Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 37 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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147 traten nach und nach bei ihm ein, um ihn zu trösten, und ihren Beistand anzubieten. E» war eine ergreifende Scene, als der Herr Meyering nach der Synagoge kommen mußte, die er seit Jahren nicht betreten hatte, um den Manifestationseid daselbst adzulegen. Der reiche und vornehme Banquier sollte beschwören, daß er nichtweiter mehr besäße, aldie Kleidungsstücke, die er an hatte! Der Lehrer Magnus, der den Eid abzunehmen, verlas die EideSverwarnung in größter Eile,, um dem Tiefgebeugten die Cere, monie so wenig drückend wie möglich zu machen, und nahm die ehrerbietigste Miene an, alS ob Meyering noch auf der Höhe seines Glückes stünde; Die Juden des Ortes schossen zusammen um der Fchnilie während deS ProzesseS den Unterhalt darzubieten, sowie die Mittel, nach Beendigung der Sache, sich nach einem andern Wohnorte zu begeben. Ob die Frau Meyering' späterhin, sich noch für die Negerkinder interessirle, haben wir nicht in Erfahrung gebracht. Das Eigenthümliche Israels. Der Prof. u. Pr. der Theologie Baumgarten in Rostock äußert sich in feiner Schrift: „David der König ohne Gleichen" iw folgender Weise, die von einem christlichen Theologen sicherlich bemerkenSwerth ist: Vor allen Dingen müssen wir das Volk Israel in seiner Eigenthümlichkeit zu erkennen suchen. Diese Eigenthümlichkeit besteht, wie Jeder schon von ferne sieht, in seiner Religion. Jedes Volk har freilich im Alrertbum seine eigenthümliche Religion, aber alle übrigen alten VolkSreligionen werden von einem gemeinsamen Bande umschlungen. und diesem gemeinsamen Charakter setzt sich die Eigenthümlichkeit der israelitischen Religion entgegen. Während alle übrigen Völker des AlterthumS das göttliche Wesen, welches sie verehren, mir der Welt vermischen, un» terfcheiden die Israeliten den Gott, welchen sie anbeten, ganz bestimmt von der Welt, waS sich am deutlichsten dann zu erkennen gkebt, daß jede Erscheinung GotteS immer von feinem Wesen unterschieden war und jegliche Abbildung GotteS, wenn sie auch noch so gut gemeint sein mag, als Abfall' angesehen wird. Damit hängt genau zusammen, daß während die Heiden die Gottheit alS ein Mannigfaltiges denken, wie denn alles Weltlichemannigfaltig ist, die Israeliten mir der größten Strenge und Schärfe auf die ungetheilte Einheit des göttlichen Wesenhalten. Die Israeliten waren sich bewußt, in dieser religiösen Unter-; schiedlichkeir die Reinheit und Wahrheit der Religion für alle Völker und Zeiten zu besitzen. Sie schrieben sich von Alters her das Priesterthum zu, durch welches alle Völker aus der Welt zu Gott geführt werden sollen (s. 2M. IS,6), und wenn dereinst der Segen" GotteS durch Abraham und feine Nachkommenschaft über alle Stämme und Völker gekommen sein werde, so dachten sie sich dieseals Ziel und Ende aller Geschichte (s. 1 M. 12, 1—3). Gleicherweise konnten sich die Hellenen keine menschenwürdige Bildung und Cultur'vorstellen, wenn nicht ihre Wissenschaft und Kunst die Weihe ertheilt, und den Römern erscheint die Welt staat» und machtlos, wenn nicht die Herrschaft und die Gesetze der ewigen Roma die Völker und Länder de- [. Erdkreises umspannen. Diesen uaiverfalgeschichtlichen Ah nungen der genannten drei Völker jpt di» Grfchi hte selber den Stempel bec*Wabrheit und Berechtigung arfgeprägr. Kunst und Wissenschaft degriechischen AlterthumS ist nicht bloS die Schulz, scjndern auch dableibende Vorbild für die GelsteSculrur aller Zeiten geworben, und der römische RechlSkvrper^ soivohl alS Reich wie als jßesetzbuch, ist der feste Rahmen geblieben, in welchep die bürgerlichen Ordnungen diesseit undi jeNseir de- OceanS ei^grspannt worden sind. So wie d e geschichtlichen Normen per beiden eben genannten Dölher si«h auf die Entwickelung des Weltlebens beziehen, des ideal m, sowie deS realen, gewährt das israelitische Volt den bliidenden TypuS für baH religiöse Leben, für baS Derhalmi j zwischen Gottheit und! Menschheit und in dem Maße, fllS für dieseinnerlichst« und zqyteste Derhälmiß die Zuversicht um so nothwendig» ist, als für die Weltverhältnisse, auch das israelitische Bewußtsein 'von der zukünftigen Bestimmung diese- Volke-uni so selbstgewisser und bestimmter;'während die.beiden andern Völker nur eine instinclmäßige Ahnung von ihrer zukünftigen Bestimmung besitzen, steht -ei den Jscaelikm ihre universalgeschichtliche Zukunft in brr Form der Weissagung md Hoffnung zweifellos fest. In piefem Lichte der Zukunft habe» all« Gaben und Vorzüge, deren sich Israel erf eur, ihr schließlichrS Absehen auf die Gesammlheir der Völker; eS können demnach diese Auszeichnungen dem erwählten Volke nicht etwa zum Genüsse jind zum Ruhme hlngeg^hen sein, sie erheischen «inen strengen und heiligen DienÜ, durch welchen diese Schätze und Güter des höchsten Lebens, die zunächst Israel anvevtraut sind, der Gesammtheit^ der Völker zugänglich gemacht werben sollen. Es 8«^«' «ff» zu den vielen Jrrthümern, welche über daalrrestqmentliche Volt verbreitet sind und unbesehenfortgepflanzt werden, daß es eine Haupteigenfchafr der Israeliten sei, in eitler Selbstüberhebung und mit hochmülhiger Verachtung aller andern Völker, welche sie Heiden nennen, ihres pesondern Bundemir Jehova, dem höchste» Gott, sich zu herühmm. Die Carricatur der Rationaleitelkeit gehr überall m d allezeit neben den berechtigten und pflichtmäßigen Selbstbewußt-' sein nationaler Eigenthümlichkeit einhtr und so auch bei den Juden, will man abey wissen, wawahrhaft i staelitksch ist, so frage man und erforsch« diejenigen, welche 6ic Geschichte selbst als die Repräsentanten ihre- Volt«! beglaubigt hat, man wird erkennen, daß diese allerdings durchdrungen fink von dem Bewußtsein des höchsten Vorzüge-, der ihrem Volk zu Hheil geworden, aber in keiner Weise ist dieses Selbstbewußlsekn mit irgend einer Art oo r. Selbstbespiegelung Verbund«, lm Gegentheil, die Umgebungen jenes israelitischen Beldstdewußtseinfind streng Selbst, enlfagung, aufrichtige ^emuth, größte Leidenswilli gkeit und Leiden-fähigkrit, höchste Anspannung aller KräfteLeibes und.der Seele, sy daß Jeder sagen muß, in diesen Um», gedungen der tharsächlfchrn Wirklichkeit spiegelt sich die Wajsrheir jene- Selbstbewußtseins ab. Damit fällt dann zugleich auch ein anderer Dahn, der gleichfalls von Mund zu Mund zu gehen pflegt, .als ob der Gott der Israeliten ein höchst beschränktes und parteiische- Wesen sei, welches seinem Lieblingsvolk ^ukr'blinder Liebe zugelhan sei, , den Heiden dagegen nie anders als mit Grimm und Zorn begegne. Eist unglaublich, wie dreist auch in aufgeklärten Zeiten eine Generation der andern etwayorlügen kann, wenn es n,r den herrschenden Borurtheilen schmei-