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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 35 (1862) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
35 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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138 bizum Vorgebirge hat sich das alte Bonn gelage t, welches feine weißen Arm« in grüner Gewandung weithin durch die Ebene nach Süden dian den Rand der HLzrl streckt. So läßt es seine eine Seile von den kühlend n Wellen benetzen, die anher« von sanfte« .Hügeln beschai len. Die mäßig große Stadt ist ganz und gar in Gart, n gebettet und sobald du ihre Straßen und Thore verlq seo, siehst du lheiLS neue Straßen, theilzahllose zerstreute! andhäuser alle von Gärten umgeben, alle grün umlaubt und mit wohtgepflegten Pflanzenwuchs bekränzt. Das thur dem Danderer wohl, denn er gewahrt, daß man hier nicht bloß für den Erwerb, sondern auch für den Genu arbeitet, baß da- Wohlgefallen an den Keinen und große» Schöpfungen der Natur geschmackvoll ordnet, sinnig vertheilt. Und diese Südseite der Stabt, die ihr Aagesiht überall auf den Strom und das Siedengebirge richrer, ist ebenso prächtig von der Bauwie von der Gartenkunst zeschmückt. Freilich har hier daalte Kurfürst,athum feine großartigen Spuren hinterlaffen, und zeigt uns, daß die Ze splitterung des deutschen Vaterlandes doch auch nicht ganz ohne gute und tüchtige Folgen geblieben, so daß die fpr tern Enkel von den Schätzen, die in den Händen selbst )er kleinen. Fürsten sich gesammelt, noch lange zehren werden. Da streckt sich in fast nicht zu überschauender Sir it die ehemalige kurfürstliche Residenz, jetzt zu dm Halle r der Wissmschaft geweiht, mit stillen schönen Pavillon- und Corps delogis, mit seinen Portalen und Kuppeln. Vor ihr, der jetzigen Universität, dehnt sich ein unfäng icher Park mit uralten riesigen Baumalleen, deren Laubg wölbe kein Sonnenstrahl dorchdringr, geschieben durch gr ine Rasenflächen, im Hilltergrunde ein architektonisch schöne- Bauwerk, jetzt der Anatomie gewidmet. Linkif der Park von der prächligm Kodleazerstraße begcmzt, l ie ihr« eleganten, von Gärten eingeschlosseneu Häuser in gerader Linie fast dis zum reizmden Godesberg verlaus!rt. Wendest du dich recht-, fo wirf noch am Neuen Lhorr einen Blick in da- Innere der Stabt, wo dir der a te Münster mit feinen schlanken hochaufragenden Mittelt urm, dem mir der Statue Bethovens und Linbenallem, sowie stattlichen Häusem geschmückten Münsterplatz einen halb mittelalterlichen , halb modernen, aber dekorarivm Drospekr gewährt. Du überschreitest die Eisenbahn, und ^«findest dich am Anfang der berühmtm Poppelsdorfer Allee. Zwei gerade auslaufende, einerseits zum Fahren und Reiten, andererseits für die Spaziergänger bestimmte Alleen von alten dichtbelaubten Kastaniendäumen, zwische» denen ein frischer Rastareppich sich breitet, führen zum % oppelsdorfer Schlosse, daim Stple des Versailler gebai t, jetzt wie dieseals Museum dient. Stelle dich in di Mine des Rasens, und währmd du im Rücken das gro »artige Univerfitätsgebäude hast, siehst du vor dir am Schlüsse des reizenden Bildes das Pappelsdorfer Schloß, ül er ihm ragt der Kreuzberg von einer altm schönen Kirche «ekrönt. An das Schloß schließt sich der botanische Gartm der dir die mannigfaltigsten Spaziergänge und von hoher Terrasse die anmuthigste Aussicht bietet, und durch die Fi lle von FloraSKndem und b»e verschiedenartigsten Anpflanzv ,gen, Unterhaltung und Genuß gewährt. Wandelst du eine Strecke die Allee hinab, fo gelangst Vu in eine Seitens lee, die ebenfalls zu beidm Seitm von hübschen und elegar ren Häusern, die von blühendm Gebüschen und Blumenrada ren umgeben! sind, eingeschlossen wird. Fördere nur deine Schritte unter 1 dem dichten Lauddache, und es nimmt dich abermals ein kleiner, aber durch Baumgruppen und Rasen anmuthiger Pack auf, die Baumschule, wo du nach Gefallen und wenig gestört lustwandeln oder dich niederlassen kannst. An der nordwestlichen Ecke de» Parketriffst du auf eine I Gartenpforte. Schreite hindurch, gehe durch den großen; Garten, in den sie hineinführt, vor den Treibhäusern vorü- I der und in daeinfache, von Gewächsen umgrenzte Hau»! — willkommen lieber Leser, auf einen freundlichen Besuch! Kleine Unterhaltungen. i. Rebbe Eisik, wie ist e» gekommen, daß Ihr so überaus Kug geworden? Wenn keiner weiß, was er sagen soll, wißt Ihr es. Wenn keiner weiß, was er thun soll, könnt Ihr ihm einen guten Rath gebm, daß er aujeder Verlegeuheit kommt. Ich sehe und hör' eoft zu, daß mir vor Staunen das Sehen und Hören vergeht. Lieber Schmu,l, so mußt du nicht fragen; sonst könnte e- Einem einmal einfallen zu fragen: Schmuel, wie ist egekommen, daß du so dumm geblieben? Man muß sich im Leben über Nichts wundern, dann halten Einen die Leute für ttüger als man ist. Schon gut; aber ich möchte doch eine Antwort haben auf meine Frage; vielleicht prosilir' ich davon was. E>u sollst sie haben. Hast du denn niemals gehört, was unsre Väter erzählen: Ehe der Mensch geboren wird, ist seine Seele überaus klug. Die ganze heilig« Thauroh weiß sie auswendig, und alle Halahaudazu; sie weiß .Bescheid bei den Lebendigen und den Tobten, bei den Ma» lochim (Engeln) und Echedim (Geister), sie weiß da- Vergangene und da- Zukünftige. Zn dem Augenblicke aber, wo das Menschenkind geboren wird, kommt der Maloch und schlägt ihm auf den Mund, das Kind erschrickt, und har Alles vergessen. WaS Ihr sagt! Nun aber, da wären wir ja Alle dumm und wüßten Nichts. Za, siehst du, da kommt es darauf an, wie der Maloch schlägt und wie da- Kind erschrickt. Ist der Engel in guter Laune, schlägt er das Kind nur so ein Bischen; har er es eilig und ist ihm grausig, trifft er es über den ganzen Mund. Ist das Kind stark und kräftig, so läßt es sich nicht in Furcht setzen. Und so kommt es, daß der eine Mensch etwa» von seiner Thauroh behält, oder sich leicht wieder daran erinnert, während bei dem Anderen Alles rein weg ist und bleibt. Schmuel kraut sich hinter dem Ohre und sagt: Da hat der Maloch bei Euch gnviß nur an das Mundwinkelchen gerührt, während er mir mit der vollen Faust über daganze Gesicht schlug. Wie muß ich, arme- Ding, da verschrocken gewesen sein! Nun, da ist denn einmal nicht zu helfen. Nicht so rasch, lieber Schmuel. Siehst du, wenn der Engel auf den Mund schlägt, schließt sich dieser, aber die Augen springen auf, und sind von dem Augenblick an den ganzen Tag offen; und ebenso hat der liebe Gott offene Ohren dem Mmschen an den Kopf geseßt. So weißt du,

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