Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 36 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BMMatt i! Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem flrbiete. HeraoSgegeden von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Psou in Bonn. lRo. 3«. 1862.1 Bo» dieser gdtfftrift ertodit ««vnrllich dne Nommer. PrcÜ» de» Jahrga«-4 1 L-lr. «leneljätzdg 7£ Rgr. 9Ue BuLbandlvoqen, Peft2»irr »av Zdl»»g4ervedin»ue» »eh»e» «efteüungen-«».> sA. Hskrg. 3. HvÄrtsI.1 Borurtheile. Sceoen aus dem Leben. Der Banquier Munk war in seinem Comptoir beschäftigt. Er war in der süddeutschen Stadt H. eine sehr bekannte und vielfach gerühmte Persönlichkeit, überaus gefällig, bei allen öffentlichen Sammlungen zu namhaften Unterstützungen bereit, bei allen gemeinnützigen Unternehmungen nachdrücklich betheiligt. Neben seinem Pulte stand ein Mann in den kräftigsten Jahren, eine stattliche Figur, aber mit bleichem durchfurchten Angesicht, dessen Scheitel bereits von Haaren entdlöst war. Er halte den Hur in der rechten Hand und den Kopf gesenkt. Der Banquier schrieb nach einem flüchtigen Blicke auf den Eingetretenen weiter «nd erst nachdem, er seinen Brief vollendet, wandte er sich auf seinem Drehstuhl herum, und fragte, die Feder immer in der Hand behaltend: Was wünschen Sie, Herr Bärwald? Der Angeredete erhob da- Gesicht, und sprach mir einerditrrnden Geberde: „Ich wollte Sie ersuchen, Herr Munt, mir «ine überaus große Gefälligkeit zu erzeigen, indem Sie mir auf kurze Zeit einen Kredit von 50V Thalern eröffnen möchten. Es sind mir in meinem Geschäft mehrere bedeutende Posten, di« übrigenganz sicher sind, wie ich Ihnen Nachweisen kann, auSgebllebea, und da ich einige Zahlungen zu leisten habe, so sehe ich mich genökhigt, einen Kredit nachzusuchen, waS ich sonst ängstlich vermeide." „Ich aber gebe mich ml^ solchen Kreditsachen nicht ab. Grundsätzlich arbeite ich nur mit großen Häusern und ich muß Sie daher bitten, Ihren Antrag ander-wo zu stellen." „Herr Munt, weisen Sie mich nicht ad; Sie retten mich aus einer großen Derlegenheit, und Sie wissen wohl, daß hier außk Ihnen kein Glaubensgenosse wohnt, der im Stande wäre, mir mit einer solchen Summ« augenblicklich unter die Arme zu greifen. Wenn ich nicht zahle, so verliere ich meinen Waarenkcebit und komme, ohne Derschulben, an den Rand des Verderben-. Meine Frau hat mich eben mit dem siebenten Kinde beschenkt, und ein solcher Schlag würde ihre Gesundheit, ja ihr Leben in Gefahr brinqen. Ich stütze mich auf meinen Ruf, alden einethätigen und ehrlichen Mannes, der unbescholten und obne jemals irgend wen belästigt zu haben seit 20 Jahren hier sein Gesckäft betreibt. Auch will ich Sie nicht ohne Sicherheit lassen. Mein Häuschen, daunter Brüdern 2000 Thaler werth ist, ist nur mit 1000 Thaler Hypothek belastet, und ich will gern, wenn Sie ewünschen, Ihre 500 Thaler, die ich nur auf zwei Monate brauche, eintragen lassen." „Ach,* lehren Sie Mich, wie diese Sachen gehn," widerte der Banquier. „Da- Geld wird aufg^effer, die Zinsen werden nicht bezahlt und soll ich dann «twr Ihr Hausubhastire» lassen, und Sie mir Ihren Minderst hinau-werfen? Verschonen Sic mich damit. Gebrauchen Sie aber eine Unterstützung, so stehen Ihnen zehn khaier zu Diensten." Der Banquier griff nach einer Schi edlab«, um «ine kleine Rolle auihr zu nehmen. Ader bei Bittsteller hatte bei den Worten de- Banquiersich ho«» aufgerichtet, eine dunkle Rothe überzog sein bleiche- Gesicht, und mir der kräftigen Faust ergriff er den Arm deSDanquier-, indem er auSrief: „Lassen Sie da- Herr pRunt,, ich bin kein Bettler . . Zimiwrath Sitze, oir in allein. In diesem Augenblicke sprang ein Diener in da« mer herein, und rief dem Banquier zu: „Herr Gehei Wilhelmi fahren eben vor!" Der Banquier erhob sich schnell von feinem stieß die Schiebfada zu, und eilte aus dem Comp sein Empfangszimmer. Der arme Jude sah sich und entfemre sich mit tiefen Seufzern. Herr Munt hatte die Thür« seine- Empfang-z schnell geöffnet ünd trat dem Geheimrath mit vieler lingen und Höflichkeitsbezeugungen entgegen. X eine hohe aristo kratische Gestalt von würdigstem A und mir den fnnstcn Zügen degeistvollen Gesicht Lächeln spielte um seinen Mund, er war ganz Herab und Freundlichkeit. Um den HalS und auf der Deflationen hoher Orden. Bald . und nöchigte den Bauquier dicht lahmen. eben zur Session beim Obtrprä ich noch «in« Viertelstunde Zelt h Ihnen, lieber Runt, vor. Wie geht e< Ihnen? macht Ihre w>irdige Frau Gemahlin, watreib Ihren hoffnungsvollen Sohn, der, idien excellmt macht, der Professor mir von ihm gieiprochtn,..nicht zu vergessen . . . erinnere ich mich eben, ich bin ja hauptsächlich da kommen, morgen Abend ist im Casino ein au-gdze Concerl, wünschen Sie fir Ihre Frau und Tolc BilletS? Wie kann ich zweifeln, da die Kunst ir Familie zu Hause ist. Ich habe Sie daher gleich bracht, und ethut mir nur leid, Ihre Damen adholen und einfllhren zu können, da ich zu jeujer der Regierung beschäftigt bin, und zu meinem,- dem hohen Genuß, den die hier eingetrvffene ©in schimmerten die auf dem Divan ihm Platz zu n „Ich fahre und spreche, da schön« Tochter? höre, seine St i armer« Bück- war : «stände «, ein assuag Brust faß er neben ch!e nicit L'i ad«. sidenlm, bei Was Ihre vl« ich F. har lch, da «am gechneter zwei Ihrer mitgefeldst Zeit in dwefen äeria B. l