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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 41 (1862) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
41 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 AlS im Magyarenlande die magyarische Sprache sich die 2höre der Städtesprengte, wollte sie au h in die Synagoge der Frommen dringen, doch vergebens Wenn schon das Hochdeutsche verpönt, so ist doch das M rgyarische bei unseren Chasstdim noch verhaßter und wirb »ich wohl der Heilige in seinem polnisch-deutschen Accett, aber niemals in einer -reinen, und sei eS in welche: Sprache immer anrrden. Als darum beim Frommen in Liszka einige junge Frauen aus Nyregyhäz, einem rei r magya«! rischen Marktflecken, einkehclen, ging alles, da der Dolmetscher abwesend, in stillen Pankominen vor sich >nd wären wir nicht Augenzeuge gewesen, daß der Heilige das ihm überreichte Geld nicht durch die dlose Hand, rwhl aber durch das Tuch nahm, um so nicht, die Hand dw jungen; Schönen zu berühren, wir würben es nimmer g auden. j Von Liszka begaben wir uns nach Tokay, durch die | herrlichsten Weingarten der lieblichen weltberühm en Hegy-! alja. Wenn es für uns schon ein Genuß ist a e Stande! unter unserem Volke dahier vertreten zu sehen, so pocht doch bei dem Gedanken unser Herz freudig au , daß es! insbesondere die Agrikultur ist, die in dieser < legend.die! Israeliten jo gerne und so emsig pflegen. Nicd S ist ibm! zu hart, wozu der Sohn unseres Stammes it dieser so 1 lieblichen Landschaft greift. Dort siehst du ei len Fuhrmann, der die Pferde auf dem schlechten Weg: mühsam I treibt, eS ist ein Sohn Judas, der allwöchentlich nach Tokay fährt, um die per Eisenbahn dahin gelan sien Güter! in diese oder jene Stadt zu führen; dort treibt :m junges I Bürschleln im staatlichen Costüm die trägen 4!laven zur! Arbeit an, es ist der jüdische Wirthschaster des 8utes, der j Alles in pünktlichster Ordnung führt. Hier eilt ei i schmucker Sohn des Ostens an dir vorüber, sein stolzes etn as herausforderndes Benehmen sagt es dir bald, daß du einen Magyaren vor dir hast, der sich in daS Galhaus zum Juden begiebt, um sein Mahl daselbst zu neh nen. Die noch immer vemachlässigte Straße will es, daß inser Fuhrmann ein Rad zerbricht und wieder will eS der Zufall, daß ein jüdischer Schmiedegeselle dasselbe repar rt und die nöthigen Vorrichtungen aus TolcSva bringt. Es ist ein lieber Dörflern, dieses Tolcsva, inmitten zwisi >en Weinbergen gelegen, an deren BebauustH unser Vo k nicht geringen Aatheis nimmt. Wenn Schule und S ynagoge in dieser 'sonst recht lieben Gemeinde daniederlieg« a, so darf es dich mein freundlicher Leser nicht wundern, »«findest du dich doch noch immer nur einige Schritte v »m heiligen Liszkaer, der einem jeden Fortschritte abhold un> genugsam erbittert ist, daß die 3 Ellen lange Leidzedak l und lxjt Ellen langen Ziges, wie er sie für seine Gem inde eigens anfertigen ließ, nicht auch in Tolcsva eingefü rt wurden. Unser Weg führt uns durch die üppigste Kl »ra unseres Vaterlandes und wenn wir auch hie und da I ei dem Gedanken, was mag bei dem grellen Auftreten de Chassidismus aus der Bildung dieser Gegend einstens n erden, wehmüthig einherschritten, so machte uns'doch! »ieder dieser oder jener Wagen, welcher rasche« Schrittes ai: uns vor» übereilte und Grüße von jüdischen Gutspächte n, größtentheils gewesenen Schülem, uns brachte, recht ergnügt. Bald hatten wir Mid erreicht, welches X örflein vorzügliche Weinberge besitzt, die wegen ihrer Gül r alljährlich von polnischen und preußischen Kaofleuten r ährend der Weinlese besucht werden. Die Israeliten in Mtd leben größrenrheilS dem Weinbau und befindet sich ein Theil derselben Weingeschafre wegen Jahr ein Jahr aus in Warschau. I Don Msd fuhren wir mehr in einem Kessel durch die schönsten Weingebirge nach Tokay, woselbst in 6 verschiedenen Gotteshäusern die verschiedenen Conflefsionen in brüderlicher. Eintracht neben einander wohnen.i Obwohl die Gemeinde mehr einen ascbkenasiscben als polnischen Charakter hat, so ist dennoch der Michag in der Hauptsynagoge sephardisch. Durch die Eisenbahn hat das Städtchen an Lebhaftigkeit gewonnen, und wenn auch mehr im Aeußeren der Chassidismus gewichen ist, so läßt sich doch der Einfluß, den die Bahn auf die jüdische Bevölkerung gemacht hat, nicht verkennen. Gegen Nachmittag setzten wir unsere Reise npch Miskolc; fort und wenn wir auch in möglichst kurzer Zeit unserem Bestimmungsort zugeführt wurden, so warm wir doch des Vergnügens beraubt, diese so herrliche Gegend genauer zu betrachten. Wir befinden unS in Miskolcz, in einer der größten Handelsstädte Ungarns, in welcher mehr als 4000 Juden wohnen. Der neue Tempel im Stile des Pester CultustempelS gebaut gehör« zu den schönsten Ungarns. Mit der Hauptschule ist «ine Mädchenschule verbunden, an welcher recht tüchtige Kräfte wirken. Der Rabbi der Stadt, ein Mähre von Geburt, gehört zu den ältesten Ungarns und gehören zwei seiner Söhne und'zwei feiner Schwiegersöhne feinem Stande an. Bon Miskolcz machen wir einen Abstecher nach Mezö-Kövesd, eiyem recht lebhaften Marktflecken, Hessen jüdische Bewohner für die Er- Ziehung ihrer Jtinbec nicht geringe Opfer bringen. Don hier setzen wir unsere Reise nach Erlan fort. Wir berühren die herrlichsten Weingebicge, die anmulhigsten Felder und noch nie begegnete unseren Blicken eine elegantere Stabt als Erlau, der Begräbnißort. des deutschen Dichters Pyrkers. Die reizend gelegenen Obst- und Weingärten, die vielen Paläste und stattlichen Kirchen und Ca, pellen verleihen dem Städtchen einen besonderen Reiz. Der rothe Erlauerwein ist als Tischwein als der beste Im Ungarlande geschätzt und da gerade Weinlese hatten wir Gelegenheit unter dem Gesang der reizendsten Volkslieder dem Weinlefefest deizuwohnen. DaS Erlauer Winzerfest gehört zu den hervorragendsten deS Landes. Die wilde Aigeunermusik auf einem der Berge ausgeführt von jenen Natursöhnen, deren Munterkeit wir schon so oft bewundert, die herrlichsten Narionaltänze, die unS der Magyare in seiner liebenswürdigen Einfachheit vorführte, machte uns allen Ernst des Lebens vergessen und wenn auch im Laufe des Jahres uns so mancher Verdruß des SchullebenS die Schwierigkeiten unseres Berufes doppelt empfinden ließ, so wollte doch in dieser alten schönen erzbischöflichen Stadt kein mißmuthiger Ton in uns aufsteigen. / Die jüdischen Zustände dieser Stadt gleiche« jedoch nicht im entferntesten der Romantik der NaM; und obwohl die Gemeinde erst 10 Jahre alt ist, wurde sie doch schon so oft von innerem Zwiespalt heimgefucht. Durch solch eine Zerrüttung war es denn der Gemeind« auch nicht möglich Grundeigenthum zu erwerbeq, obwohl ihre Syflagoge nett, wenn auch nicht tn einem freundlichen Stadttheil aufgebaut ist. Die Israeliten Eelau's gehörm größkentheils dem Handels- und Hand-

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