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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 42 (1862) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
42 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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166 rief fte, nachdem sie feine Hand krampfhaft gefaßt, „ich kann nichts Anderes kbun.als wa» Du willst. Dein din ich unter allen Umstanden und Verhältnissen; und wenn Du nicht anders kannst, als wie Du vorkast, so! muß ich mich darein ergeben . . . Ich gestehe, daß ich Deine Ge-! fühle nickt ganz begreife; Du wirst eS einem schwachen Mädchenherzen verzeihen, wenn eS glaubt. Du sollest Later.' Mutter-und Braut, dir alle drei nur Dick, nuo Dich in der ganzen Gotteswelt besitzen, nicht verlassen, nutzt dahin gehen, wo daS schrecklichste Geschick Dich und uni so leicht treffen könnte — aber weil ich fühle, daß ich Dich nicht; ganz verstehe, weiß ich doch, daß ich Dich nicht hindern dürfe in dem, waS Du für Deine Pflicht hallst, was : allein Dich beruhigen vnd befriedigen kann. Dann ist eS der Wjlle Gottes, un'er Schicksal. und wer könnte sich dem entziehen i!" Daniel schwieg eine Zeit lang; dann fuhr ed auf, riß das Mädchen an feine Brust, drückte sie inn« an fick, und rief aus- „Alto Du willigst ein! Du bist mein! Habe Vertrauen, Rosa, der Gott, der un« verssnigr har. der wird uns nickt auf immer trennen; der Dckne Eltern nach diesem fernen Dorfe geführt, damit Du mein Glück und mein Heil werdest, er wird mich auch zu Dir zurück-! führen, um unS um so glücklicher zu macken!"! Die beiden jungen?eme blieben noch lange Zusammen. Sie Kalten sich so viel zu sagen, fo viel zu verUckern; die Jugend mit ihrem lcickren Sinn l,.ß sie die nächste Zukunft vergessen, und sich nur dem Glücke der Stunde überlassen. Endlich stand Daniel aus und sagten „Komm. Rosa^ ich vergesse, daß meine Eltern uns enrhmn; zuvor aber laß' uns zu Deiner Mutter gehen, um ihr unser Glück zu verkünden, und ihren Segen zu erhalten/' Wir wollen die nachfolgenden Sccnen nickt schildern. Leise war Rosa in die Stube getreten, und batte ihrer Mutter, die sie bereits wieder erwacht fand, van der Veränderung in dem Willen Salme'S und Least'« Kui e gegeben. ' D«e alte Frau harte viel geschluchzt und a. veinr, . hatte Daniel ihren lieben, gebenschten Sohn gekannt; dann nahm Rosa ihr dürftiges Mäntelchen um, und de- : gleitete nicht ohne Bangen im Herzen Daniel nach dem ' Haufe seiner Eltern. Ader ihr Empfang daselbst war ein sehr freundlicher, ja liebevoller, denn die Eltwn sahen in Rosa daS Unterpfand, daß sie ihren Sohn bei mich behalten würden, und dieser schien zu beglückt, sie erkannten ihn in feiner Freude und Zärtlichkeit kaum wieder, al« daß sie sich : nicht in diesem Vertrauen gestärkt hatten. Jetzt erst detrachtete Leah ihre zukünftige Schwiegertochter! näher, und fand sie so stattlich, so schön, daß sie sich heimlich gestand, ihr Sohn habe ganz Recht gehabt, und sie rvsrde sich doch etwas auf eine so hübsche Schwiegertochter zu Gute thun dürfen. Im weiteren Gespräch fand sie das iMäbchen so gescheidt, so bewandert in der Haushaltung, un» doch wieder so bescheiden und voll kindlicher Demuth, daß eS ihr vortfam, alS hätte sie niemals Rem zu Vieser Bnbindung ge- , sagt, und beschloß immer aus Seite.der Krau zu stehen, wcnn/die Männer einmal unwirsch sein wurden. Zum nächsten Abend wurde die Leier der Verlobung beschlossen, und zwar mir all' dem Glanze, der in einem wichen Dorfe . und in damaliger Zeit bei solchen Festlichkeitew üblich war. DaS Glück der Tochter hatte ihre kranke Mutter gesund ' gemacht, so daß sie im Staude war, gekleidet in das ver» < schossene, aber doch einst ansehnliche Saddachkleib, welches sie aus allen Trümmern und Trübsalen herübergerettet kaue, dem Feste beiwohnen konnte. Freilich fühlte die alte Krau einen Stich im Herzen, als die Mutter deS Bräutigams der Braut ein feine- Geschenk m einer allen, aber wcrlhvolken goldenen Kette dardrackte, während sie dem Bräutigam nichtals das Wort ihre- Glückwunsches, freilich von vielen Tkränen begleitet, bringen konnte. Aber die fröhliche Laune, die in dem kleinen «reise herrschte, glich bald Alleau», und alS Ver „Lehrer", wie eS üblich, die Untertasse auf den Boden schmetterte, daß sie in tausend Stücke zersplitterte, stieg in den kummecgewohnren Herzen der alten Dulderin die Hoffnung auf, daß auch für sie die Zeit des Darbens und des Mangels vorüber sei und ein sorgenloserer-Lebensabend sie erwarte. Einige Wock.n vergingen. In unsrem Kreise war e» ruhig geworden, und schien im allen Gelckse forrzuwandeln. Indeß batten sich die folgenschweren Ereignisse gehäuft. Preußen hakte den Krieg erklärt, und selbst die Offensive schon ergriffen. Reue französische Regimenter kamen über den Rhein gezogen, und Napoleon schien wie mit einem Zauber die ungeheuren Lücken seiner Heere auSjufüllen. Er hatte aber zu diesem Zwecke alle kleinen, durch die von ihm beherrschten Lander zerstreuten CorpS und DetaschemenkS zulammengezogen, so daß die Landschaften vom Militär ganz frei waren, und nur in den Kettungen Besatzungen zurückgeblieben waren. Sckaaren von jungen Leuten aus dem ehemals preußischen, jetzt westphälischen Provinzen waren über die Grenzen gegangen, um zu den preußischen Fahnen zu eilen. An einem Saboachnachmittage lrar Daniel in das Zimmer zu seinem Later ein, der damit beschäftigt war, die «ndra in der alten aramäischen Ueberseyung-(Targum) zu lesen, von der er freilich kein Sterbenswörtchen verstand. Der Sohn sprach nun noch einmal seinen Daker um die Erlaubnis an. ebenfalls in die Freiwilligen einzutrecen. Der alle Salme wiederholte in kurzen aber strengen Worten, daß ec dies nicht zugeden werde und mahnke ihn an die doppelte Pflicht, die er alS verlobter Bräutigam jetzt auf sich habe. Alle Einwendungen deS Sohne» halfen zu nicht».' Oec bekümmerte Jüngling ging zu Rosa, und schüttele ihr fein Her; au». Wir wollen es aber unfern Lesern nicht verschweigen, daß Rosa durchaus nicht so heroisch gesinnt war, wie sie e» sich vielleicht denken. Sie war leider erprobt, und Gottvertrauend , um selbst d<n härtesten Schlag des Schicksalgefaßt zu ertragen. Aber für Freiheit und Vaterland schwärmte sie nicht im Geringsten. Sie redete daher ihrem Geliebten doch zu, den Plan aufzugeben, und sich seinen Sohnespflichten und ihrem Glücke zu widmen, und manche unfreiwillig« Thräne floß dabei, ohne daß sie freilich feinem Willen sich hartnäckig widersetzen wollte. Diese Art rührte ihn allerdings am meisten, und hätte seinen Entschluß am ehesten gebrochen, wenn dies bei ihm nur möglich gewesen. Er gehörte aber zu jenen Naturen, in welchen ein einmal gefaßter Gedanke so mit ihrem ganzen Seidst verwächst, daß sie sich nicht mehr von ihm loSlöi'en kcmnen. 'Damit wir eS nur kurz vermeiden, am zweiten Tag«

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