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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 43 (1862) · p. Seite 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
43 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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170 i "" fünfzig Kameraden von jüdischer Abkunft auversch ebenen Regimentern zu gleicher Zeit zum Fahneneide vor »ereilet wurde. Er wußte nicht warum? aber sie wurb n auf Nachteilf Uhr zur Synagoge beordert, wo sie, von einem Oberosfizier uud mehrere» Unteroffizieren geführt, n danur schwach beleuchtete Heiligrhum eintraten, t» b sich vor der heiligen Lade aufstellten. Der Rabbiner, ei i noch kräftiger Greimit wallendem Silberbarte, trat (< ngsam ein, von einigen Gemeind,beamten begleitet, besi eg die Stufen zum heiligen Schrein, und hielt, wenn aud nicht in reinem Deutsch, doch autiefbewegtem Herzen eie e Ansprache, an die jungen Männer, in welcher er sie de chwor, alle ihre Kräfte und den letzten Tropfen Bluteim : Kampfe für da- Vaterland zu opfern, keine Gefahr zu f heu.n, keine Stapahe zu fürchten, in jeder Wunde einen Sieg, in jedem Schmerze einen Lohn Gotte« zu sehen, u rd dadurch da- Barerland wie dem Stamm, dem sie ang hören, zu verherrlichen. Dann, entband er sie mir ge odener Stimme aller Satzungen der Religion, so lange Waffen für .da- Vaterland trügen, niemaljebtch der Pflichten der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, die sie auch gegen den Feind zu üben hätten; niemals fol ren sie ihre Waffen mit dem Blute Unschuldiger oder um ‘ )ardon flehender Feinde beflecken, niemaldosen Gelüsten nachgeben, und den Uedermuth de- Siegerebenso wr Feigheit und Schwache im Kampfe fliehen. Und hierzu i rtbfilte er ihnen den priesterlichen Segen. Darauf zog bet Odrist seinen Degen, und indem sie Alle, im Kreise sich herumstellend, die Finger der rechten Hand nach diesem hms reckten, sprachen sie laut die Worte de- Eibeihm nach. Jetzt kamen sie sich wie geweiht zum bevorstehenden Kam »f« vor, und wußten sich unter dem besonderen Schutze d> r göttlichen Vorsehung. Nicht lange wahrte es, fo zog der Freiherr von Lützow alle seine St^ilkräfre^ zusammen, um seine dentw irbigen Streifzüge'bald in da- Innere von Schlesien, d Ud dlnach Mecklenburg und zur brandenden Küste der Ostsee hinauf zu beginnen, einzelne französische Deraschem ntzu überfallen, den Rücken de- Feindeunsicher zu machen hinter ihm daaufstehende Volk zu organisicen und d>! junge Mannschaft zu bewaffnen, die dem Feinde zugi führten Vorrarbe wegzunehmen ober zu zerstören; und unser Daniel Karte bald Gelegenheit genug, daerste Schlachtfeber zu bestehen und seine Waffenpcoben adzulegen. Er d wahrte sich überall; immer muthig voran, au-dauernd, w ezu stehen galt, und mit seinen Gefährten den letzten Bissen und den letzten Tmnk theüend, über keine € trapatze murrend, und durch gute Gesinnung und Heiter! etc j*u allgemeinen Aufmunterung beitragend. Oft freiliü mußte die Fußtruppe dahinter zurückdlcidcn, wenn der feurige Reiterfübrer zu schnell und zu weit voraneilre. Arer mit Ueberbierung aller Kraft« gelangte auch sie zur rech 'en Zeit immer auf dem Kampfplatze an, um an den imnz c neuen Lorbeeren theilzunehmen. Daniel wurde nach wenigen Monaten von den Offqieren ausgezeichnet und < vancirte nach einem blutigen Gefecht« an der Braunschwelge Grenze zum Unteroffizier. So glücklich ihn damachte, insbesondere um sich hin» zusetzen, eseiner Braut und seinen Ellern zu melden, noch dazu da er diesen Rang durch Bravour, n cht aber mir seinem Blute errungen hatte, denn der Gott bei Krieg,- sie die hatte ihm bijetzt immer beigestaoden, baß er mit wenigen Schrammen und Beulen davon gekommen, so wurde ihm dennoch seine Freude in Etwavergällt. Er hatte sich bei seinem Hauptmann al- Unteroffizier ordonnanzmäßig vorzustellen, und thar dienach Brauch uud Schick. Aler in da- Zelt desselben eintrat, fand er eine lustige Gesell, schafr von Offizieren um eine mächtige Bowle, unte» weichen sich auch Graf Robrich befand. Kaum hatte er sich bei dem Hauprmanne gemeldet, und stand in soldatischer Haltung vor diesem, der ihn herzlich beglückwünschte, ihm einige anerkennende Worte sprach, und Mahnungen hinzufügte: alS Rodrich herbeisprang und laut au-rief: „Wie konntet Ihr aber einen Juden zum Chargieren machen, und so christliche Soldaten einem Schacherer unterstellen?! WaS foUau« einem Corp« werden, wo diese Art Leute sich den Vorrang erschleichen, und dadurch nur Schande auf un« bringen?" Alle« schwieg wie erschrocken. ES mochte immerhin Einige unter den Herren geben, die gleicher»Mrinung waren; aber e« war doch mindesteneine Ungedundenheik ohne Gleichen, sich dermaßen radelnd über die Handlungen der Vorgesetzten zu äußern. Der Hauprmana hatte sich jedoch bald gefaßt und erwiderte mit nachdrücklichem und kaltem Tone: „Bei unserer Waffe frägt man nicht nach dem Glauben, sondern nach der Tapferkeit und Tüchtigkeit, die mitten im heißen Kampfe bewährt wird, und da siche ich dafür, ich, Hauplmann B., daß «S Manchem, der > durch feinen Rang zu einer höheren Stellung gelangt ist, { an den Fähigkeiten mangeln werde, die der Unteroffizier! Battersborj besitzt." Diesen Worten folgte eine noch! schärfere Pause; denn offenbar hatte der gereizte Haupl- ' mann Schwächen berühcr, welche der vvi laute Graf schon! wiederholt gezeigt hatte, der vor jedem Kampfe vom Ka- | nonenfieder befallen worden fein und sich dem Gefechte mehrcmale entzogen haben sollte. Der Hauptmana benutzte die Pau'c, um unsren Daniel zu enrlassen, und dieser i erfuhr nicht, ob ein weiterer Wortwechsel mit seinen Folgen J startgefunden. Doch gewahrte ec, daß di« Gesellschaft bald ^da« Zeit seine« Hauplmann« verließ, und draußen noch eine Debatte fortgeführt wurde. Ein« Lection mußte der Graf erhallen haben, denn bei mehrmaligen Begegnen blickte er den unschuldigen Sohn seine« Dorfemit vollem Grimme an, den Daniel mit Gleichgültigkeit erwiderte. Die Schlacht bei Leipzig war geschlagen; die Trümmer der französischen Heere ergossen sich nach Südwest, um bei Hanau einen nochmaligen schweren Kampf zu bestehen. Da- Lützowiche Corps' war den Verbündeten vocau-geeitr, und rückte in da- Bergifche Land ein, um eS von den in noch großen Schwärmen, durchziehenden Feinden, möglichst zu säubern. Bei einem Dorfe, daam Fuße eineallmälig ansteigenden Terrain« lag, stieß ein Delaschemenr auf einen übermächtigen Feind. Die Husar,» standen . nicht an, auf. den Feind einzudringen, und die Jager zu , Fuß eilten, ihnen nachzurücken und bei dem Dorfe Posto zu fassen, um den Reitern den Rücken zu beaeo. Der Feind wich Anfangzurück; bald aber sammelte er sich, erkannte die geringe Trupp«, die ihm gegenüderstaad, und stieß auf die Husaren mit solcher Kraft, daß diese sich nicht hatten konnten. Im Zurückweichen theillen sie sich, wichen zu beiden Seiten der Fußjager, um sich hinter ihaeo zu sammeln. Hier war e-, wo dicht vor der Fronte der

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