Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 44 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt Z« KcleOruiui uni) Untergattung aut jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Vr. ^lltzloig Philippson in Bonn. lNo. 44. 1862.1 Bo» dieser Zeit1»ri>l ersLeiut wScknuUL ei»e Nummer. Prei« de« Jahr- «»»«« i L»tr. «terteljätzri« 1 U Ngr. UU 8«4b«Bfeüngai. PoftLmier aat AeiolR,»«r»«dtliö»ra »ebmeu Befteüuuge» a». - - i ■ i | i ■ im [9. Jahrg. 4. ^aartal] Der Freiheitskämpfer. Novelle. (Fortsetzung.) E« folgten jetzt Gefechte auf Gefechte; von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf schlugen sich der französische Nachtrab und die rasch vorwäctsrückenden Freischaarm, weiche den großen Armem den Weg zum Rheine schnell säubern sollten. Bei vielen derselbm hatte Daniet Gelegenheit sich durch Murh, Geistesgegenwart und Tapferkeit hervorzuthun, und all nach dem Uebergange üdeeven Rhein die Kußabtheilung des Corps der regulären Arme« einverleidt wurde, avancirte er zum Sergeanrm. Bis hierher war das Knegsglück unsrem Helden hold gewesen, und mir Ausnahme einiger Quetschungen und Ritzen war er stets mir heiter Haut davon gekommen. Einige Wochm nach dem letztm Ereigaiß rückte sei« Bataillon in Elsaß vor und erhielt eines Tages nach langem ermüdenden Marsch« dm Befehl, die Kranzosm aus «inem Dorfe zu verjage» u»d dafseld« zu besetzen. Eine lange Gaffe führte durch das Dorf, während es von der rinm Seite durch einen tiefm Bach, von der anderen durch eine steile Hügelreihe gedeckt war. Es galt demnach, die Gaffe geradezu hinaufzustürmm, wahrmd die Feinde fast aus jedem Hause schaffen und die Eingänge verdarrikadirt harren. Di« preußischen Jäger tharen ihre Schuldigkeit. Mit dem Muthe, welchen wiederholte Siege verleihen, und der unwiderstehlich macht, stürzten sie vor, räumren die Barritadm weg, re,nigten di« Straßen von den Gegnern, verjagtm sie aus den Häusern und nach einer Stund« hartnäckigen Kampfes war bas Werk vollbracht. Daaiel's Compagnie war die vorderste, er einer der ersten, der die Barritadm erstiegen, aber alsbald erhielt er einm Klintmschuß in den rechtm Schmkel, der ihn niederstürzm machte. Seine Kameraden liebten ihn sehr, und nachdem der Feind erst einige hundert Schritt« znrückgetriebm war, eiltm einige zurück, hoben dm Berwundetm, der durch großm Blutverlust ohnmächtig gnvordm, auf, rrugm ihn in ei» nahestehendes Haus und legttn ihn dort auf ein Bett. Später suchtm sie einm Ehirurgm auf und schickten ihn in das Haus. Weiter kvnntm sie nichts für ihn thua, denn die Homer bliest» zum Berfolgm des Feindes, der vorerst nicht dazu kommm durfte, sich wieder zu fetzen. Als der Wundarzt in das Haus gekommen, fand er es noch von allm Bewohner» leer. Aber, ba er ohne Rithülfe nichts anfangm konnte, machte er Lärm, drohte und schimpfte laut, und suchte das Haus vom Bodm bis zum Keller ab. Da fand er dm» auch in einem finstem Verschlag des Kellers die zusamwmgekauertm Eigmthümer des Hauses, die er nun durch Berspeechuugm und Drohungen aus ihrem Versteck brachte und zur Hülfeleistung aahielk? Man entkleidet« den Berwundetm. Hier» bei kam das den Jüngling von seiner Mutter umgehängt« Ardakanfokh zum Vorschein, und wie mir einem Laute riefen die Elsässer, rief der Chirurgus: „Ein Jubel" .. . Es hatte sich gefügt, daß ebenso wie der Verwundere, so der Heiltünstler und die Dörsier, die dieses HauS bewohnrm, Juden waren. Der Geist der Mmschlichkeit, der in ihnm Allen wohnte, wurde durch die Gleichheit des Bekmnmiffes und der Abstammung alsbald rascher und stärker geweckt, und in Aller Herzm, Feind wie Freund, stnkte sich das Gefühl der Bemhtgung und Sicherheit und fvrderw das Werk der Wohlthätigkeit, welches ihnm oblag. Die Wunde, wmn auch bei Sorgfalt und Pflege nicht lebmsgefährlich, war doch stark und schmerzhaft genug, um unsrm Daniel lange Zelt ans Lager zu fesseln. Der Wundarzt durfte nicht lange verweilm. Er reinkgtt di« Wunde, verband sie geschickt, gab dann ausführlich« Vorschriften für di« Behandlung derselbm, verlraut« auf die-, durch sittllchm Ledmswandel «odiechalkene Jugmdkrast und «litt da»»«. Die Judenfamilte ließ es bet dem Verbrechen der eifrigsten Fürsorge nicht bewenden. Bald aber zeigte es sich, baß sie durch dm Krieg, und besonders bnrch den letztm Ueberfall wmigstms für die erste Aeit^alle Mittel verlorm hattm, um dem Kranken di« nörhige Pflege angedeihen zu laffm. Da halfm denn die Dukatm, welche die sorglich« Mntter in di« Ecken des Ardakanfoth ekngmäht hatte, zur rechten Zeit wacker aus; nur von dem letztm derselben wollte fich— Daniel unter keiner Bedingung trmnm, er war ihm ein geheiligtes Andenken an die Mutter, deren Liebe so schnell dm Unwillm und dm Schmerz überwunden hatte. Währmd unser Daniel T» für fein Vaterland strikt und litt, hatten di« Selnigm zu Haust nicht die rosigsten Tage. Eines Morgms verbreitete sich die Kund«, daß dm alte» Grafen von Danersdorf in der Nacht der Schlag getroffm habe «nd daß die schleunigst herbei geholten Aerzte jede Hoffnung aufgegedm hättm. Ans freiwilligem Drange eiltm die Bewohner des Dorfes t» die Kirche und in die Synagoge, nm die Genesung des verehrtm alten Herm vom Himmel zu erflehen. Doch der Herr über Ledm «ib Tod fratt* anders beschossen u»b schon am Nachmittage hatte der edle Man» stium letztm Seufzer ansgehancht. Die Trauer war allgemein; aber der Verlust sollte sich bald »och fühldawr machm. Der junge Graf glaubte, wie damals viel« stiner Stanbesgmoffen. daß mit der vertrei»