Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 35 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. 3»* Belehrung und Anterhattung au " Hetziete. Heravsgegeben von *, . Rabbiner Sr. Ludwig Phtti-Psou in Bonn. | lNo. 35. 1862.] «e« dieser Zntlckrist eeschet-1 wtcheuUtch ei»e Nv«»«e. Preis de« Sah»» . gaog« » Lhlr. Bieneljährig 7 U «,r. AI« vuchda»»!»»»«». $e|Uatci an» Aeitangservediliönen at»«tca Veste0a«Le« an. I [9. ArKrg. 3. Quartal,] Gmß au meine Leser. Fahre den grünen Rhein hinauf und hinab, lieber Leser! Ist es doch, als ob Deutschland seine reizendste Land» schaft an sein« westlich« Grenze verlegt, als ob die Jungfrau Germania sich mit dem lieblichsten Gürtel geschmückt hätte, um die untergehende Sonne zur baldigen Wie» verkehr anzulocken. Wie brr mächtige Strom seine grünweißlichen Gewässer unerschöpflich Welle nach Welle dahinsender, umgebe« bald von lachenden Ebenen und Thälern, bald von bewaldeten Bergen umkranzr, bald auch von grauen Felsen beschattet; überall haben sich uralte Städte und Dörfer an seine Ufer gelagert. Die Reize der Natur, die Füll« der Geschichte und der emsigste Gewerbfleiß baden sich vereinigt, diesen herrlichm, langgestreckten Gau der deutschen Erde zu schmücken, mit Leben und Interesse anzufüllen. Und es ist dem Strome schwer gemacht, seine Fluthen durch das feste Land nach Norden und Westen zu senden. Bald legte sich ihm ein felsiger Querriegel vor, den er theils sprengen, theils üderdranden mußte — und hier war es, wo die kunstreiche Menschenhand ihm Erleichterung schaffte, die Klippen abstieß, das Bett erweiterte — bald muß er m unaufhörlichen Windungen rechts und links, rückwärts und vorwärts purch die Felsen und Berge den Weg sich bahnen; aber überall hin begleitete ihn der strebsame Mensch, baute sich an seinen Ufern an, machte die Schluchten und Klüfte selbst urbar, trug auf Kopf und Schultern die Dammrrde und den Dünger auf die Terrassen und Scheitel der Klippwänd«, bepflanzte sie mit Edelreb« und wandelt« selbst dle Wildniß in einen lachenden Garte«. Was Wunder, daß da ein rüstiger und fröhlicher Menschenstamm wurzelte, der der lohnenden Arbeit die Stunde des Becherklangs und Gesanges folgen läßt, und mit Heiken», offnen Sinn dem herwallenden Fremdling entgegentrin . . . Du hast, mein freundlicher, theilaehmeader Leser, schon längst einen Gruß aus neuem Wohnsitz erwartet. Habe ich dich doch früher schon oft genöthigt, mich auf Sommerausflügea zu begleiten und mit mir einen Blick in die verschiedenen, an Reizen so reichen Landschaften des Vaterlandes zu werfen. Wie sollte ich nicht hon der Stätte aus, von welcher ich mit Gotte» Hülfe noch recht oft Dein« Hand im Geiste zu ergreifen und Dich auf Pfade« der Gedanken zu geleiten wünsche, ein Wort der Begrüßung an dich richten, daß du dich etwas heimisch fühlest bei mir und um mich- Hier hast du es nun, und so recht aus vollem Herzen und mir der ganzen Innigkeit, di, wir all uns unter einander gewohnt find. Ist es zwar im Grunde esu uns wenig gewogener Sommer gewest», har er immer und immer wieder kalte und feuchte Westwinde über uns her geschüttet, jetzt uns den blauen Himmel mit schmutzig grauen Wolken verhüllet, dann wieder aus diesen unendliches Wasser über uns ergossen, und wenner wirklich ein Mal der Sonne gestattete, ihre scharfe» Pfeile abzufchießen, gleich wieder seinen grollenden Donner und seine zackigen Blitze aussandte, welche neuem, dauernde« Unwetter zur Einleitung dienten. Doch wer weiß es nicht, daß gerade bei wechselndem Geschick die kurze und stets bedrohtt Freude um so willkommner ist, und daß der seltenere Genuß mit desto kräftigeren Aügm eingeschlürft wird. Und so wollen wir nicht zu genau rechnen, und selbst für dl« geringere Aahl von Freudensagen und Feierstunde» dankbaren Herzens sein.! . Kommm wir von Rortzosten oder Rordwesten her, und nähern uns den ersten Vorposten der Gedirgsnihen, welche der Rhein von Mainz aus zu durchschneide« har — oft genug mag er heimlich derstlden spotte», wenn er der schneebedeckten Riesen gedenkt, auf deren Scheitel er aa's Licht des Tages dringt, an deren Seite» er sich in jugendlichem Uedermuth« himmterstürzt, durch deren Flußgestelte er mit unwiderstehlicher Kraft sei» weichen Wellen drängt, wie er dann sich zu einem großen See erweiten, und, auch diesen hinter sich lassend, von einem breit« Felsturücken hinunterjagt in tiefe» Fall, und als wäre Nichts geschehen, ruhig weiter wallt — kommen wir von Nordostm oder Nordwesten zur erst« Bodenerhebung; so gewahre» wir «in breites Thal, das rechts von einem grüne» Bsrgebirge, links von einer Hügelkette umschlossen ist, welch« sich im Hintergmnd an ela hier stattlich erscheinendes, vielköpfiges und mannigfaltig gestaltetes Gebirge aufchließr, das Siebengebirge. Der Rhein schneidet das letztere von dem Vorgebirge g«radezu*ad, nicht oh»e an feinem ttchten Uftr einen starren hoch auffteigenden Fels, den Drach«»fels, an seiner linken einen kantigen Berghaog, welchm die Ruine einer Burg in schönen Bogen zierte Rvlandseck, stehen zu lassen. Alle» in diesem Thal« ist grün; wohin du blickst üppigen Pflauzenwuchs,. Gsrten, Park, wich« Flure«; den Wald hat der Mensch aüsgerodtt, und nur hle und da ei»en Fleck Erd« damit bestanden gelassen, dafür aber hat er mit Fleiß und Kuast die Fülle der Pflanzen ausgedrerter, und sie sinnig und g«sch«»ackooll zu Fluren und Sätte» grup» pirt. Das Auge hat hier Alles was es erfreut und tr» götzr, wenn such nicht mit großartigen und romantischen Bildern gefüllt. Quer durch dieses Thal nun vom Strome \