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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 35 (1862) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
35 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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139 was du zu thun hast: halte den Mund zu und die Augen, und die Ohren auf. Gat, und wadann? j Dann wirst du schon klug werden. Du mußt sehen und hören, waS die Klugen thun und stwechm, und da» mußt du nachthun, t>i» dir e» zur Gewohnheit geworden; wie sie reden und wie sie schweigen, wie sie gehea, und wie sie stehen; damach mußt du dich richtm, und du wirst immer klüger werden. k Gchmuel dachte lange hierüber nach. Zuerst schüttelte it mit dem Kopfe, dann nickte er mehrere Male, sagte Guten Abend und ging. LI. Einige Zeit darauf kam Schmuel zu Rebd' Eisik, er tritt barsch eia, und wirft sich auf «inen Stuhl. Der GreiS sieht ihm lächelnd zu, und frägt zuletzt, da der junge Mann hartnäckig schweigt: Nun, Schmuel, was hast bu? Ich will einen gutm Rath von Euch holen. ES will mit mir nicht gehen, wie komme ich vorwärts? DaS ist sonderbar, lautete die Antwort. Du bist jung, fleißig, mäßig, und hast einiges Geld: wie soll man da nicht vorwärts kommen? Nun da» ist doch eben die Sache, und dämm sollt Ihr mir rarhen. Wenn- Einer kann, könnt Ihr eS, Rebb' Eisik. Gut, so will ich Euch rarhen. ES kommt nur darauf an, ob du eS verstehst und darnach thuest. WaS sagst du denn zu Hirsch da drüben in der Schildergasse? Der ist und bleibt ein Schnorrer. Und wamm? Er plagt sich früh und spät; um einen Dreier zu verdienen, läuft er die ganze Nacht durch; eine Elle Karma zu verkaufen, bückt er sich vor brr Bäuerin bis zur Erde. Siehst du, er jagt dem kleinsten Verdienste so eifrig nach, daß, wenn er sein Tagewerk üderschlägt, er kaum seine Kosten verdient hat; er verbringt seine Zeit auf lauter Kleinigkeittu, und da wird denn allerdings nichts Großes daraus. WaS sagst du aber zu feinem Nachbar Wolff? Der hat beständig große Rosinen im Sack, wenn man ihn aufmacht, ist nichts darin. Sehr) natürlich. Hirsch hebt jeden Strohhalm auf vom Wege, fchmt den Weg nicht und trägt ihn nach Hause und hat bann nichts als Strohhalm« im Hause. Wolff denkt bei dm Strohhalm an die Lieferung von Stroh an die mssifche Armee, und bei einem FlachSstengel an eine Schifstladuag Flachs nach Amerika. Darüber ist ihm das Stroh und der Flachs au-gegangen. Mein Rath, lieber Schmuel, ist also: häng dich nicht aN das Kleine und denke nicht an das Große. Wenn du arbeitest und handelst, fo thue eS um ein gut Stück Verdienst; laß' dich aber nicht verleiten zu spekuliren und wolle nicht an einem Tage, waS kaum ein Jahr bringen kann. Doch noch Eins. Wie gefallt dir Bär in der Maiengaffe r Der, der mit dem Kopfe durch die Wand rennt? Wie aber sein Nachbar Löwe? Der vor jeder Mücke auSwekcht, und vor jedem Windstoß davouläuft? So thue eS nicht, wie eS Beide thun. Klebe nicht an einer Sach« fest, die nicht gelingen will, daß du deinem Willm durchsetzest und der Welt beweisest, daß harrest; weiche aber auch nicht vor jedem Hindern und gebe nicht zaghaft aAf, wa» auf dm erste, du nicht fertig bekommst. . Da hast du meinen x « Recht ß zurück, Angriff lkarh. . Ein illlgedrucktes Gebiet von Fr. ». Stifnatiia. j Der Dichter Ä .... o. 3t ... . erschien 1H> Jahre 1811 in einer Abendgesellschaft bei Madam S. kevy geb. Jtzig (in Berlin) uneingekaden, wurde von bqn Neffen derselben, dem ältestm Sohne de» Baurath» Jtzig, »ieserhalb angereber, deleldlgtt diesen »nd lehnte, al» er stäter von ihm gefordert wurde, da» Duell ad, weil, wie «c schrieb, eine Versammlung von fledm Frmnden, welche e, befragt, mrschiedm habe, er brauche sich mit einen Judm nicht zu schießm. — Jtzig ging 1813 alS freiwilliger Jäger mit u Felde, in der Schlacht bei Lützen riß ihm eine Kanonen ugel da» rechte Bein fort, er wurde nach Dessau gebrach:, wo er starb und liegt Hort begraben. A. v. Ahat d n Krieg, odwghl damals ln dm rüstigm Mannesjahren, nicht.mirgemachr. Auf diese Geschichte schrieb 1813 der Sraar»- ralh Fr. v. Stägemann folgmde Verse, welche in seiner Handschrift vorliegm. Eine Geschichte: Der Jude fordert dm Edelmann, Der Edelmann, fragt Seinesgleichen, Od er dem Juden möcht' auSweichen? Die edle Jurp also' begann: Dem Judm giedt det Edelmann Mit Kugeln nicht Bescheid, allein mit Peitschenhieben; So steht'» von Beersada bi» dann Von Potsdam bk» Berlin geschrieben. — f Trotz diesem Spruch der edlen Sieben Sind alle beide doch gebliebm! Wie ging da» zu? dahöret an: l — Die KriegStrompete scholl nach hüben und nach drüben, Zu Hause blieb der Edelmann, Der Jub' ist in der Schlacht geblieben.! F. Sk. in Berljin. Die Eitelkeit des Irdischen. Ich la» vor kurzem B p§on 'S „Child Harolkf', diesen düstern Sang, der die Nichtigkeit de» Irdischen, die Nichtigkeit de» Reichthum», der Liebe, de» Ruhme» mit unerschöpflicher Fülle von Bildern ausspricht und — beweint. Wader „Prediger" mit einfachen, aber barmy so ein« dringlicherm Worten verkündet, da» hat der mglisch« Dichter mit allen dichterischem Glanze, mit Kardenschmuck und Gestaltenfülle umgeben. Nun, habm sie Beide Recht? Sind Reichthv», Liebe, Ruhm nichtige, eitelr Dinge, die zur Verachtung der Welt und de- Ledm» führen? Ja, wenn der Reichthum nichtaldm Besitz, den

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