Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 41 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999374-6026516--2260-4910656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
werisstande an, fhre Zahl Ibelaufr sich auf 850, nur wenige besinn Weingarten und Fabrikm. Der Streit zwischen Radbine und Gemeind^ in dieser Sttwk ist so unerquicklich, daß-wir ihn am liebsten mit Stillschweigen übergehen möchten, doch können wir aus dieser Gemeinde, in der wir einige Tage so verguügt ge» weil^, nicht scheiden, ohne sowohl der Gemeinde, als auch ihre» Rabbi Jos. Meiß einen Frieden zu wünschen, der un«. doch allen, wollen wir unser Tägewerk zum Heile der Menschheit vollenden, so nokhwendig ist. i Wanderungen durch die Wüste nach Äcm Sinai. Bon Konstantin Tischendorf'). Unsere Leser werden mit Vergnügen die folgende Relsefchilderung entgegen nehmen, welche so viele interesiante Punkte und Fragen aus dem Zuge der Israeliten vom Schilsmeere nach dem heiligen Berge der Gesetzgebung berührt. Wir haben uns übrigens gefreut, die meisten Ergebniffe des gründlichen Forschers mit den Angaben und Schilderungen in unserem großen Bibelwerke zu 2. B. M. AK. 12—20 in Uebereinstimmung zu finden. Der Reisende war von Kairo dis Suez auf der Eisenbahn gefahren, und von letzterem Orte aus begann feine Wüstenwanderung. Die Sonne sank als wir AyunMufa erreichten, dasich mit seinen Palmen, .Tamarisken und Nebekbäumm für's Auge des Ankömmlings wie «in schmaler grüner Waldstreifen vom bleichen Wüstensande lieblich adgrenzte. Den Namen „MosiS Quellen'^ führt diese durch mehrere hübsche Gartenanlagen neuerdings angebaute Oertlichkeit von den im Sande in engem Umkreise zahlreich aufgegrabenen und leicht noch vermehrbaren Quellen, deren Wasser wohl größtenrheils einen starken Beigeschmack von Schwefelleber hat, dennoch aus den besseren Quellen Kamelen und Beduinen vortrefflich mundet. Die Tradition hat also diese Quellen mit Mose in Verbindung gebracht. Dieselbe Statte mag es in der That gewesen sein, wo er mit seinem wunderbar aus der Feinde Arm und auder Fluchen Gefahr geretteten Volke einen Halt gemacht vor der langen Wüstenreise, und mit begeisterten Lippen jenen Dank- und Freudenspalm (2. Mos. IS) angestimmt über „die herrliche That deS Herm", „des rechten KrlegSmannes", „der Roß und Wagen in-Meer gestürzt".*) Daunser- 1) Aus bissen neuestem Werke: Aus dem heiligen Lande; Leipzig 1862. Wir übergehen alle diejenigen Stellen, die für unser» Zweck kein Interesse haben. 2) Man hat fich in neuerer Zeit viel mit Beantwortung der Frage beschäftigt, au welcher Stelle das Bolk Israel das rvthe Meer dnrchschrmen haben möchte. Es hangen damit zwei andere Fragen genau zusamme-r: die Bestimmung der Lage von Ramse». dem Ausgangspunkte des Zuges, und die der Wegerichtung des ausziebendeo Volk» von Ramses bis aas Meer. -Die Antwort, die ich 'aus diese drei Fragen zu geben versacht, zuerst 1845 in meiner Reisebeschreibung, sodann in einer besonderen Schrift (,,1)8 Israelitarum per m&re rubrum traueitu“, Leipzig 1847) würde ich, gegenüber anderen üblichen Auffassungen, der Hauptsache nach noch unmer für die wahrscheinlichste erklären wenn nicht die Resultate der neuesten Lgyptologischeu Forschungen (von LepstuS und Bursch; siehe besonders des Letzteren „die 9c« ographie des alten Aegyptens", S. 265 sgy gegen die Zusammengänzliche GedLchtniß dieser großen That Gon«s gibt denn auch jeder neuen Wanderung nach dem'Sinai die erste Weihe, und das Bewußtsein, baß wir nach wehr als drei Jahrtausenden jenem merkwürdigen und fl lgenschwerea Wanberzuge, so sichtlich gelenkt von der Hand des Herrn, nächzuqehen im Stand« sind, ist nicht die geringste Verherrlichung unserer eigenen Reise. Meine Beduinen, denen ohne Zweifel andere Gedanken näher lagen und auch viel wichtiger waren, versorgten sowohl sich al< ihre Kameele reichlich mit dem bi sten Wasser der Mosisquellen. Früher geschah dasselbe auc» von mir; dies Mal aber begleiteten mich als kostbares 3i eisegut zwei Fässer Nilwasser, das die neue Eisenbahn Losta'stVoe-' räthrn zugeführt. < AlS mir Costa'- Gärtner, zugleich Hüter seiner Besitzung, noch-einen prächtigen duftigen Strai iß hundertblättriger Rosen am Morgen de- 25. Janu re aus der Gartenflora von Ayun Musa gereicht harre, saß auf stelluug von Ramses und Heliopoli's Zeugnitz ablegten. Auch die neulichst von- Gust. Unruh gegebene Darstellung scheint mit ihrer wesentlichen Terraiasveranderung nicht ganz unberechtigt ,zn sein; nur steht neben dem Berechtigten des Bedinklichen sehr vieles. Gerade der Durchgang durch'» Meer gewinnt dabei eine sehr mißliche Fon»; nicht weil Ebb« und Flnrh den Dienst de« göttlichen Wunders treten, denn hierzu nölhigt nnft der heiligt Text selbst („der Herr ließ das Meer hinweg fahren durch einen starken Ostwind die ganze Nacht" 2. Mos. 14, 21): wol aber wird der von zwei Meeresarmen gleich einer l öackgaffe fast nur/ aus georgischen Schlußfolgerungen gebildete W nkel, rn den da« fiiehende Boss geraih. nicht ohne Willkür angetommea und zu solcher Bedeutung erhoben. So berechtigt diejL-Nnd die wichtigsten andern geologischen Folgerungen im Allgemeinen sein mögen, so führen sie doch schwerlich auf ein für hie ägyptische Geschichte sojunges -Zeitalter wie das 14- Jahrs, vor Ehrzurück. I - Auch nach dieser neuen Ansicht bildet übrigen- Ayun Musa den Ausgangspunkt für die weitere Wüsteureise zumj Sinai. Es bildet ihn ebenfalls für diejenigen, welche gerade dyn, wo das Meer eine Breite von 6 Stunden bat, den Uebergang Israels avnehmen. Wäre diese Annahme richtig, fo hätte in Mosaischen Berichte wol der Ausspruch stehen können: der Herr versetzte sein Bolk durch seinen wundermächrigen Finger von! einem User aufs andere, aber nicht die Angabe, daß starker Ostwind durch nächtliches Wehen den Weg nockeo gelegt, so daß! ihn um die Morgenwache das große Heer glücklich überschritten l atte. Bon den oben erwähnten neuesten ägyptologischen Forschungen ist gewiß das eins der intereflanteften Resultate, daß mit großer Wahrscheinlichkeit Menephthes I. (1341—1321 vor <5)(.), wol zu Memphis refidirend, als derjenige «scheint, unter tv lchem Mose den mit Pharao'« Untergang — 1321 — verbünde >ien Auszug bewerkstelligte. Der aus den Monumenlolinschriften fl ch ergebende Lod des Thronfolgers Mernephtah stimmt aufs Uel errascheudst« mit der heiligen Erzählung. („Und zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Aegyptenland, von dem «Pen Sohne Pharao'« an, der aus seinem Stuhle saß" re.) Allirdiugs Mt auf diese Weise der Auszug etwa um hundert Jahre spater als nach der gewöhnlichen Annahme. Allein die Thalsache scheint unwiderleglich sestznsteheu, daß der den Israeliten an erlegte Fes« rnogsbau von Pirhom und Ramses nur dem Bater '« genannten Menephthes, b. h. Ramses dem Großen <1407—1341 vor Ehr.) zugeschriebeu. werden kann. Bgl. Brugsch: Hiirtoire <TEsjpte etc. P. I. 8. 175 sg und desselben „Geographie de« alte» Aegyptens" an der. schon angeführten Strlle.*) ' *) So verlockend dieses Faktum sein mag, so dark doch nicht übersehen werden, daß die Bestimmte Angabe der Schrift, Salomo habe de» Tempel gebaut, 480 Jahre nach deß» Auszüge aus Aegypten, diese Verlegung des Auszuges ans da» Jahr 1321 vor der ge«. Zeitr. durchaus nicht zuläßt. ' Die Redaktion.