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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 43 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
43 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt L°r Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Heratl-gegebeu von Raddiner Sr. Ludwig PhUippsou in Bonn. lNo. 43. 1862.] Veu vieler Zeil><briir erjck«i»l wöLnUltch ein« N»»wer. Pretl de« Iahrg«ng< l Lhlr. Vieneksahrig 7 >x Rze. Alle V»chdanrt»«gea. Post1»icr »»v Aeir»,«er»edi»ö»e, »eh«e» tkftdiaia nu [9. Jahrg. 4. «Jaartal.] Der Freiheitskämpfer. Novelle. (Fortsetzung.) Erst nachdem bei Vater Salme, der erste Brief seines Sohneeingelaufen, beruhigren sich die Gemükher der Elter« und deholden Mädchenin etwa-; denn sie sahen doch nun, daß der Abschied nicht gerade den Verlust auf immer bedeutet habe, und cwaren ihnen daher diese ersten Zeilen seiner Hand wie die erste Bürgschaft seiner Wieder» kehr. Man ordnete daher nach und nach da- Leben auch in der Abwesenheit Daniel- und enäheren der traulichen Schwelle wieder Stunden der Ruhe, ja selbst der Feier. Dazu trug aber Rosa da- Meist« bei. Der Gedanke, sie vor Kurzem noch von sich gestoßen zu haben, lag den Alten jetzt schon so fern, daß sie sich seiner kaum mehr erinnerten. Sie war ihnen Tochter geworden in vollem Sinne, und da jener da- Glück, «ine solche zu besitzen, noch nicht gekannt, war ihr häu-liche- Leben davon wie von einem neuen Dufte durchweht, welchen die bescheidene Zärtlichkeit, die immer fürsorgliche Zuvorkommenheit, die Zartheit und Frische der Jugend verbreitete. Sie schlugen dem Mädchen sogar vor, mit ihrer Mutter einen Theil de- Hausezu beziehen; aber hierin gab sie selbst ihren wiederholten Bitten nicht nach, da sie von der Kränklichkeit ihrer Mutter Belästigungen der alten Leute fürchtete. Desto unumwundener nahm sie von ihnen Gaben der Liede an, in welchen Leah niemalermüdete, da sie bald keinen Bissen mehr verzehren konnte, ohne Rosa ihren Theil zu geben. Für Daniel war dies,- innige Verhälmiß, wie rihm aujedem Briefe der Seinigen ihm entgegenleuchtere, eine unschätzbare Befriedigung und Tröstung. Urber zehn Tage hatte er gebraucht, um theilzu Fuß, theilmit sich datdietenden Gelegenheiten nach Brr-» lau zu gelangen. Hier hatte sich ein unermeßliche- Leben entwickelt. Zu Fuß, zu Roß und zu Wagen strömten einzeln und in ganzen Schaarea junge und älter« Männer zu allen Thoren herein, um sich in da- Heer einreihen zu lassen. .Unaufhörlich wurden ungeheure Borrärh« an Waffen ua^ Munition aller Art, an Montiruag-stücken und Lagagewagen, an Borräthen für Mensch und Thier herdelgefchaffl. Alle Quartiere der Stadt lagen voll Rekruten und Soldaten, täglich wurden neue Eompagnien formlrt, und von Zeit zu Zelt Bataillone zum Hauprquartie« ad, geschickt. Der Au-zug einesolchen, in wenigen Wochen einexercwren Corps war jede- Mal ein Feiertag für bl« ganze zufamm,„gehäufte Bevölkerung, welchem anzuwohnen I Jung und Alt nicht müde wurden. Unter dem Blafm feuriger Märsche und dem Absingen patriotischer Lieder, die Flintenläuf« mit Blumen geschmückt, marschiru» die jungen Krieger zum Thor« hinaus, und di« Bürger ließen esich nicht nehmen, Gaden an Speise und Trank, ja selbst an Geld den Adziehenden zu reichen. Dle feurigste Begeisterung herrschte überall, unb bildete au- Allen auf einige Zelt eine einzige Familie. Ewar von vornherein die Absicht Danielgewesen, in die Lützow'sch« Freischaar zu treten, welche sich bereitgroßen Ruf erworben, und die auch in Bre-lau «in Werde, düreau hatte. Der Zufall wollte e-, daß auch Graf Ro» berich zu derselben Zeit daselbst eingetroffen war, um sich ebenfalls diesem Corpanzufchlkeßm. Man hieß den statt» lichen und kräftigen Jüngling vom höchsten und ältesten Adel de- Landefreudig willkommen. Dean sowie sein« hohe Geburt dem Corp- Ansehen zu verleihe» schien, so hielt man auch seine Körperkraft und Geschicklichkeit in der Waffenführung für vielversprechend, da der junge Mann sich bereitdurch mehrere Duelle alein muthigee Gesell« einen Ruf erworben hatte. Dagegen kostete eunsrem Daniel nicht wenige Mähe zugelassen zu werden. Denn da man bereitetwawählerisch geworden, so wollte man von der unansehnlichen Gestalt, von der scheinbar geringen Dauerkraft unsre- Helden nichtwissen, und nürn wies ihn vielmehr nach dem Train irgend eine- Regiment-. Nur erst den immer wiederholten Bitten und Beschwörungen dejungen Mannegab der Kapitain endlich nach, und stellte ihn zu einer Fußcompagaie de- Freicorp-, «ährend Graf Roderich al- Rittmeister unter die Husaren kam. Daniel opferte seine letzten Mittel, um sich angemessen zu equipirm unb zu bewaffnen. Ettaf sich auch, baß der hochgräfliche Rittmeister dem jüdischen Gemeinen, den er sehr wohl erkannt«, begegnete, Daniel machte die einem Offizier gegenüber vorg,schrieben,n Honneurs, und der-Rttt» meister schritt hohnlächelnd vorüber. Ader schon bei dem Epercttiuin zeigte esich, weß Geiste- Kind er sek. Er begriff alle Comaaadomir solcher Schnelligkeit, übte so unermüdlich alle Handgriffe sich eia, gewann eine Fertigklt und Sicherheit im Schießen und Fechten, war dabei j» pünktlich und gehorsam gegen feine Vorgesetzten, so freund» sich und dienstwillig gegen alle seine Kameraden, daß er sich die Liede und Achtung Aller erwarb, unb t»at dennoch dm» erstm Versuch«, ihn wegen seine-. Glaube»- zu ver, höhnen, so'kräftig entgegm, daß derselbe nicht wiederholt ward. Mit großer Erschütterung beschrieb er den Seine» die Fekerlkchkeit, mit welcher ek in Verbindung mit einige»

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