Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 42 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur ,! -BeleOmiMI-iinfi Jlnterfjnftiing aus jiiknschem ^flcölicte. * Herau-gegeben von Rabbiner vr. Ludwig PhUiPPson in Bonn. lNo. 42. 1862.] Von dieser -jeiULriil «riirtnt rcöcheollich eine Nummer. Preis de« Jabrüaug» 1 Tvlr. Bierreljadrin 7 '4 Ngr. Alle SuLbandluuä«». Poftämier und ZeiwngSrxpcritiöueu uehmea Bestellungen an. [9. Jahrg. 4. Quartal.] Der Freiheitskämpfer. Novelle. (Fortsetzung.) Unter den Einwirkungen dieses herrlichen Abends offneren sich die hangen jungen Herzen um so mehr und wandten sich einander zu. Nach einigem Zögern ergriff Daniel abermals Rosas Hand, und diesmal wurde sie ihm nicht entzogen. „Rosa", sprach er mit sanftem Tone, „liebst Du mich noch i" ' „Und wie sollte ich nicht!" lautete die Antwort, j „Daß Du dem Gebote Deiner Eltern gehorchtest, und von mir ließest, das konnte ich nur für recht finden. Aber daß die GefiiKle Deines Herzens dieselben seien, empfand ich in meinem eignen. Diese stehen nicht unter dem Bej fehle der Eltern, und sie zu ändern steht weder in unserer | Macht, noch in unsirer Pflicht. Ich kannte Dich, und | war beruhigt." „Also dachtest Du mein immerfort, süßeS, lheures Mädchens" fuhr er fort zu fragen, und durch feine Stimme tönte das ganze Wonnegefühl seiner Seele. „So weit es mir die Geschäfte des TaqeS und der Schlummer der Nacht, und beide nehmen mich sehr in Anspruch, mir gestarteten, sicherlich", erwiderte Vas Mädchen lächelnd. „Zwar gingest Du selten genug hier vor-* über, und schienest, wenn Du bit Gaffe passirtest, gar zu viel an den Hütten gegenüber zu bemerken zu haben — aber geh nur, dachte ich, und blick' wohin Du willst, ich weiß doch^ wohin das Auge Deiner Seele schauet; gell, ich habe mich nicht geirrt . . . Doch wie spreche ich", fuhr sie ernster fort ,,had' ich denn bas Recht, so zu sprechen?... sage lieber, Daniel, was bedeutet dein Kommend Und von dem Antlitz des Mädchens war das Lächeln wieder verschwunden, und sie schien in den Ernst der Gegenwart zurückgekehrt. „Ja, Rosa", Hub Daniel an, „mein Kommen muß Dir Etwas zu bedeuten scheinen, und doch wird es mir -sehr schwer, es Dir mitzurheilen. Es giedt Menschen, theure Rosa, denen im Leven Alles schwer wird, und die, wenn sie das höchste Glück erlangen, dasselbe dennoch mit Wer- > muth umgeben finden, das Süßeste wird ihnen vom Ge-! schick in Bitteres getaucht." I „Du erschreckst mich, Daniel, was ist geschehen? was hast Du mir mirzutheilen? und wozu diese Einleitung?" | „Wohlan, Rosa, ich will es kmß aussprechen Meine ' Eltern haben in unsre Heirath gewilligt, ich aber muß | fort in den Krieg, muß mich LNter die Freiwilligen stellen, die in den Kampf für Freiheit und Vaterland zischen. —:—" ' Rosa erbleichte. „Wie? was ist das? Ich verstehe Dich nicht, erkläre mir . . „Seit Wochen, theure Rosa, trage ich den Entschluß in mir mit hemm, nicht müsstg zu bleiben bet dem großen Kampfe, der jetzt gegen die Franzosen, unsre Unterdrücker,^ anhedk. Gott selbst hat die Uebermülhigen in den Staub geworfen. Gott selbst har seinen Engel der Vorsehung in die große Posaune stoßen lassen, um die Völker aufzumfen, sich zu erheben, uno ihrer Äeimarb Freiheit wieder zu erringen. Alle Jünglinge, alle kräftigen Männer strömen zu den Fahnen, folgen dem Aufrufe unsres angestammten Königs — und ich sollte in unsrem Dorfe bleiben,'dem Schächer nachgehen, ein Hohn für mich selbst, ein Hohn für alle Juden, ein Hohn für Alles, was mich umgiebt! — Nun, geliebte Rosa, ich fühle, ich kann picht anders. Du bist mein höchstes Gut, Dich die Meine zü nennen, ist meine ganze Seligkeit — und dennoch Dich zu verlassen. Dich wenigstens dis der Sieg errungen ist zu verlassen, scheint mir eine Nothwendigkeit, der ich mich nicht entziehen kann, bik mein Opfer desto größer und heiliger macht, aber es desto gebieterischer heischt. Ich fühle, Du könntest mich nicht achckn, ich müßte in Deinen Augenj allen Werth verlieren, wenn! ich jetzt glücklich fein wollte, jetzt die höchste Wonne genießest wollte, wo Alle«, was uns cheuec ist, in Kampf und Gefahr steht. Wir könnten n^cht glücklich sein, weil wir Leig und verrätherisch wären 1 4- Nun, geliebte Rosa, miine Eitern, wollen mir nicht gehakten, mich den Bertheidigern des Vaterlandes einzureihen, und um Mich hier zu ^fesseln, haben sie in unsre Verbindung eingewllligt. Du sollst mein sein, Rosa, ich soll Dich zu ihnen dringen, sie wollen uns segnen. Ich habe es meinem Barer gleich gesagt, daß mich dies nicht abhalten werde, forrzugehen; dennoch blieb, er bei seinem Entschlüsse. Jetzt, Rosa, liegt die Sache in Dein» Hand. Ich bin gekommen. Dich zu fragen, ob Du noch .gewillt bist, die Meine, zu werden, auch wenn mein Entschluß, unter die Freiwilligen zu gehen, unwiderruflich in mir feststeht... Siehst Du, bas ist der Mermuth, der sich um di« Ro<ea unsres Glückes windet." Da- Mädchen' halte den Morten des jungen ManneS emst gelauscht; vielfache Empfindungen hatten sich wechselnd auf ihrem Angesicht verralhen, sie athmere schwer, und ihre rechte Hand ruhte auf der Stelle ihres Herzen». Nachdem er geendet, verbrachte sie noch einige Augenblick» in tiefem Nachdenken; dann sank ihr Haupt' erdleichefid an seine. Schulter, und Thranen entrollten ihren-Augen > „Daniel",