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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 39 (1862) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
39 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 zeugen, ein Anstimmen, nachdem man die en gegengesetzte Meinung geäußert hak, fast unmöglich macht Au einer öffentlichen Rede oder Schrift verhält man-ff, ader nicht wie einer Person gegenüber, läßt sie daher r nmitttldarer und ungestörter a»f sich wirten und eigner fch ihre Ansichten leichter gn. 1 Zweitenlebt jeder Mensä auch geistig in einer gewissen öffentlichen Luft. Durch Zchrift und Rede wirken wir -uf diese, geben ihr mehr der weniger eine bestimmte Beschaffenheit und Richtung, welcher sich selbst entschiedene Gegner nicht ganz entziehe» können, so daß auch diese von jener 'unbewußt deeinKußt werden. Schrift und Rede sind daher durchaus nicht t los Gespräch de- Schriftsteller- oder Redners mit jedrm r nzelnen Leser und Auhörer, fondem wie der Au-spruch einegroßen Ganzen auf einen > einzelnen Theil oder ein G >rd desselben, und ihre Wirkungen daher nicht dloexrensiol sondern auch intensiv unwägbar größer. — Laßt mich bc her nur noch eine Bemerkung hinzufügen, die in Privata it öffentlichen Händeln viel zu wenig beachtet wird. Di t entschiedene Uedeczeugung einet Menschen ist viel wenige das Erzeugniß seiner eigenen, geistigen Thärigkeir, seine« Nachdenkens und Erwägen-, als man gemein hin aanimr >t. Vielmehr geht sie als Produkt aut der natürlichen An ag«, au« dem Varerhause, der Erziehung, dem BildungSg »nge, den LebenSschicklalen, den Verhältnissen und Zust mden hervor, , sie ist da« Ergedniß eineganzen Leben-, k er Zusammen- Wirkung aller Momente. Hieraus geht he, vor, baß da« Individuum viel weniger verantwortlich ist ür feine Ueberzeugung, als man e« zu machen pßegt, daß ader auch der, Einzelne viel weniger bildungsfähig, viel w, Niger einer ent- | gegengesttzrea oder nur sehr verschiedenen Meinung Zugang- > lich ist, al« man annimmt. Wo die Vernunftgründe auf» j hören, da fangen die Interessen an, und n« diese zu Ende j gehen, da ist noch da« eingewurzelte Ge ühl vorhanden,! und die« ist der hartnäckigste Gegner, d> «S gar keine > Handhabe hat, wo e« aazufassen, und imm r wieder hervorschießt, wenn ,« abgeschnitten ist. B. Auf diese Weife sprechen Sie also dem Menschen, die Bildungsfähigkeit und die Verantwor:lichkeit betrefffeiner Uedeczeugung ganz ab? A. Dieglaube ich nicht gesagt zu Hab«. Im Gegen» > theil tritt ja die Bildung-fähigkeit de- ' Menschen um so bedeutsamer hervor, je weniger wir sein $ lesen und seinen | geistigen Gehalt alda- Produkt seiner eigenen Geiste-- 1 thätigkeir, seinebewußten und absichrliä m Nachdenken'« anerkennen, sondern die Einwirkung vielfa -er anderer Momente betonen. Wir setzen dann nur ei: e geringere Bildung-fähigkeit vermittelst Berauaftgrüad! und logischer Einwäude fest, erkennen aber de« Mens« »ea alvielseitig und ganz anderen Einflüssen zugänglich < n. Kragen Sie ader, wo die Verantwortlichkeit de- M «schen für seine Ueberzeuguag anfange? so antworte ich nach innen da, 'wo er sich einer in ihm selbst schon oblegmdea besseren Uedeczeugung eigenwillig und gewaltsam entzieht und sie au« sich selbst verdrängt; nach außen, wo er seiner Uedeczeugung mit Eingriffen auf die Kieiheit, da- Lebe« und da- Eigenchum Anderer die Obhei rftaft erzwingen will. Hiermit ist ader auch di« »aht jaft« Humanität und Duldung begründet und dem gewatthätigen Fanatismus die Grenze gesetzt. Curiosa und Notizen. Berlin, den 24. August. Kürzlich ist einem hiesigen Arbeiter von dem Papst der Orden Pro Petri »ede verliehen worden, weil, er unter Lamorieiere vor 2 Jahren gegen Garibaldi und die Piemontesen mirgefochten. Der junge Mann ist noch jetzt Lude und eist gewiß alein Zeichen einer hohen Toleranz anzusehm, daß der Stellver, treter Christi die Existenz der Bullen vergißt, die alft Ketzer und Juden mit Feuer und Schwert von der Erd« zu vertilgen befehlen. — Soweit die Berl. Bl. Wir fügen unsererseits hinzu, daß enoch weit mehr ist, wenn ein Jude für den Papst die Waffen führt, und, selbst abgesehen von allen religiösen Bedenken, füt da- Regiment, «elcheallein noch da- Ghetto, und in 1°o scheußlicher Weise, festhält, sein Leben in die Schanze schlägt. Jedenfalls hat der Papst gegen seine Kirche sich nicht so sehr versündigt, indem er einen Juden dekorirte, wie der Jude gegen sein Judenthum) da er päpstlicher Soldat war. Au- Detmold wird in öffentlichen Blältem geschrieben: „Esind hier plötzlich über 100 Personen wie von der Pest befallen, welche alle von dem Fleische einer Kuh gegessen hatten, die ein Privatmann hatte schlachten lassen, weil sie ihm erkrankt war. Die ormni Menschen leiden unter so entsetzlichen Schmerzen, daß sie sich den Tod herbei wünschen, der sich denn auch bei vier von ihnen schon eingestellt hat. Wadie Kuh eigentlich an sich gehabt und ob ein Verschulden auf Selten de- Thierarzre-, welcher dieselbe in Behandlung hatte und danach den Schein au-» stellte, daß dem Verkaufe ihre- Fleischenichtim Wege stehe, vorliegt, muß die Untersuchung, welche eingeleitet ist, ergeben." Man ersieht hierau-, welcher Segen in den Vorsichtsmaßregeln liegt, welche die jüdische Satzung hinsichtlich kranken Vieh'- getroffen hat, wobei wir jedoch nicht unterlassen wollen zu bemerken, daß dieselben einer neuen wissenschaftlichen Bearbeitung sehr bedürfen, da m der Thar nach dem jetzigen Standpunkt der Wissenschaft viele von der Satzung aufgestellten Aeichen de- Krankseinde- Diehededeutung-lo« sind, während andere wichtiger« Zeichen von ihr nichj gekannt sind. Allgemeine Zeitung de« JudeuthumS. No. 38. 1862. Lei teud« Artikel: Die Arbeit nach der heiligen Schrift. — Literarischer Wochenbericht. Zeituugsuachrichteu: Deutschland: Au« Bayern. Preußen: Berlin, Köln, Berlin, Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg. Schweiz: Aargau. Rußland: Milan, Warschau, Warschau, Petersburg. Türkei: Konstantinopel. Italien: Belletri. Frankreich: Paris. KP Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 8 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Heranrworrlicher Redackeur I. H. Lüster. »er'» Vachh,»»!,^ t» reivri». — Dr«a M* •. tT(»iiag ia Hierzu eine Beilage, betreffend die engl, und stanz. Unterrichtsbriefe nach der Methode Toussaint - Langenscheidt.

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