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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 40 (1862) · p. Seite 159

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
40 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 schenken Mongolen waren nur Krieger und verstanden sich nicht auf Verwaltung. Nach und nach erlangte Saod- Addaula ein so hohe- Ansehen im iranischen Chanate, vermöge der Treue, mit der er seinem Herrn diente, daß sLmmtliche Staatsangelegenheiten, auch die kriegerischen, nach feinem Rathe geregelt wurden, indem Argun nicht« unternahm, ohne mir feinem jüdischen Minister Rücksprache zu nehmen. Er verdiente aber auch die hohe Gunst, die der Ilchan ihm zugewendet hatte; denn er führte in da« Reich, wo bi« dahin Willkür, Mißbrauch und Gewalt geherrscht hatten, Gesetz« und Regel ela. Die Bevölkerung de« persischen Chanat« bestand, wie schon erwähnt, au« der Minderzahl der siegenden Mongolen und der Mehrzahl der besiegten Mohammedaner, und zwischen beiden herrschte fortwährend ein stiller Krieg. Die mongolischen Krieger, gewohnt ihr Knie auf den Nacken der Besiegten zu setzen, verhöhnten da« Recht mit ihrem. Schwerte. Die Richter wagten nicht, in Streittzkeitea zwischen Mongolen und der einheimischen Bevölkerung unparteiisch Recht zu sprechen, weil sie in steter Furcht vor den großen und kleinen Tyrannen lebten. Saod-Ad» daula bemühte sich, diesem Zustande der Recht«losigkeit und der Bedrückung ein Ende zu machen, und e« gelang ihm, in brr zerrütteten Gesellschaft eine gewiss« Ordnung wieder herzustellen. Den militärischen Commanbanten untersagte er, sich in die Rechtspflege einzumischen, und den GerichtStribunalen schärfte er ein, Schwache und Unschuldige vor Gewaltlhätigkeir zu schützen. E« wurde den vornehmen Mongolen untersagt, Requisitionen von Lebensmitteln, Pferden und Mautthieren zu erpressen, und selbst den Statthaltern wurde nicht ferner gestattet, die armen Bauern zu belästigen, Transportmittel zur Beförderung der Einnahmen in den fürstlichen Schatz zu stellen. Da die Mongolen noch kein Gesetzkodur hatten, um 'Civilprozeffe zu entscheiden, so bestimmte Saod-Addaula im Namen Argun'«, daß die mohammedanischen Gesetzbücher und Ge» setzpcaxi« dabei zu Grunde gelegt werden sollten. Al« Mann von Bildung beschützte er die Wissenschaften, setzte.Gelehrten und Dichtern reiche Gehalte au« und ermuthigte sie zu literarischen Leistungen. Dafür wurde er von den Männern der Feder, selbst van Mohammebanem, in Prosa und Versen besungen und gepriesen. Saod-Addaula'« gerechte Staatsverwaltung und Bemühung um Ordnung hatten ihm pielfach Feinde zugezogen. Die mohammedanisch« Bevölkerung war ihm von Haus« au« feindselig gesinnt; sie sah mit verbissenem Ingrimm hohe StaatSämter in Händen der Juden und Christen, die sie al« Hunde zu verachten gewöhnt war. Der Orden der organisirten mohammedanischen Meuchelmörder, die JSmaeliten oder Assassinen, wurde aufgefordert, Saod-Addaula und seine Verwandten au« dem Wege zu räumen. Da dieser Anschlag mißlang, so wurde der mohammedanische Pöbel von den Ulema« und Priestern förmlich gegen den jüdischen Staatsmann fanatisirt. E« wurde au-gefprengt: Er ginge damit um, eine neue Religion zu stiften und Argun al« Imam und Propheten zu verkünden. Dana hieß e< wieder: Saod-Addaula bereit« einen Kriegszug gegen die heilige Stadt Mekka vor und wolle die Kaaba, den Haupttempel der Mohammedaner, in einen Götzentempel verwandeln und überhaupt die Muselmänner zwingen. Heiden zu werden. Indessen würde ihm dir Haß der Mohammedaner nicht geschadet haben, wenn t nicht auch unter den Mongolen erbitterte Gegner gehabt!>ätte. Die militärischen Befehlshaber waren ergrimmt gegen ihn, daß er sie zwang, ihre Willkürlichkeiten eiuzustellea oder mindesten« sie zu verheimlichen. Eswarhaen, sowie zu alten Zeiten Denen, welche mit dem Schwarte rasseln, in hohem Grad« widerwärtig, sich der Ordnmg und dem Gesetze fügen zu müssen. Saod-Addaula gal: ihnen als die Verkörperung eine« Systems, das ihre Privilegien der Ausbeutung und Unterdrückung aufheden n>< ilte. Auch im mongolischen Kreis« verschwor man sich ge;en den jüdischen Minister, auch hier hetzte man gegen iha durch lügenhafte Berichte. Ehieß: er habe einen Jude!» N e g l i b« Ed bin nach Charassan beordert, um zweihundert der angesehensten Mongolen zu tödten. Sein Verwandter SchemS-Addaula, lDerwalter der Gegend vi n SchiraS, habe von ihm den Auftrag bekommen, viele Herren dieser Stadt auS dem Wege zu räumen. Unglücklicher Weist erkrankte Ilchan Anun 'schwer (November 1290), und sein Siechthum üftHa« Signal für die Unzufriedenen, eine förmliche Verschwörung gegen Saod-Addaula und seine Schützlinge anzuzeleln. Vergebens bot der jüdische Minister, der wohl einst h, daß Argun'S Tod dm srinigrn nachziehen würde, alle Mittel auf, dessen Genesung herdeizuführen. Die Krankh it spottete aller ärztlichen Kunst. Saod-Addaula schickte auch einen Boten an Arqun'S Sohn, sofort herdeizueilen j um beim Ableben des DaierS da« Scepter zu ergreifen. Die mongolischen Großen erhieltm aber Kund« von Saol-Addaula'S 'Schritten und beeilten sich, ihr Vorhaben zu bechleunigen, da sie überzeugt waren, baß es mit Argun zu -Ende ging und sie von seinem Nachfolger, wer er auch sein würde, Straflosigkeit erhalten würden. i Die Verschworenen: überfielen daher eines jTage« Ar» gun'S Günstlinge, die an seinem Hofe waren, uüd machten sie nieder, darunter zu allererst Gaod-Addaulß, dem sie das Haupt qbschlugen. (Anfangs März 1291H Sieden Tage später starb Argun. Sobald dessen Thd bekannt wurde, schickten die mvngvlsschen Generale Boten in alle Provinzen deS iranischen ChanatS und ließen Saod-Addauia'S Verwandte in Fesseln schlagen, ihr Vermögen einziehen, und selbst ihre Krauen und Kinder zu Sklaven machen. Die fanatisirtf mohammedanische Bevqlkerung in vielen Städten fiel über die Juden her und nahm Rache an ihnen für die Demüthigung. die sie von den Mongolen erlitten hatten. Ja der Hauptstadt Bagdad k»m e« gar zu einem harten Kampfe mit bewaffneter Har d zwischen Mohammebanem und lJudeu, und von deid-n Seiten fielen Tobte und Verwendete. — So weit die Darstellung de« Herrn dr. Gräy. Man sieht, daß hier ebenso wie in Spanien auf ein«! kurz« Zeit de« Glanze« desto tieferer Sturz und stärkere Bedrückungen folgten und daß eine kürze Spann« Glück mir dauerndem Unheil sbezahlt wurde. Unser« Väter haben diel schon in Egypten erfahren, und e« ist schade, daß un« die Nachperiode von Mordechai und Esther unbekattvt geblieben. E« chöchte die« doch ein« Wamung für un« £ oben fein, nicht zu ungestüm nach den Höhm deweltlichen Leben« zu streben und in der Erlangung hoher Würden seiten«

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