Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 34 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 135 vier Gemeinden der Grafschaft) am 9. Fedr. 1764 von Clemens XIII. ei« Derdot, den Israeliten Kinder unter dem Vorwand,, sie i» der christlichen Religion erziehen zu wollen, zu nehmen; vergebenverschärfte PiuS Vl. am 6. März 1776 daS Derdvr, selbst bei Körperstrafen (Galeere für die Männer und R»thenp«itsch«n für die Frauen), die jüdischen Kinder zu raufe!, oder sie unter dem Vorwände der Taufe wegzunehmen, nicht« konnte die Israeliten der Grafschaft den verbrecherischen Angriffen entziehen. Schon 1778 hatte die Jaqmfitivn von Avignon ein achtjährig»« Kind aus den Armen feiner Mutter, einer Frau Jakob, reißen lassen, indem sie behauptet, dieses K,nd sei von serner Amme gerauft. Unser junger Joseph erlitt daS nämliche Schicksal und wurde seinen Eltern trotz ihrer Einsprüche erst zu der Zeit wieder gegeben, als die politische Glenhst.llung seiner Glaubensgenossen proklamirt wurde. Indessen hatte der fast fünfjährige Aufenthalt in einem Nonnenkloster seinen Geschmack und seine Sitten verdorben. Man machte aus ihm einen faden, galanten und schmeichlerischen kleinen Abbe. Man nannte ihn den „Fröhlichen von St. b'Acre" und den „Freund", Namen, unter welchen er mehrere seiner Werke veröffentliche. Als er in da- Vaterhaus zurückkehrte, war er fast zu gar Nichtmehr zu gebrauchen. Indessen wurde er in den Bureau'S der Präfektur brr Aube angestellt und versuchte selbst, unter der Redaktion einegewissen Lrouve ein« Zeitung in Carcassonne herau«- zugeden. Ader der lebhafte Geist, mit dem die Natur den jungen Moss«; begabt haue, vertrug sich nicht lange mir Büreauardeiren. Begeistert für die Frauen fing er an, sie zu feiern und zu besingen. Er ließ sich ,n Parinieder und veröffentlichte dort in den Jahren 1868-1811 mehrere Gedichtsammlungen und ein« Bertheidigung deschönen Geschlechtes. 1812 lieferte er dem „Merruce de France" Artikel, aber seine verliebten Neigungen, die bei ihm sehr heftig waren, ließen ihn ein lange- Studium über di« Kunst zu gefallen und zu fesseln, über die Kunst, die Schönheit zu bewahren und zu erhöhen, über die Kunst, die Liebe der Frauen zu erwerben, über di« Kunst, seinen Lebensunterhalt' zu gewinnen, und über di« Kunst, eine Frau zu währen und glücklich mit ihr zu sein, unternehmen. Die Kunst, die er in jeder dieser Gebiete anwendete, wurden bald bekannt; er zog aber zuerst Nutzen daraus. Eine junge hübsche Engländerin bot ihm ihr Herz und ihre Hand an, er wurde Möbelhändler und gewann seinen Leden-unterhalt auf einträglichere Weise. Jetzt konnte er sich nach Belieben seiner Neigung fir die Schriftstellerei widmen. 1819 veröffentlichte er die „Pariser Chronik"; 1829 und 1821 da- „Archiv für Wissmschaft und Künste"; zu derselben Zeit vertheidigte er seine Glaubensgenossen gegen die fanarischen Angriffe de- Abdö de Lameoais. Eine schreckliche Krankheit, dl« er sich im Kloster zugezogen., schwächte seinen Eifer für di« Literatur nicht. 1822 veröffentlichte er ,^kreuz- und Querzüg« durch die SalonS und öffentlichen Orte", dann über „Buchhandel", und dann „EuchariS oder üde» die Gefühle" 1824. Im Anfang« de» Jahres 1825 war er schon fast unrettbar und von den Aerzren fast aufgegeden, alS er sich, am 21. Febr. 1825, zu gleicher Zeit mit feiner Frau, der Eng, länderin, durch Kohlenbampf erstickte. Er stand damals in feinen fünfundvierzigsten Jahre, aber sein Körper ibar völlig geschwächt und abgenutzt, sein Gesicht fast erloschen. Die Blutbeschuldiguug, einst, eine Anklage gegen die Christen. Bei dem Vielfachen und Vielfältigen, waS Zeit wieder lüber uns gegen die B lutbeschuld schrieben wurdet, dürfte manchen Lesern diestS Blattes die Mittheilung nicht uninteressant fein, daß in in neuester, gung geben ersten Jahrhunderten der bürgerlichen Zeitrechnung auch die § h r i st en, und namentlich deren Priester, beS Kindermordes resp. de» Genuss,« von Menschenblut sind bdzüchrigt worden. Von keinem Andern als von ihren bittersten Feinden, den damaligen Heiden, ging diese Beschuldigung auS, obfchon sie OrigeneS») so gern dm Inden in den Schuh schieden möchte. Nach seiner Behauptung sollen „gleich bei der Ausbreitung de» Christenthums lue Juden da« Gerücht auSgefprengt haben, daß di« Christ«» bei ihren geheimen Mahlen bas Fleisch eint« geschlachtttrn Kinde« äßen, dessen Blut tränken u. dgl. m." — E» war indrß OrigeneS zu dieser Aufstellung durch keinen Andern i«l« den epicuräisch-heibnischen Philosophen Cel/u^Sverleitek, der unter Hadrian, und von diesem geschützt, efne Schrift verfaßte und verbreitete, mittelst derer er — iwie unsere Quelle») sagt — „den alten Haß und die alten Dorurtheile gegen da- Christ,nthum und die Christen im'Volttdewußtsein rege zu erhalten suchte", und in welker er auch „einen fanatischen Juden anführte, dem er! die gröblichsten EchmShreden gegen Christus und da« Christ,nthum in den Mund legte." CelfuS, der zweifelSohnf den damals so allgemein bekannten Haß der Juden ^grgen da» Christenthum nur als Unterlag« für seinefeigenen benutzte, hatte durch den Inhalt der gedachten Schrift jedenfalls so viel bewirkt, daß man einen großen Aatheil an der Autorschaft der letztem vielseitig dm Juden zuschrieb. Begründer wurde diese Zumurhung niemals. Was aber die „Blutdefchuldigung gegen die Christen" anlangt, so wurde später sonnenklar bewiesen, daß selbige nicht in jüdischen sondem einzig in heidnisch en Kteisen ihren Ursprung harte. Selbst OrigeneS sah nachmal» feinen Jrrrhum eia, und was später von ihm, so wie von vielen seiner Zeitgenossen und Nachfolger, zur Abwehr gegen dieBlutdeschuldigung vorgebracht wird, dhS ist einziglund allein wider di« Heiden gerichtet. — Wie lange die Blutdefchuldigung gegen die Fristen bestanden, und wann und wodurch sie endlich völlig unterdrückt worden, da« dürfte sich wohl schwerlich nachweism lassen.' Daß sie aber epistirt har, geht auS vielen Stellen von, in jmen Jahrhunderten verfaßten, Schriftm nur zu deuZich hervor. Einige dieser Stellen mögm hierauSzüglich ihren Plkatz finden. 1) Worunter dem, aus der Feder des Redakteur« diese« Blatte« Geflossenen (vergl. die trefflichen Leitartikel in Lehrern der letzten Nummern „der »llg. Seit. d. J-d.") unstreitig da« größte Lob, da« meiste Verdienst gebührt. : 2) geb. 185 zu Alexandria, gest. 254 zn Tyru«, der gelehrteste Apologet der alten Zeit» namentlich durch da« Werk Origenea contra Celatun sih, berühmt. 3j Geschichte der christlichen Kirche während der erstcu-drei Jahrhunderts (Verl. 1850). ,