Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 43 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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171 Jäger ein Schuß den Rittmeister Graf Roderich in die Schulter traf, daß er den Säbel finken ließ und nach einigen Schritten seine- Pferdevon diesem heradsank. Die Jäger hatten schnell ein Quarrgebildet und hielten kräftig Stand. Aber der Feind verweilte nicht lange bei ihnen, sondern stürzte sich mit aller Macht auf die Husaren, um ihnen zum Sammeln keine Zeit zu lassen, so baß diese, wenn auch in gewisser Ordnung, ihre Flucht sorlsetzren. Daniel befand sich in der Lorberlinie der Jäger, und kaum hatte er den Grafen Roderich fallen sehen, als er trotz Säbelhieben und Kugelregen vorsprang, den Grafen mit größter Lebensgefahr aufhob und in die Glieder der Jäger hineintrug. Hier deckte er ihn mit seiner eignen Person, und indem er mit äußerster Anstrengung den Forderungen de- Augenblickgenügte, und so sehr auch recht- und linkvon ihm die .«ameraden stürzten und die Glieder sich zusammenzogen, ließ er den Grafen keinen Moment auoen Augen, unj ihn vor allen Gefahren zu schützen. Da- Häufl.in wäre indeß verloren gewesen, wenn nicht glücklicher Weise noch zur rechten Zeit aus einem naheliegenden Walde ein andere- Detaschemenr de- Freicorp-, durch da- Schießen von der Rorh ihrer Kameraden unterrichtet, herau-gebrochen, und deM Feinde in die Flanke gefallen wäre, wodurch denn auch die Husaren Gelegenheit bekamen, sich zu wenden, und dem weichenden Feinde noch einmal nachzustürmen. Eine halbe Stunde später war der Feind auseiner Position vertrieben und hinter den Bergen verschwunden. Aldie Jäger auch ihrerfeitden'fliehenden Feind verfolgten, hatte sich Daniel sofort zu dem verwundeten Grafen gewendet, der bei dem starken Blutverlustsftmd den Schmerzen der Wunde ganz hülflowar, trug ihn vom Kampfplatz hinweg und verschaffte ihn ärztlichen Beistand. Den letzten Tropfen in seiner Feldflasche halte' er dem Verschmachtenden schon eingeflvßt. Nachdem er sich debesseren Zustandeseine- Schützlingeversichert hakte, kehrte er zu seinen Kameraden zurück, mit welchen er bald nach einer anderen Richtung beordert wurde. Roderich, der nach einer nahen Stadt gebracht worben, fühlte sich nach kurzer Zeit stark genug, um nach seinem heimarhlichen Schlosse zu seinem Vater zurückzukehren, und da die gänzliche Heilung feiner ' beträchtlichen Verletzung adzuwarten. Diethat er denn auch mit großer Ruhe, und schien durchaus keine Lust zu besitzen, von den ferneren Lorbeeren seiner bisherigen Kampfgenossen noch viele mitpflücken zu wollen. Ob die edle Thar dejüdischen Unteroffiziereine Aenderung feiner Gesinnung bewirkt hatte, wissen wir noch nicht. Jedenfalls äußerte sich dieser Wandel nicht dadurch, daß er den Eltern feines Reuters einen Besuch abgestattet, oder nur einige Kunde von ihrem Sohne und dessen Benehmen gegeben 'hätte. Vielmehr mußte er wohl den spezielleren Vorgang auch seinem Barer verschwiegen haben, da sich dieser gegen Salme in keinerlei Weise darüber äußerte. Dieser erfuhchauch erst nach Monden davon, -lsich ein Brief seine- Sohnes nach langer Irrfahrt dm Weg zu ihm gefnndm, worin Daniel eifrig nach dem Befinden dejungen Grafen sich erkundigte und dabei einfach und kurz da- Geschehene schilderte. (Forts, folgt.) -» Die vortreffliche Lady Monrefiore ist nicht mehr. Sie hat am vergangenen Mittwoch ihren letzten Athemzug ruhig ln ihrer Behausung zu Park Lane airsgehaucht, am Bo» abenbe des neuen Jahres in der Gegenwart detiefdetrübten Genossen ihrer segensreichen Laufbahn und einiger * wenigen bekümmerten Freunde und Bekannten. Nach langem Krankenlager ging sie hinab gleich den Sonnenuntergang am Abend eineheitern Herbsttages. Ihre goldene Hochzeit war ach! nur zu bald von ihrem Tode gefolgt — die liebevollen Glückwünsche wurdm ach! nur zu bald in dem traurigen Ton der Beileidsbezeugungen erstickt. Da- Jahr -623 hat traurig für die mglischjüdische Gemeinde begonnen, welche durch diesen Tod den schwersten Verlust erlitten hat. Möge Gott den »erzweift feiten Gatten Tröstung und den Leidtragenden, deren so viele sind wie Juden im Königreiche, Linderung ihrer Lekümmerniß.senden! Die verstorbene Lady Judith, in London geboren, war eine Tochter des verstorbenen Baroner Levy Cohen, der neun Kinder hinterließ, unter welchen drei — Hannab, die als Baronin Rothschild starb; Judith, die al« Lady Montefiore endete; und Isaak, der vor einigm Jahren in sein ehrenvolles Grad stieg — durch die zahlreichen Tugenden. die sie auszekchneten, in dem Gebächtmß der jübi, schen Gemeinde noch lange Zeit leben werden. Judith, der Gegenstand unseres Nekrolog-, war im Jahre 1784 geboren. Sie empfing eine sorgfältige Erziehung von ihren liebevollen Ettern, die, da sie in guten Verhältnissen lebten, keine Ausgabe zur Entwickelung ihrer geistigen Kräfte sparten und zu diesem Zwecke die bedeutendsten Lehrer brr Zeit herbesholten. Ihr Gehorsam gegen die Vorschriften ihrer Eltern, ihre Liede zu den Urhebern ihrer Tage entschädigten eben so sehr, wie ihre zufriedenstellenden Fortschritte ln ihren Studien, die Eltern reichlich für die gebrachten Opfer. Judith besaß nicht allein einen au<gebildeten Geist, sie war sogar hoch gebildet. Nichts destowenigec ist nur wenig von ihrer Kindheit und Jugmd bekannt. Ihre Geschichte beginnt erst mit ihrer Derheirakhung mit Mr., jetzt Sir Mose- Montefiore, die im Jahre 1812 starr fand. In der That, die glorreiche Geschichte des Sir Moseist auch die ihrige; denn die beiden waren von dem Tage ihrer Verbindung an unzertrennlich, dir der Tod bas Band, welchedie Galten umfing, zerriß. Die, welche ihr innige- Berhältniß kennen, tragen kein Bedenken, sie alseinen wohlthätigen Genius und aldie Urheberin alle der edlm Thaken und menschenfreuudlichen Missionen zu nennen, weiche seine berühmte Laufbahn auszeichneten, eben fo wie sie seine thätige Gehülfin und Theilnehmerin dabei war. Mit diesen Missionen können wir uns jedoch nicht näher besassm. Genug, sie begleitete ihren Gemahl auf feinen wiederholten Reifen nach dem heiligen Lande, Dama-tu-, St. Petersburg und Rom. Jetzt erntete sie die Vortheile der trefflichen Erziehung, die sie erhalten hatte — jetzt lebte sie tn der hohen Stellung, m die sie durch die edle Verwendung de- Vermögen-, mit weichem die Vorsehung ihren Gemahl beschenkt hatte, erhoben wurde, erfreut durch die allgemeine Hochachtung wegen der men-