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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 40 (1862) · p. Seite 160

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
40 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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— 160 — einzeln,r Israeliten keine Bürgschaft für di, ssceiheit und Sicherheit aller zu sehen. Psalm 113, 7. S. „Er richtet aus dem Staude auf den Arrrea, erhöhet „aus dem Koth den Dürftigen, neden Fürsten ihn zu sehen, „neben Fürsten seine- Volkes." — Bei diesen Sersea frägt Man, was nach den Worten „neben Fürsten il n zu setzen' noch der Zusatz bedeute: „neden Fürsten sein« s Voltes / Der h. Sänger spricht au-, daß di« Fügung« der göttlichen Vorsehung den tief Erniedrigten, den <n Tut und Ehre gesunkenen in dir Höh« bringen, ihn den 8 «deutendsten und Vornehmsten - gleichstellen und den an Macht und Würbe Hervorragendsten zugesellen. Er gedr mchr hierzu den bezeichnendsten Ausdruck: aus dem Sta ibt der Armuth und Nichtbeachtung wirb der Dürftige erhöht, daß er neden Fürsten seinen Sitz hat — wozu »emnach der bezüglich« Zusatz t Allein derselbe enthalt eine iefe psychologische Wahrheit und zwar in zwiefacher Beziehung. Einerseits ist Nichts schwieriger, als gerade in nitten seineeigenen Volkes sich aus dem niedrigsten Sunde in die Reiben der Vornehmen und Reichen empo zuschwingen, da hier gerade die Bekanntschaft mit den f üheren Ver, hältnissen, ..-die Verbindung mir Familie u: iC Genossen u. s. w. die größten Hindernisse für den Em »ortömmling schafft. Andrerseits aber bereitet es auch de u Menschen die größte Befriedigung, in der Heimalh gr ß zu werben und in der Mitte feines eigenen Volkes die t ochsten Stufen zu ersteigen. Selbst wer fern von der £ laterstabt zu Glück und Anerkennung gelangt, fühlt sich am gehobensten, wenn er seinen Ruf dis in die Heimath, bis in die Mitte derer, die ihn von Zugend auf gekannt, gl tragen weiß, oder Landsleuten die erreichte Herrlichkeit zeige i zu können. Auf Beides hinweisend, sowohl um die größe e 'Schwierigkeit anjubeuten, wodurch bas Werk der Dt rsehung noch bedeutsamer erscheint, als auch auf die größere öefriediguag, durch welche das vom Bedrückten nun erreikl te Glück erhöht wird, fügt der Psalmist die Worte: „reden Fürsten feines Volkes" hinzu. — Man gestatte hierbei den Hinweis auf zwei Dolkssprüchwörter, di, man einander entgegengesetzt gk üben könnte. Man sagt: „der Prophet gilt am wenigsten n seinem Bareclande"z und hinwiederum sagt man: „d r Heller gilt am meisten, wo er geschlagen worden". Ab r der Volkswitz hat hier eine feine Unterscheidung gemacht . Der Heller bezeichnet das gewöhnliche und bds Mittelg» t; zu Hause kennt man neden dessen Schwächen auch se ae Leistungen und Vorzüge, läßt jene unbeachtet und diese« vollen, freien Spielraum, während in der Fremde es als uv »edevtend und gleichgültig gering geachtet wird. Der Pro »het hingegen bedeutet das Höchste, das wahrhaft Große, bas an einer Person unter denen, welche diese auch in ihr n Schwächen und von Seiten auch ihrer gewöhnlichen Eig nfchasten und Bedürfnissen kmnen, viel weniger erkannt, ervorgehoden, gewürdigt und geschätzt wird. Vera Beit«, mi Anekdote. Ein Vater, der über seine Kinder sehr erzürnt war, rief aus: „da wünschte ich mir doch lieber den Tod!" — Ein älrerer Sohn erwiderte: „Ach, lieber Vater, das ist doch Dein Ernst nicht!." — Der Barer antwortete: „So soll ich hundert Zahr alt werden, wie ich es wirklich wünsche!" Curiosa und Notizen. In den Tagebüchern von Darnhagen wird erzählt, daß von Wraügel in Berlin (1849) die Aufführung der „Deb orah " von Mosenthal verboten ward, weil, wie er sagte, die Christen darin herabgesetzt seien, die Zuden erhoben! Der Kaiser von Oesterreich harte das Stück durch einen Brkllanlring belohnt. Als die Deputation der ehemaligen Deutschen Nationalversammlung die Wahl de» König» von Preußen zum Deutschen Kaiser nach Berlin brachte, und die Deputirten dem verstorbenen Könige vorgestellt wurden, und jeder dieser mir einer eigenthümlichen Anrede vom König bedacht warb, sagte er zu Rießer, als einem jener: „Nicht war, Rießer, Sie sind doch auch der Meinung, daß ich eine beschnittene Krone nicht annehmen kann?" — Es ist zu bemerken, daß grade Rießer eine ausgezeichnete Rede für die Wahl des preußischen Monarchen zum deutschen Kaiser gehalten hatte. Aphorismen von David Wahl in Codlmz. j Nicht wenn wir, wie eine Mumie, in unferjgelirbtes Selbst I hineinschrumpfeu, sondern wenn wir, wie ein fruchtreicher Baum, mir Herz und Geist un» nach Außen entfalten,; wird aus dem Wachsthum und Leben, welches wir dem , Ganzen mittheilen, uns selbst zugleich Nahrung und Kraft , zufließen. Dem Biedermann ist die Wahrheit ein treuer Genosse. aber dem Heuchler ein lauemder Löwe. | Dir Regeln des Anstandes bedecken eben so lange - gährende Leidenschaften», als ein Mantel eine Flamm«! verhüllt. l Lllgemeiue Zeitung de» Jubeuthum». Ho. 39. 1362- Leitende Artikel; Welche Zwecke Hane eia verband jüdischer Gemeinden zu erstreben? — Zerstrrvte Bemerkvogen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus dem bayerischen Oberfranken. Preußen: Dl. Erone, Berlin, au» dem Posenscheu,'au» der Mark, Lottbu». Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Könighof, au»' Obernngarn. Schwei;: Bern. Afrika: Lapstadt. _Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich */A THaler. i noonlicher Redakteur I. H. Lüder. '» 9w*»«ifclui ii feifiig. — Dnni mi ®. Äie*Migii

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