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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 42 (1862) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
42 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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167 na* Liesen Unterredungen erhielt Salme von seinem Sohne, der eines Geschäftes halber über Land gegangen war, einen Brief au- T., worin er ihm anzeigte, daß «r dem Drange seines Herzens nicht mehr Gewalt hätte anthun können, über die Grenze gegangen sei und sich nach T. begeben habe. Ec beschwor seine Eltern, ibm zu vergeben, und dem allgüligen Lenker der Geschicke zu vertrauen, ttx ihn glücklich zu ihnen zurückführen werbe. Auch zu Hause könne ihm, wenn Gott wollte, ein Leidegeschehen, und im Kriege Kugel und Schwert vor ihm vorüberfahren. Er werde vierunbzwanzig Stunden in T. warten, ob ihm seine Eltern etwas an Kleidungsstücken und Baarfchaft zukommen lassen wollten, dann werde er jedenfalls nach Bre-lau wandern, um sich einkleiden zu lassen. Zn dem Briese lag auch ein Schreiben an Rosa, der er ewige Treue gelobte,' indem er sie in Leben und Tod als sein unter dem Segen Gottes ikm verlobtes Weib ansehen werde. Er bar sie, sich seiner Eltern in ihrem Leide anzu» nehmen und ihnen eine treue Tochter zu sein. Dereinst werde er mir Gottes Hülfe zu ihr zurückkehren. und es solle die Aufgabe seines Lebens sein, ihr all' die Liebe und Treue reichlich zu vergelten.; Oie alten Eltern waren wie angedonnert; solchehatten sie sich von ihrem Sohne nicht v.rmuthet. Dem Schrecken folgte die Wehklage, und das Schreien und Heulen der alten Leah erfüllte das ganze Haus. Sie wunderte sich daher über dagefaßte Wesin Rosa'S, die einen solchen Schritt Daniel's voransgrsiden Kalte, und bei reichlichen Thränen Loch ruhig blieb, und den Eltern zusprach. Freilich waren ihr, Bitten. dem Sohne zu vergeben, anfangs fruchtlos, aber die tieft»,rletzren Eltern richteten sich doch allmäblig an der Kraft des Mädchens auf. Einige Stunden waren in Jammer und Schmer; vergangen, da war e» die alte Mutter zurrst, welche zu ihrem Manne trat und ihn fragte, was er nun zu thun gedenke. Salme antwortete kurz und barsch: Sie'möge dem Daniel seine Lumpen zusammenpacken, er woll? eine mäßige Summe, wie er sie besäße, beilegen, damöge sie ihm durch einen Boten nach T. schicken, und dann solle man ihm mir dem ungehorsamen Sohne nicht mehr kommen. Eine solche Antwort war gerade geeignet, der Leah ihre ganze Kraft und Würbe zurückzugedrn. „So i" rief sie mit etwas zorniger Geberde aus, „Du willst Deinen einzigen Sohn in seiner Bedrängniß verlassen. Was hat er denn gethan? Ist er etwa auf ein Vergnügen ober eine dösi Lust aus? Ist er nicht etwa wie ein Held, da er, von seinen Eltern zu schweigen, für dl, ec doch seine Liebe genugsam bewiesen, sein« Braut verlassen har, um sich den Flinten und Schwertern der Feinde gegenüber zu stellen- Gewiß hak es ihm Gott in das Her; gegeben, und da konnte er feilich nicht anders. Nein, mein Sohn soll nicht ohne wenigstens den mütterlichen Segen dahingehen. Ich will mich morgen früh aufmachen, und zu ihm eilen, und ihn noch einmal an mein Herz drücken, sei es auch ganz allein. Dann wird eS ihm leichter werden, in die blutige Schlacht zu gehen, wo Gott ihm seine schützenden Engel zur Seile senden wird/' Oie Greisin sprach diese letzteren Worte mit immer weicherem Tone, und leise, aber unaufhörlich rollten ihr die Thränen über die durchfurchten Wangen. Das ergriff mächtig alle Anwesenden, und man hörte «ine Zeitlang in dem Gemach nur das Schluchzen des Mädchen« und dealten DaterS, der es nicht mehr zurückhalten konnte. Nach kurzer Zeit fand denn unter den Dreien eine Beratbung statt, deren' Beschluß war. Saß der alte Salme einen Wagen auf den frühen Morgen besorgen solle, der sie alle Drei nach T. bringe, und daß die beiden Frauenzimmer sich alsbald an das Werk machten, um zusammenzupacken. was dem Daniel nöthig wäre. ''Dies war nun freilich für die Mutter eine schwere Aufgabe, denn sie nahm kein Stück der Wäsche und Kleidung ihres SohneS in die Hand, ohne Thränen darauf zu vergießen, und eine lange Apostroph« an Rola'zu richten, ihr die Geschichte jedes einzelnen erzählend, wobei ihr Mund von der Verherrlichung ihres- Sohnes üderfloß. Und dann die Auswahl zu treffen! Er sollte Nichts entbehren. Alles schien ihm zu seiner Bequemlichkeit nothwendig. So fand Salme bei seiner Rückkhr einen so großen Packen vor, daß 'ft' trotz seinem Kummer laut auflachen mußte. „Meinst Du denn, Mütterchen", sprach er, „daß Dein Sohn diesen Ballen auf den Schultrrn in'S Feld rücken soll? Oder daß man ihm einen Bagagewagen zu Gebote stellen wird?" Sie mußte es sich daher gefallen lassen, daß er eine Auswahl traf, die allerdings noch mehr als genug übrig ließ. Es war darüber spät geworben; aber Leah behielt Rosa dennoch bei sich zurück, und schickte ihren Mann fort. Dann brachte sie ein Stück wollenes Zeug hredei, schnitt eS zu. und Rosa mußte es nach der Form nähen.- ES sollte, ein Arba Kanfokh werden. . und in jede der vier Eckräfchchen nähere sie selbst einen Dukaten Hinei», Münzen, di, sie feitlangen Jahren sich! gespart hatte, und welche ihr Sokn alS letzkrs Hülfsmitte^ in dringendster Gefahr benutzen sollte. Dann wurden di, üblichen Schaufäben gewissenhaft hin,ingewunden und geknotet — und Rosa, es »Aii nach Mitternacht, zu einemkurzen Schlafe entlasse^ wenn sie ibn finden könnte. (Forts, folgt.) i Wanderungen durch l die Wüste nach dem Sinai. Lov Konstantin Tiilbeiidorf. (Fortsetzung.) Ohne längeren Aufenthalt eilt' ich weiter, und schon nach 2 Stunden halt' ich den Anfang des Wavi Eha, randel erreicht, wahrend dis zu seinerQuellenregivn noch eine ganze Stunde Wegs ist. Dort übernachtete ich, umrauscht von Palmen und Tamarisken. Sv oft ich dies reizend« Thal gesehen und durchwandert, es geschah auf dieser Reise zum und 0. Male, hatt' ich den vollen Eindruck davon, daß hier das Volk Israel noch „Elim" gekommen. „Da waren", heißt'« im 2. Buche Mosis (15, 27.), „zwölf Wafferdrunnen und 70 Palmdäume, und sie lagerten sich daselbst ans Wasser". Welch erquickenden Eindruck anacht das Charandelthal noch immer auf jeden, der die freudlose Strecke von Ayun Muss bis hierher zurückgelegt har. Ein paar Stunden weit dehnt sich das breite: Thal, bisweilen von Kalkwänden romantisch umschlössest, mit einer für die Wüste wahrhaft üppigen Vegetation von Rordost nach Südwest aus. Im Umkreise einer Stunde zählt« ich daselbst mehrere dreißig Palmen,

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