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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 41 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
41 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Zur l . .Belefirung iinö Unterhaltung aus jiMscliem $eöifelp. HerauSgegebeu von | Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. I Mo. 41. 1862.] Boa bitte» Z«it1 «drill erilteiill wotbevNich «i« Nummcr. Preis »et Iabr» gang« 1 Zfclr. -iierretjahng 7 '4 Rgr. Alle BudibunMan^fn, Postämter uab ZeiMNgservebirioue» nehmen vestevungea an.; [9. Jahrg. 4. Bilder am Ungarn. Bon I. I. Rofe«meyer in S. A. Ujhely. III. i) Die freundlichen Herbstferien mahnen uns auch in diesem Jahre, unsere Kreuz- und Querzüge in dem so gesegneten Magyarenlande fortzusitzen und wenn wir auch bereits auf unserer Wanderung in der Residenz des Heiligen in Liszka angelangt sind, so glauben wir doch entschuldigt zu sein. wenn wir ausnahmsweise noch einige Augenblicke an unserem Heimathsorle S. A. Ujhrly in der Hauptstadt der Zempliner Gespannschafr verweilen. Nachdem wohl so mancher meiner freundlichen Leser verschiedenen Versammlungen deigewohnt haben mag, wohl aber noch nie einer DorstandSwahl, irt welcher größtentheils Chafsidim die Wahl leiteten, so dürfte es nicht uninteressant sein, bevor wir den Empfangsaal beim Heiligen in Lisjka betreten, diesen Versammlungsort zu besuchen. Wir befinden unS in dem Schulgebäude S. A. Ujhelys, woselbst sämmtliche Parteien der Gemeinde vertreten ' sind, di« heute kamen einen Vorsteher zu wählen. Manche abenteuerliche Gestalt in Bekeschel und Stramel hat sich an der Ecke des Zimmers niedergelassen, klatscht und tobt nach Herzenslust bei dem Nennen eines Candidaten, den er vorzuschlazen für gut befindet, pfeift und stampft aber bei dem Namen des unliebsamen FortschrittSmannes, und , so wird ein Vorsteher gewählt, der, wen» auch nicht Chas, sid, doch chasstdischkn Grundsätzen treu zU sein gelobt, und sowohl in Synagoge und Schule, als im Gemeindeleben überhaupt jeden Fortschritt entsagt'). Bon den 25000 Juden der Zemplmer Gespannschaft gehört wohl nur ein kleiner Tkeil dem eigentlichen Chassidismus an, doch macht dahier der Chassidismus solch riesenhaft« Fortschritte, daß es bald dahin kommen wird, daß diese Secte alle Städte deS Gebirges überschwemmen wird; und ist es wahrlich kein güdstiges Zeichen, wenn in S. Ä. Ujhely die chafsidische Gemeinde, die bis zum Jahre 1840, trotz des damaligen großen Rebben daselbst, kaum 30 chassidische Familien ziähkte, heute in seinen Mauern 00 chassidische Familien beherbergt. 1) Siehe No. 34, 39. 40. 41 dieser Blätter. Jahrbuch 1861. 2» Die Ehasstdim haben sich jedoch bitter getauscht, indem der gegenwailigr Vorstand daS Schulwesen fördert und einer ihrer eifrigsten Gegner ist. Der chassidische Rebb« des Gebirges in Liszkel ist zwar kein Freund der. raddinisch orthodoxen Juden, da ihm die meisten seiner Gaben von Nichrorthodoxen werben, doch auf Anrathen deS Heiligen in Saft; (in Polen) hält er es für Pflicht, den Rabbi in S. A, Ujhely zu besuchen und in Angelegenheit des im Jahre der Welt ^622 gewordenen Fluches der Aschkmasim von Seiten b»Heilige» in Polen und Ungarn, eine Verständigung herde^uführen. Der Liszkaer will da weaiß« Tage vor Rofch Haschono eine Versöhnung mit Rabbi Jeremias Löv, derl als Abkömmling der ersten Radbinen Ungarns f^ohn des nun 'iVv und Enkel des rc.) feines» Unternehmen schaden und ihm bei der Masse ins wühre Licht stellen könnte. Dafüraber wünscht Rebbe Herschle ein« Erweiterung der'Claus der Chasiidim und wen» ehemals nur bei nsbg-t 'niVig die Frau anwesend fein qurfte, so soll sie heute durch ihr sanftes Geklalsch und liebenswürdiges Stampfen den Gottesdienst der Chafsidim v«!rschönem helfen und den Männern gleichgestellt ebenfalls | bei dem Gelage der Chasfidim anwesend sein dürfen. Wir wissen nicht, ob zwischen dem klemm Hagem todtbleicheln'immer lächelnden Liszkaer Heiligm und dem strengen wen dm Ernst des Lebens ergrauten wahrhaft frommen, Vers dem Studium obliegenden Rabbi Jeremias Löv eine Versöhnung stattgefundeo hat,- so viel aber ist gewiß, daß das Gespräch, welches am 21. September 1862 zwischen Deidrn stattgesunden hat, sehr ernster Natur war und der Rabbi mehr als einmal dem Rebben «mstlich« Vorwürfe i der sein Treiben gemacht und das Nehmen von Gaben os>uv) als antijüdisch bezeichnet hat. Hat der Rebbe die Ehre der Audienz erwiesen, so ist auch das Glück gesilhert und znuß in der Thar, nach der eignm Aussage des Heiligm in Liszka, nach Genuß von 2 Stück Lekech (Honlgkuchm) der Geist Gottes auf Jedermann rühm, der de ihm in seinem Audimzzimmer gesessen und di« nörhigen Spende» gespendet hat. Nicht minder großartig benimmt sich der Margaretner Redde, dermalen Rabbi in Szikszö »et Mis» colcz, seitdem der Geist der Höhe in den Wunden unn gefahren ist. Größer jedoch denn Alle ist der Heilige in Canz, der bei feiner jüygsten Rundreise in einer jeden Htadt die Adresse auf «inen Brief nach Jerusalem beschchsrt mit 100 fl. ö. W. schreibm ließ. Personen, die ihm »lche gestanden, versichern uns jedoch,, daß er stets den Brief in die Tasche jurückgestttkt habe und dürfte wohl noch nie einem Pilger in Erez Zisraol von dem groß« Red dm in Ganz ein Kreuzer zugekommm sein.

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