen längst vorüber war, bevor er seiner Verwunderung Herr ward. Träumerisch verfolgte Roderich seinen Weg zum Schlosse, und sein - erste« Geschäft war, seinem listigen Kammerdiener den Befehl zu geben, nachzuforschen, wer diese« Mädchen au« der Seitengasse de« Dorfe«, und welche ihre Verhältnisse seien. Die« war vmn keine schwere Aufgabe, und noch an demselben Tage erfuhr er, daß sie, wofür er sie gleich erkannt, eine Jüdin, die Tochter einer armen Häu«- lerin und die Braut Daniel BatterSdorf's sei. Der letzte Umstand galt den wüsten jungen Mann al« kein Bedenken und Hinderaiß, der erster« schien ihm günstig. Von dieser Zeit an begegnete Rosa den Grafen auf ihrem täglichen Gange. Er grüßte sie, blieb stehen, di« sie vorüber war, und suchte eine Gelegenheit, um sie anzureden. Bald ging er einen Schritt weiter. Bald fand Rosa jeden Morgen, da sie an da« Fenster der Schlafkammer trat, einen wundervollen Blumenstrauß von seltenster Art, der nirgend« ander« al» au« den Treibhäusern de« Schlosse« stammen konnte. Die« erfüllte sie mit Besorgniß und Schrecken, und sie konnte nicht« Andere« rhun, al« gleich da« erste Mal den Strauß vom Fenster auf den Boden de« Garten«, wohin da« Fenster der Schlafkammer ging, zu stoßen, wo er den Tag über liegen blied, indem sie voraussitzre, daß der Bringer de« Strauße« die« gewahren, und so die Verachtung erkennen würbe, mit weicher sie seine Gabe aufnehme. Ader sie harre sich geirrt, wenn sie in ihrer Unschuld und Unerfahreaheit glaubte, dadurch ihren Beuarahiger adzuschcecken. Beharrlich wiederholte sich diese Huldigung jeden Morgen, so daß Rosa voll Aerger« Thräaea de« Unmulhe« vergoß. Rach einiger Zeit wurde der Strauß durch einen schönen Kord der auserlesensten Frücht«'ersitzt; und e« wäre die« für die magere VorrathSkammer der kränkelnden Mutter ein willkommene« Geschenk gewesen. Rosa stano nicht an, den Korb gleichfalls hecanlerzustoßen, baß bü' edlen Früchte umherrollken, und auf dem Boden vermoderten. Einige Tage später gewahrte sie auf den Früchten ein zierliche« Briefchen, sie aber ergriff e« und zerriß e« und ließ die Stückchen auf die Erde fallen. Ihr Herz wurde bange und schwer. So unerfahren sie mit all' den Künsten, mir welchen ein verschmähet,r Liebhaber sich einen Weg bahnen will, war, so hatte sie doch wohl erkannt, von wem all' die« ausging, und ahnet«, baß der unwillkommene Bewerber sich nicht zurückschrecken lassen, und wahrscheinlich noch offeudarer« Schritte gegen sie sich erlauben werde. > Dennoch hielt die Schamhaftigkeit sib zurück, den Ihrigen! Etwa« von den Beschwerden mitzutheilen, mit welchen sie der junge Graf heimfuchtt. - Eine« Nachmittag« befand sie sich in ihrem Gärtchen, um da« Unkraut auszujären, al« plötzlich Graf Roderich über die Hecke sprang und vor ihr stand. Eh« sie noch ihren Schrecken überwunden, redete er sie an: „Verzeihen Sie, rheuere Rosa, wenn ich Sie erschrecke. Seitdem ich zum ersten Male Sie erblickt, läßt mir mein Herz kein« Ruhe, um Ihnen meine Huldigung darzubringea. Meine ganze Seele ist von der Leidenschaft für Sie erfüllt, und Sie haben e« sich selbst zuzuschreiden,

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