Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 39 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksttatt. | 3«! Belehrung und Anterhattuug auf jüdischem 4^eöiete. Herausgegeben vou Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Bonn.! -! W. 39. 1862.1 Bo» dieser Zeirschril« erichei»» wS«be»tlich ei»e N»m«er. Prei« de» 2«hr» ga»g» 1 Thlr. Bierteljahrig 7 % Ngr. Ave Buchha«dlu»-rv, Poft2»ter »sd Zeiv»g»ek»editto»e» nehme» Bestell»»-«« oa. [9. Jahrg. 3. ^artal} Der Freiheitskämpfer. Novelle. (Fortsetzung.) Daniel ließ sich von diesen Au-rufen seiner Eltern nicht beirren. „Ich habe es lange bedacht, thrure Eltern, habe einen schweren Kampf in mir durchgekämpft, bin aber nun zu dem festen Entschlüsse gekommen, und hoffe, daß Ihr mich nicht so unglücklich machen werdet. Eure Zustimmung mir zu verweigern." „Wie? unglückseliger Kind", rief di« verzweiflung-volle Mutter au-, „habe ich Dich dazu, mein emzige- Kind, unter dem Herzen getragen. Dich dazu mit Schmerzen geboren, an Deinem Krankenlager gewacht, Dich gepflegt und gehütet, daß Du nun unter die Soldaten gehen, vor j Hunger und Dürft und Strapaze, elend umkommen oder j auf dem Schlachtfeld Dich verbluten, ^der als zusammen-! geschossener Krüppel nach Hause zurückkehrea sollst, und I da- Alle-, weil ein dummer Junge, ein hochnäsige- Gräft lein, der keinen Hund audem Ofen locken kann, Dich beleidigt bat? Weh mir, wahabe ich gesündigt gegen unsren Herrgott und sein heilige- Gesetz, daß mir diein meinem Alter begegnen soll?! Daniel, wenn Du «ine Liede zu Deiner Mutter hast, wenn Du nicht ihr graue- Haar in die Gruft dringen willst, so laß diesen thörichten Sedanken fahrm! Rein, ich gebe meine Einwilligung nicht — ich werde mich an Deinen Arm hängen und Deinen Fuß umklammern, daß Du, Gott bewahre, Dein« Mutter schlagen oder zertreten mußt, ehe ich Dich lo-lasse.'.. Die alte Leah hatte während dieser Worte ihre Stimme immer mehr erhoben, daß sie zuletzt zu einem Schreien und Zetern ward, baß die Nachbarn hätten zusammenlaufen mögen. Ihre erhitzte Phantasie sah schon alle die gräßlichen Bilder vor sich und auder Tief« de- Mutter- Herzenquoll der Schm«rzea<ruf der Berzweiflang. Düster und schweigsam aber stand der bleiche Jüngling daneben, sah da- Häaderingen der greifen Mutter, hörte ihr Wehklagen, ohne daß er erschüttert zu werden schien. MDrat Salme zu seiner Frau und sagte zu ihr ruhig: ,Mei doch nicht gleich so außer Dir Leah l geh hinauin die Küche, ich will mit Daniel reden, er war doch immer ein guter Sohn, und wird der Stimme feine» Bakergehorchen." — Di« Mutter that, waihr Mann, dem sie al-, nach ihrer Meinung, dem gescheitesten Manne auf der Welt ganz vertrauet«, ihr gebot, nicht ohne ihr Schluchzen und Weinen fortzusetze», daß ti auch von draußen her immer wieder hereinfcholl. „Run, lieber Daniel", begann Salme in rohigiem aber wehmüthigem Tone, „komni her', fetz' Dich, unb^aß un-, gelassen über Dein Vorhaben sprechen. Ich weiß wirklich nicht, und habe gar keinen Begriff davon, wie Du zu dem Gedanken gekommen. Wir Juden sind im Galt», und weil wir sind im Golu-, haben wir nicht nöthig in den grausigen Krieg zu ziehen, Menschen, die uunichtzu leibe gerhan, zu erschießen und zu erschlagen, und schießen und erschlagen zu lassen. Mag unser unzerherrgott den Sieg geben wen er will, wir Juden bleiben im Golu-, wir werden beschimpft und bedrückt und müssen mühsam sehen, wie wir durchkommen. Wa» geht unalso her Streit zwischen den Herren dieser Welt an, den mir dienstbar bleiben, «er «S auch sei." „Lieber Barer, die Zeiten haben sich geändert^ warum hast Du fluch in die Stddr geschickt, hast mi h lehren lassen, waweder Du, muy Dein Baker, noch Dein Großvater gelernt? Weil Du in Deiner Klugheit ei itgesehe«, baß eine andere Zeit gekommen. Wir sind nicht mehr im Golu-, wir sind keine Knechte mehr, wir sind Bü ger, und wawir noch nicht sind müssen'wir werden; wi c gehören dem Land« an, wo unsres Wiege gestanden, uu» wo die Gräber unsere^ Däter stehen. Damm ist seine Schwach auch die unsrige, sein Jv!b auch da» unsrige, und die Söhne I der Juden müssen eintreten mit ihrem 8ut und Blut frr seine Ehre und Freiheit, wie die Söhne der Christer N Dk Daniel, wer hat undenn zu Bürgern gemacht? Nicht >ie Franzosen, gegen die Du in den Ke eg ziehen willst? Glaube Deinem Baker, der die alten Zeiten noch gesehen wären di« Franzosen nicht gekommen, v lr wären immer noch die verfolgte» und verhöhnten Kn chte, die wir wa:en, wir müßten immer noch den Leibzoll ahleu an den Tfvren der Städte, müßten immer noch Atteln um ckchen Erd« und einen Mund voll Lujft. Und ein Fl meinst wieder Du, daß wenn die Franzosen fort sind, werden wird wie ehemal-? Hast Du es gehört? gießen. enicht nicht aus dem D und« de» bo-haften jungen Grafen faul ich genug O, ich weiß es, wenn e» ihnen gell» pn sollte, die Fra»zosea über deaÄkhuin zurückzuwerfen, da» werden stea und Herren 2sile» wieder ln den alt a Stand wolle», und wmn, sie da» erst angefange^», werdm die Fü bringevi sie kein Ende wissm; und wasie mit dem Bauer um so nicht fertig kriegen, damachm sie mit ärger, denn da Helfta bl« Bürger und L Um »»- also, ftage ich Dich, sollen wir unser ^Blut ver» nur um gegen an» selbst zu würhm?"