Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 39 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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154 „Nein, Vater, und abermals nein! Drin Wort in Ehren, aber wie es gewesen, kann es nicht wiedl r werden! . Die Welt ist anders geworden, und die Menschen begreifen, daß nicht Einer frei sein kann, wahrend'der ändere geknechtet wird. Die Fürsten haben ihr heiliges Wort gegeben , daß alle Kindpr des Landes gleiche Recht genießen sollen, und sie werden und dürfen es nicht breü rn. Ich gebe Dir zu, daß man so Manches wieder uns Zuden zu nehmen trachten wird; gerade aber darum dürfet wir nicht;u Hause bleiben, Krade» darum müssen wir n it in den Krieg hinausziehen, und unser Leben wagen, mb unser Blut mit einsetzen, damit sie keinen gerechten Dorw, nd haben, *unS die Schlinge wieder über den Hals zu wers-n, damit sie nicht sagen können: „Ihr feigen Knechte »aber kein Recht auf die Freiheit, denn Ihr habet für sie acht mitgefochten!" Und danfl, lieber Vater, wenn Du inen Unglücklichen helfen sollst, fragst Du erst, ob er sei l Unglück verdient hat? Bin ich nicht ebenso verpflichtet, e ne Stiefmutter zu retten, wenn sie mich schlecht b«f>ai ibelt hat, weil sie das Weib meines Vaterist? Jetzt, .in drAeil der Gefahr, wo unser Vaterland, denn das ist eS doch, c m Rande de- Abgrundes steht, dürfen wir nicht fragen, wie > S uns behandelt habe, oder wie es uns behandeln werde, n ir müssen .ihm deispringen, wir müssen daS höchste daran etzen, um eS retten zu helfen!-Dann, wenn die Sonne de: Freiheit über dasselbe aufgegangen, wenn der Jubel d> s Sieges durch alle Gauen tönt: dann wird eS Zeit seil, wieder an uns zu denken, vor die Throne zu treten und zu sprechen: Sehet, die Arme Juda's sind noch nicht erschlafft, daS Schwert der Makkabäer zu führen, und »>ir haben mit 'unserem Herzblut unser Anrecht an der F eiheit besiegelt." Der Vater, der mit Staunen den beredt« Worten seinesonst schweigsamen Sohnes gelauscht hätte. war in Nachdenken versunken. Dann aber begann e wieder: „Gut, mein Sohn; ich will das nicht bestreiten, obgleich eS mir noch nichteknleuchten will. Ich gehe licht gern eine theure Waare hin, ehe man mich nur um >en Preis gefragt hat, und wenn ich km Voraus glaube, der Werth wird niemals bezahlt werden. Die Jugend is anderen Sinne- und hat vielleicht Recht. Mögen also immerhin in den erbitterten Krieg, der in der Kürze anhi sin wird, auch die Söhne der Juden mitziehen, mögensie lch tapfer beweisen und uns Ehre erwerben. Du aber bed nke, daß Du der einzige Soh» Deiner alten Eltern bist, und das ist doch etwas andere-. Du bist jetzt schon uns re einzige Stütze, und wenn Du fortgingeft, müßte ich der größten Theil meiner Geschäfte aufgeben. Ich kanns n cht mehr. Und wenn Du, ich muß es ausfprechen, so wehe mir auch dabei um'S Her; ist, nicht wieder heimkehrtest, dar n würden ich und Deine alte Mutter bald an den Bettelstat wie eS schon beinah der Fall war, ehe Du auzurückkamst. Ich fagx Dir damit doch nur, was weißt. Und wenn der Krieg auch hierher komn t, und er wird beinah zuerst hierher kommen, und alle seine Schwcken über unsexe friedliche Gegend dringt, wer soll uns beistehen? Wer uns vor der frevelnden Hand b:r wilden Soldaten schützen? Mit so gebrechlichen alten Letzten macht man da nicht viel Federlesen'- Jetzt war es an Daniel zu schweige«. Dot» Zucken, daüber die Muskeln seines Gesichtes flog, di- Farben, kommen, xr Stadt Du selbst in denen dieses schnell wechselte, die Throne, die sich in den Augenwinkeln zerdrückte, verriethen genugsam den Kampf, der in seiner Seele vorging. Endlich ergriff er die Hand seine-Vater- und sprach mit anfangs zitternder Stimme: „Theurer Vater! Du wirst es mir glauben, daß ich nicht j erst Deiner Worte bedurfte, um alle diese Gedanken durch - meine Seele gehen zu lassen. Es packte mich stetwie | eine glühende Angst, wenn ich Eurer gedachte, in der Beri einsamung und der Verlassenheit, sobald ich -fort wäre, j Wie oft verwünschte ich den Sinn und den Geist, die! Gott in meine Seele gesenkt, und frug mich, warum ich j nicht still meinen ruhigen Pfad gehen könnte, der mich \ ohne Schwanken und Verirren die heiligen Pflichten des \ Sohnes erfüllen ließe! Aber es ließ mich einmal nicht : ruhen. Und wenn ich nun hier bliebe, und die anderen : Jünglinge gingen fort, um sich unter den Fahnen unseres Königs zu sammeln, und ich schliche als Feigling und! Schwächling gebcandmarkl umher, und jede Nachricht eine- Kampfeträfe mich wie ein Donnerschlag, und jede Kunde eines Sieges wie ein Dolchstich — wie würde mir aller Murh zum Leben, alle Kraft zur Thätigkeit genommen sein, wie würde mich alle- Thun und Treiben hier anwidern, wie würde ich nicht die Augen aufschlagen können, um Jemanden anzuschauen — ich würde hinsiechen, ohne Euch helfen zu können, und, glaube es mir, die heimkehrenden Sieger würden nur mein Grab finden . . Die letzten Worte kamen so dumpf aus seiner Brust herauf, seine Züge waren so verfallen dabei, der Blick seines Auges so düster, daß der erschrockene Vater aufsprang und mir erhöhter Stimme auScief: „Wohlan- Daniel, so habe ich nur ein Gegenmittel für all Deinen Trübsinn, und ich will eS Dir nicht vorenthalten. Gut. Ich willige von heule ein, und Deine Mutttr wird mir nicht widerspreche«. Die die Rosa drüben, an der Drjn Herz hängt, zum Weibe zu geben . . . Weiß Gott, es wird mir schwer; Salme Batrersdorfs einziger Sohn mit der Tochter eines wandernden Landjuden, dem der Graf aus Mitleid gestattet hat, hier zu sterben, mit der blutarmen Tochter einer Wittwe, die Almosen empfangt! Doch ein braves Mädchen ist es. und hübsch ist sie auch; und wie sie ihre kränkelnde Mutter pflegt und wartet, wird sie auch nicht vergessen, was sie uns schuldet, und wenn wir bis hierher unsere Einwilligung verweigerten, so nimm sie jetzt, und fei glücklich, nur bleibe bei unS!" Dem Sohne war das Blut in das Gesicht und auf die Stirn gestiegen; auch er war aufgesprungen, und stand feinem Vater mit leuchtenden Augen gegenüber. „Vater, ich danke Dir, rheurer Vater! Ja, Du machst mich glücklich, und des Opfer-, da- Du mir dringst, werde ich nicht vergessen dis zu meiner letzten Lebensstunde. Du machst mich glücklich, wenn Du mir erlaubst, Rosa älS meine Braut anzusehen. Ich werde sie zu Dir und zür Mutter bringen, und Ihr werdet uns segnen. Ader liarin irrst Du, wenn Du glaubst, daß ich um Rosa's willen mehr thun könnte als um Euretwillen! Ich hatte Rosa verlassen, weil Ihr Eure Zustimmung nicht geben wolltet, wie könnte ich Euch verlassen um eine Sache, die ich für Rosa aofgeben könnte! O Vater, laß Dich Dein Wort nicht gereuen, aber ändern kann es meinen Entschluß nicht." Der Vater sah ihn scharf an. sagte aber, »mn auch e.twaS zögernd: „Nun, weißt Du, das wird sich finden.