Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 34 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
- Origen 1× ep/1025440
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— 136 — So sagt Ter tullia n *), einer der bedeutAdsten Apologeten des ChriüenthumS, in seinem „Buch an die Nationen"*) u. A. wie folgt: „Unsere ger> »gen Abendmahlzeiten, die ihr so schrecklich verleumdet, US begingen wir bei denselbeuKlndermo rv und rriebenBl itschanve, sind wahrlich nichts weiter als unschuldige Zusa nmentünfle, und schon ihr bloßer Name „„LiedeSma )le"" sollte .auch über ihren Zweck belehren, daß nämlich die'Liebe, die Heilige, die Hauptsache bei uns sei; der n bei diesen Mahlen erquicken wir die Armen u. s. w." Und ein Anderer, der Apologet Arnabi u 5): „Mehr jedoch denn AlleS, wa« ihr gegen uns aufdring l, zeugt eure Anklage gegen unser, Sittlichkeit von der Berk, hrtheit eures Sinnes und Verstandes. Ihr bedauprer von i nS, daß wir «in Kind, mit Mehl bedeckt, dem vorletzten, d r in unsern Gottesdienst eingeweihet werden solle, eS bann durch Mühe umdrachtcn, fein Blut leckten und das Fleisch sammt den Gliedern aufäßen. Auf solche Anklagen, so ih: selber nicht glaubet, läßt sich eigentlich gar Nichts erwi 'dem. Ihr habt diele abgeschmackten Thorheiten schon of wiederholt, doch niemals noch ist'« euch'gelungen, einen 4 beweis dafür zu führen. Daher fordern wir mit Recht, beweiset eS u. f. w." Uno Mi nuciuS Felix*.: (ebenfalls gege > die Anklage .der Blutschande und dcS KindeSmordeS). „T er Keuschheit befleißigen wir uns alle. Biele von uns Halle i eine strenge Jungfräulichkeit dis, zu ihrem hohen Alter k Und waS daö Andere betrifft, fv frage ich: Wer ist , da; : gekommen, wenn ein ^M^Meschlachlet Kind gewinsrlti D über eure Berstocktdeit!" Und noct^mnnal LertullianuS^): „Bei uns. wo der Mord schlechterdings verdoten ist, darf selb i die Frucht nach der Empfängnis nicht vernichtet werde r, und wir sollten Kinder tobten i Wir'enthalten uns bei u fern Speisen des Genusses von Tbierdlur, und wir sollten Menfchendlut trinken und bieß noch dazu als einen Gottesdienst betrachten l. Wir, die wir nicht gern der gesetzlichen Hinrichtung eines zum Tode Bemrrheilren beiwohnen sollt« \, mit kalter Hand ein Kind, ein unschuldiges, mordend" Und endlich EusediuS, der Vater de: christlichen Kicchengeschichte^): „Die wildesten und dardaci chsten Nationen werden sanft, milde und gesittet durch das Evangelium. Die Scy then essen kein Menschenfleisch ml hr, weil das Wort Christi auch in flir Land eingedcungen. sageten enthalten sich deS Mordes, der Blu schände, weil sie daS Wort de- Heiles erfahren haben. DaS ist die Frucht des Evangeliums— und bei uns selbst sollte diese Frucht nicht den gesegneten Samen trag«?"*) In gleichem Sinne, gegen die gedachten i ln klagen und 1) au« Karthago stammend, 140—220. - 2- Cap. 17. 3) Apol. Aruob. Liber III. 4) Der;u Anfänge de« 3. Jahrh. lebte und l essen, in Dialogischer Form geschriebene Apologie gewöhnlich „pctavius“ genannt wird. 5) Text. Cap. IX. 6i 270—340, dessen, bi« 324 reichende«, GespichtSwerk von Rufino« übersetzt und bi« 395 fonaeführt wurde. 7) de praep.’Evang. Cap. IV. Die Mafdie heidnischen Ankläger, äußern sich L ac t o n t i u-l * 3 4 5 * 7), C y - prian*), OrigeneS, der Märtyrer Justins, ferner der unbekannte Verfasser deS Briefes an den Diognet*) u. a. m. Man wird leicht hieraus erkennen, daß die Dlutbeschuldigung. welche spater von Seiten der Christm auf die Juden gewälzt worden, ihren Ursprung lediglich in dieser gegen die Christen von best Heiden gerichteten Anklage gehabt hat, wobei sich wahrscheinlich die Heiden an ein Gerücht über die Bedeutung deS Abendmahls gehalten. WaS aber die Kirchenväter gegen die Heiden zur Verthekdigung aus» sprechen, ist eS nicht Wort für Wort auch fü^unS geltend zu machen? Frankfurt a. d. O. Louis Weyl. Curiosa. In einem Städtchen bei Frankfurt a. M. gerielh unlängst ein Rabbiner (Frommer) so in Eifer, daß er auf der Kanzel von — Donnerkeile sprach. Doch eS ist jetzt eine Welt, die gar nicht mehr Furcht besitzt, weder vor den Bannstrahlen des Vatikans noch vor den „Donnerkeilen" eines finsteren Rabbiner-. — In No. 1. der diesjährigen „Gartenlaube" wird von den Menschen fressenden Fidschi-Insel-Bewohnern erzählt. Ein englischer Jude NamenS Danford aber erhielt dort nicht allein sein Leben, sondern auch Schätze und die Würbe eines wirklichen Geheimraths de« Häuptling-, da er durch sein Erzählerralent tc. sich die Zuneigung deganzen Volkes in hohem Grade erwarb. — Reichthum der Familie Rothschild in Paris. DaS Jew. Chr. rheilt nach dem „Musieo di Famiglia" mit, daß dieses Haus allein im Jahre 1828 dreihundert Millionen FrcS. besaß; die Bilanz von 1801 schloß aber mit einer Milliarde — das ist 1,006,000,000 FrcS. — was zu 5% eine JahreSrenre von 50 Millionen, mehr als 4,000,000 pro Monat, 150,000 Frcs. täglich macht. 1) in Italien geboren, spater am Hofe Constantins d. Großen, wegen seine« reinen Latein gew. der „christliche Cicero" genannt, durch sein Werk: Institutionen divinae besonder« berühmt. 2) geb. 200 in Carthagv, hingerichket 258. 3) geb. 89;u Neapoli«, enthauptet 165 in Rom. 4) ebenfalls zum -schütze und zur Dertheidigung de« Christen» thum« geschrieben. Allgemeine Zeitung de« Jndenthum«. Ro. 33. 1862. Leitende Artikel: Die Mawin«, eine jüdisch-türkische Seele. — Der Sieg der Ultramontaaea im Aargau. — Denkschrift israelitischer Lehrer Westphalen« und^der Rhrinprovin;. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Au« Baden, Dre«deu. Oesterreichischer Kaiserstaat: Au« Galizien, Rikol«burg. Rußland: Warschau, Warschau, Milau. Mexiko: Mexiko. S3T Zu btziehen durch jede« Postamtunbjede Bachhandlung. Jährlich 3 Thäler, vierteljährlich % Thaler. Leran »erlag »o, Baamgäxr,«« wörtlicher Redacteur I. H. Lüder. i vmShandlaog t« Leipzig. — Druck vo, G. Srevliug io Leipzig.