Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 39 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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155 Vorerst wollen wir Verlobung feiem — da kannst Du doch nicht gleich davon laufen. Also, Maselrav, Glück auf, der Herr wird egelegnen! —" Ln demselben Tage gegen Abend schritt Daniel über die Straße nach einem Nebeugäßchm de- Dorfe- und dlted vor einer niedrigen Hütte stehen, Er schim noch einen Augenblick dazu überdenken, «aer badrinnen zu sagen hätte, bevor er durch ble kleine Pfone htneinttal. Wen. er suchte, der kam ihm schon zum Eingang entgegen, denn auder geöffneten Zimmerthür trat ein junge- Mädchen, dabei seinem Anblick tief erschrak, sich aber schnell faßte, die Thüre vorsichtig schloß, wie um jede- Geräusch zu vermeiden, und dem jungen Manne nach dem Hintergründe der Flur winkte, wo auf einem offenen Kaminheerde eia Kessel üb» dem gtuft stand. „Du bist e«, Daniels" sprach sie mit bewegter Stimme, „Lu kommst hierher? Aber sprich leise, denn »den ist die Mutter nach einem schweren Krampfan. fall eingeschlummert." „Komm lieber in den Garten, Rosa." antwortete Daniel, „ich habe Di» viel zu sagen, und dort läßt esich angenehmer und ungestörter thun." Er wollte ihn Hand ergreifen, aber sie zog sie zurück, folgt« ihm jedoch in da- Gärtchen hinter dem Hause, das, wenn auch nur für Gemüse bestimmt, doch zierlich geordnet und mit Blumen geschmückt war und am Ende eine Laube, von Gei-dlatt umrankt, hatte. Hierin begaben sich die beiden jungen Leute, und ließen sich auf daroh geschnitzte Bänkchen nieder. Ewar ein klarer Abendhimwel, der sich über ihnen wölbte, im Westen noch mit rosigen Wolken geschmückt, während im Osten der Dollmond stand und einzelne Sttrae ihre zitternden Strahlen zu werfen begannen. Ein linder Abendwind flüstert« durch die Bäume .und Gebüsche, und verbreitete den Duft der Blumen überall hin. Auch di» Nachtigallen, zahlreich in den Gärten de- Dorfenistend, hatten ihren Nachtgesang begonnen, und vermehrten die Lieblichkeit und Weichheit de- Abend-, welche sich sanft um bi« Herzen ber Menschen legte. . (Torts, folgt.) Ueber religiöse und politische Gespräche. In Gegenwae; «ineernsten, gediegenen Manne-, dessen politische und religiöse Ansichten seit langer Zeit in weiten Kreisen bekannt sind, wurde jüngst die Krage besprochen: ob eräthlich und recht sei, in Gesellschaften über religiöse und politische Gegenstände zu di-kuuren. Er hrach sich dahin au-, baß in öffentlichen Versammlungen, di« einen bestimmten Zweck haben und an denen sich zu betheiligen man für geeignet gefunden hat, Au-sprach« und Abstimmung, die Meinung der Mehrheit nicht berücksichtigend, der eigenen Ueberzeugung gewissenhaft getteu geschehen müßte»; daß e- «benfallselbstverständlich fei, imengem Kreise der Seinen und seiner Freund«, wo man die Ansichten jede- Einzelnen, feine Gesinnung und Gefühle kenne, auch über religiöse und politische Themata zu verhandeln; dagegen Eeüsse er sich auf- Bestimmteste gegen dergleichen Besprechung in gemischter Gesellschaft, so wie unter Fremdm, in Salons und Eisenbabawaggonerklären, da «an hier sehr leicht auf ganz mtgegengesetzte Parteigänger stoße«, hestigm Streit ja Erbitterung bewirken, wenigstendie Gefühle Anwesender tief verletzen könne, wozu eine Berechtigung nicht vorhanden, und w »durch man unter Umständen, die Freude und dm Gmuß lang vordeniteter Feste zu ßörm veralöge, also eine Verletzung de- Gastrecht-, verübe.. Ein anwesmder jung« Mann, dm wir mit 8. de, zeichnet! «oll«, erhob sich lebhaft gegm unfern Frmnd A. Wie? ief er au-, ist -ienicht eine DerlmqnuNg unserer Ansicht n und Ueberzeugung, denen wir al- Männer unter allen llmstänüen treu bleiben müssen! Würden wir dadurch nicht i i dm > Fall komm-n, den unwidersprechendsten, für uni verwerflichsten Meinungen nachzugeben, ja ihnen scheinbar zuzustimmm? Kann irgend eine Pflicht Im Gastrechte- oder die Befürchtung, Streit zu errege«, höher wiegen iW die Pflicht ber Wahrhaftigkeit und Ueberzeugong-- treue? A. Sie hätkm Reche, lieber L., wenn ich gesagt hätte, wir sol m unter solchen Umständen nachgebmd ober gar zustimmend u«< äußer«, während ,- nur sich barjam handelt, bespräche über religiöse und politische Gegenständ», anstatt sie zu suchen und hervorzurufen, zu vermeiden, und wr in sie begonnen worden, möglichst davon ahzulmkm, oder bo<) alschweigsamer Zuhörer keinen Theil daran zu nehmen. Da kann von ethrc Verletzung der Wahrhaftigkeit und der Uederzmgung-trme noch lange nicht die Rede sein, w lche mir gebletm, «ich nur so au-zusprechm, wie ich sdm>e, nicht aber überall in strenger und entschiedener Weise b i« Wort zu führen. B. Sind wir denn aber nicht verpflichtet, da-, wa-wir al« Wa-rheit-erkannt hadm, überall zu verbreiten, ihm bei jeder Gelegenheit Eingang zu eröffnen und Andere davon zu Überzug«? A. < Sicherlich. Streut denn aber der Säemann überall und un,er all« Umstänbm seine Aussaat au«, «der beschränkt ,r sich auf geeignet« Boden, der gedüngt und gepflügt worb«? Steckt der GärMer sein« Schößlinge nicht dlos dal in ein, wo er ihr Gedeih« vorausfetzt?' Mein« Frmnde! Mit dem Ueberzeugen einzelner Person« ober gar von Gegnern ist e< in religiös« und politischen Ding« eine eigene Sache. Ich glaube wmiq daran, und habe in sehr seltei >« Fäll« »in« wirklichen Erfolg gefeh«. Man kann einn Gegner stumm machen, wmnman den größer«. Redefluß und die triftiger« Gründe für sich hat, aber überzeugt ist er dadurch noch nicht. '* B. 8 tarn dieder Fall wäre, so müßte man ja auch alle Ber lffmtlichung seiner Meinung« in Wort and Schrift t ufgeden, denn da- Ganze besteht doch nur aueinzelnm Person«. Dann müßte also auch jede Wich samkrit ir der Presse und in Verein« aufhörm, die Kanzel und dl« Rednerbühn« müßt« verstumm«, d«n sie nützrm ja doch U Nicht-, da Jeder schon fertig ist und an seiner Ueberzmgung festhält! ' * A. Du schieß« Sie, lieber B., doch weit über da- Ziel hinail«. Vorerst sprach ich nur von Gegnern, nicht aber, wen« die Gesellschaft au- Gleichgesinnt« oder selbst nur au- Schwemkenben destehmd sich erweist. Unter'folchen Schweige^ zu beacht«, wä« thöricht; Gegner aber zu gewinn« und zu Überzeug«, halte ich ftlbst durch -fstnMche Rede und Schrift für ein sehr seltene- Werk. Akt der letzer« hqt es ober noch eine ganz anbere Bewandwiß. Im Eiazetgechräch« steht immer die Person der Person gegenüber/ und da lst es schon die Eigenliebe und di« Furcht, Ander« schwach zu erschein«, welch« eia Ueber-