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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 36 (1862) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
36 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 durch ihr unübertreffliches Talent brn Zuhörera bmitrn wird, entsagen muß." * „Herr Geheimratk," erwiderte Munt, „Sie ei zeigen uns eine außerordentliche Ehre, und meine Frau wird stolz sein, gerade auf Ihre Karre zum ersten Mal den Casaosaal zu betreten." „Ei. lieber Freund, die Mitglieder des Casiio werden sich freuen, die Damen eineso geachteten und -ühmlichst thärigen Mannes unter sich zu sehen. Zn nach ier Woche sollen Sie, Herr Munt, auch einmal nach me ner Villa kommen, die soeben vollständig fertig gewordenum sie in Augenschein zu nehmen, ehe sie bezogen w rd. Sie sollen mir Zbr Urtheil sagen, od ich einen guten Geschmack dabei entwickelt habe." „Ueder die Richtigkeit und Eleganz Ihres G Herr Geheimrath, kann wohl kein Zweifel sein, werden sicherlich abermals ein Muster^ der Fei Pracht vor Ihren Mitbürgern entfaltet haben." „Vielleicht ist es mir gelungen. Zch erwart Vase, die mir, wie mich der russische Gesandte in unterrichtet hat, Se. Maj. der Kaiser im Anl enken an meine letzte diplomatische Sendung nach Petert bürg bestimmt dal. Die Billa har aber auch große Su amen gekostet; und da fallt mir ein, daß ich Sie, € ich zahle meinen Arbeitern stets sofort aus, noch er kleinen Summe von 1200 Thalern bedarf, und Sie ui t dieselbe ersuchen wollte. Zch weiß, daß ich bei Ihnen noch im Rückstand bin; allein in weniger alS' einem Z hre wird schmackes, und Sie heit und noch eine München di« Hinterlassenschaft meines Oheims liquide, und Sie die Kleinigkeit sofort zurückerhalten." Der Banquier verbeugte sich, und sagte „Herr Gcheimrath, ich freue mich. Ihnen zu dien« t, weisen j Sie nur auf mich an, oder soll ich Zhnen die Summe zuschicken i" „Zch ziehe das Letztere vor, lieber Munt. Um drei Uhr bin ich wieder zu Haufe, dann erwarte ii) Ihren Diener." Es wurden noch einige Redensarten gewecisclr, der Gast entfernte sich, wobei eS der Banquier sich niä r nehmen ließ, ihn mit entblößtem Haupte zum Wagen; i geleuen und den Schlag zu schließen. Hierbei blickte er sich stolz nach den geöffneten Fenstern der Nachbarn um. Zn lein Zimmer zurückgekebrt, betrachtete er die vom G deimralh zurückgclassenen Karten, und sprach vor sich hin „Sehr tkeure BilletS, aber wie glücklich werden meine - rau und Hermine sein; was werden ihre Dekannicn saget, wenn sie fallen lassen: GeheimrarhS Wilhelm, haben ins zum Casinoconcerl eingeladen. Mit strahlendem Antlitz trat der Banquier Mustl in den Salon seiner Gattin, bei der er auch seine To hter und. seinen Sodn fand. „Rabel," hob er an, „ich bringe Dir eine große Freude!" „Nun. wa» ist's r hast Du wieder gute Ges hafte gemacht — darüber freue ich mich, aber «S langn ült mich sihon." „DaS glänzendste Geschäft, Radel, und allein ür Dich. Ratde einmal." „Laß' mich mit Deinem Rathen und sage wa; eS ist!" Mit feierlichem Tone und gehobener Stimn e sprach da sollen lächelnd: der Banquier die Torte: „Zwei Billete zum Casinoconcert morgen Abend vom Geheimrath Wilhelmi für Dich und Hermine!" und er hielt die BilletS mit auSgestrecktrm Arme in die Höhe. „Was, für daS Casinocomert? für das Casino, wo nur RegierungSräthe, Professoren und höchste Beamte Zutritt haben? Das ist ja außerordentlich!" Und die kleine runde Figur schnellte vom Sopha auf. l„Lieber, goldener Anschel, zeig' mal die Karten . . . Richtig: Eintrittskarte zum Concerk am 18. November, das Cämile des Casino, eingeführt durch den Geheimen Ober-Re^ierungSrath Wilhelmi, und darunter: für Frau Banquier Munt und auf der anderen für Fräulein Munk!" Auch das Fräulein Munt war herbeigetreten, und ein wghreS Entzücken drückte sich auf dem hübschen jungen Gesichrc aus. Ausrufe der Freude, deS GlstckeS, beS Stolzes folgten aus dem Munde der beiden Frauen. Der Jüngling saß am Fenster und; hatte die Hand mit der Zeitung, in welcher er gelesen, sinftn lassen. Nachdem sich der erste Freudenrausch etwas gelegt, richtete er die Frage an' den Vater: „Nun, Vaters dafür hast Du gewiß tüchtig bluten müssen. Denn umsonst that dies der stolze Mann gewiß nicht." „Was Du von Bluten sprichst. Freilich wäscht eine Hand die andere, das ist einmal so in der Welt. Ader der Wilhelmi ist für mich ein Mann von Bedeutung. Sein Einfluß wirkt für mich. Binnen! Kurzem kommt die Eisenbahn nach P. zur Verhandlung, Und er wird mir bedeutende Vortheile schaffen." 1 „Wenn Du Dich da nur nicht irreÜ, Vater. Die Eisenbahn wird schwerlich genehmigt, da ne vielmehr über G. geführt werden soll, und dann der Gesellschaft in G. anheimfällr. Doch mag e« sein. Ich möchte Dir, liebe Mutter, und Hermine nur calhen, nicht allzu reich geputzt im Casino zu erscheinen, damit der Neid» der gespreizten Frauen nicht allzu sehr geweckt werde." „Was Du nur wieder räthst, ohne ^daß man Dich fragt," gab Hermine zur Antwort. „In girier solchen Gesellschaft muß man doch wohl in feinster Tpiselre erscheinen, damit die feine Welt nicht über uns spöttelet Das überlaß uns nur allein." „Na, Ihr werdet schon sehen", murmelte der Student und verließ das Zimmer ohne so beglückti zu schein.» wie seine Eltern und feine Schwester wärest: E« waren zwei Tage voll Geschäftigkeit und Aufregung im Hause des Banquier Munr. Noch niemals hatte Frau Rahel so viele Besuche hinter einander gemacht, als diesen Nachmittag, und selbst Bekannte, die sonst! von ihr ziemlich übersehen wurden, suchte sie für einlge Augenblicke auk. um ihnen wie beiläufig die Nachriche hinzuwerfen: sie sei mit ihrer Tochter von Geheimraths Wilhelmi zum Casinoconcert. eingeladen. DaS Staunen unl Kopfschütleln, dadiese Nachricht verursachte, schwellte ihr Herz mit Gefühlen des Glücke- .und des Hochmurhes, wie es solche in dem Maße noch nie empftinben. Die übtige Zeit füllte die Berathunz mir einem Dutzend Putzmacherinnen aus und eS wurden keine Kosten gescheut, um die reichsten und elegantesten Anzüge für sie und ihre Tochter herbeizuschaffen. Die Frau Munt legre ihre besten Kostbarsten zu recht, mit denen sie glänzen wollte und der Bapquier lief bei

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