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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 34 (1862) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
34 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 schrift nach der andern voll Verleumdung m d Haß erschien, man bezeichn«« meine Lehre alS den vei -erblichsten Skepticismu« und Atheismus, man denuncic e mich der; der Legierung, man intriguirte gegen meine j uhöcer bei den Prüfungen. Die Behörde verbot mir die öffentlichen Vorlesungen, verhängte eine Untersuchung über «eine Collegia , unterwarf meine Schriften einer strenc m Censur. > Die Wirkung blieb nicht aus; meine Dorlesun. »n wurden | bald immer weniger, zuletzt gar nicht mehr »«sucht, ja. meine Standesgenossen vermieden mich, und b e einheimi- , fchen Zeitschriften versagten meinen Arbeiten die Aufnahme. Dies blieb nicht ohne Einfluß auch auf meine häuslichen Verhältnisse. Meine Ehe war kinderlos, und neine Frau ' suchte dafür eine Entschädigung im gesellschaftl chen Leben und im Prunk. AlS hierzu meine sehr geschm, lerten Eifl-! nahmen nicht mehr auSrrichten, und ich sogar i r Schulden gerieth, verbitterte sich das Gemüth meiner Fr lu, es kam zu Zwistigkeiten, sie warf mir meine Abstammung vor, und daß ich tue Ehre, die sie, die Tochter eiieS hochgestellten Mannes, mir angethan, mit Acmurh md Ernie- | drigung gelohnt hatte; mein verwundeter Sro; blieb ihr; die Antwort nicht schuldig, dis es zu einer völ igen Trennung kam, einer Trennung, welche meine Z einde nicht unterließen, um mich auch als ein sittliches U »geheuer zu brandmarken. Nicht lhnge, und die Kabale rreichte ihr endliches Ziel, indem sie von der Regierung.1 ine Entfernung auS dem Amte mit Belassung einer kac« sichen Pension erwirkte. So lebte ich vereinsamt, von all n verlassen, ich, der frühere Gegenstand vieler Schmeichelei, von Allen gemieden, der Gegenstand der Verachtung. Lauge Zeit hielt mich mein Stolz aufrecht, und steifte sch auf den Werth und die Richtigkeit meiner philosophischen Lehre. Aber auch dieser sollte brechen. Von allen Seit n bekämpft, und ohne Möglichkeit, meine Gegner zu wide legen, stieg in mir allmälig der Zweifel an meiner eigenen Anschauung in mir auf. 3" einer stürmischen Mitternaät, nachdem ich Tage und Rächte ruhelos mit mir gerung«!brach der Gedanke in mir durch: wie? wenn der Zweif l das Endziel des philosophischen Denkens ist, muß d, nicht auch die Konsequenz der Zweifel am Zweifel sein? nuß an den Zweifel des richtigen Erkennensich nicht auch der Zweifel über die Richtigkit des ZweifelnS reihen? £ * stand an der Vernichtung des Denkens überhaupt, ich fand an der Gruft des Geistes. Wie mir von der Zeit an zu Muthe war! Ich ging von dem neuen G danken, die ganze Kette meiner bisherigen Ergebnisse durch t und Glied nach Glied fiel von ihr ad. In der unselig, n Verzweiflung , die mich ergriff, da stieg endlich das Bild unsres verklärten Vaters in meiner Seele auf. Z«l bannte eS vor meiner Phantasie; ich hörte seine Worte, ich sah sein Thun und Handeln wieder, mit ungeahnte Treue rief mir die Erinnerung Alles von meiner ersten Kindheit bis gu meinem lehren Scheiden von ihm in die Erinnerung zurück. Da war Alles Sicherheit, Festigkeit, l eberzeugung. Ich griff nach der Bibel; ich las sie wieder und wieder; ibr schlichter, einfacher Sinn, gepaart mit de! Kraft und Innigkeit des Ausdrucks, fesselte mich und re« le alle alten Bilder und Ideen, an denen meine Jugend ich herangebildet, wieder auf. Ich erkannte, daß das a leinige Vorgehe» und die unbeschränkte Forderung der 8 lernunft den Menschengeist in das Unmögliche führen muffe, und zur Selbstvernichmnq den unvermeidlichen Pfad schreite, daß das Herz und die Geschichte, die Ueberlieferung und Entwickelung der Geschlechter ihre völlige Gleichberechtigung haben, und daß nur diese drei in ihrem Vereine dem Menschengeiste eine eigentliche Basis geben. Allerdings ist dies eine Unvollkommenheit unsres Geistes, und wird das Endresultat immer mangelhaft machen; aber er ist einmal darauf angelegt, und diese vom Schöpfer gewollte und durchgeführte Anlage kann ungestraft nicht verlassen und verletzt werden. Ich erkannte, daß das Zudenthum allein eS sei, welches diese dreifache Basis zu seiner Grundlage gemacht, daß eS dämm unverwüstlich sei, daß eS darum zur Quelle aller gegenwärtigen und aller zukünftigen Religion geworden und befähigt fei. So war mir der Rückweg gegeben, auf dem ich mich retten konnte. Dieser Rückweg führte mich auch zu dir, mein Bruder. Wie es von unsrem Urvater Abraham heißt: er war gesegnet an Allem, so muß ich von mir sagen: ich habe Schiffbruch gelitten an Allem. Aber auf den Trümmern meines Fahrzeuges schiffte ich mich ein, um den Weg zur Heimath zurückzufinden — da bür ich." Ich brauche Dir, Freund, das Weitere nicht zu schildern. Beuedir und seine Familie nahmen den zurückgrkehrten Bmder mit voller Liede auf, umgaben ihn mit der lautersten Zärtlichkeit und halfen der Zeit, seine schmerzhaften Wunden allmäsig zu heilen. Von seinen Lippen hörte ich den Spruch: „Mehr Recht als die Erkenntniß hat die Liebe." Joseph Marq Moffe, ein Opfer der katholischen Proselytenmacherei. (Nach dem Französischen aus dem ^reh. jsr.) Joseph Marq Moss«, Verfasser vieler Schriften, wurde um 1780 zu Carpentras geboren, einer Stadt des Departement von Bauclufe, die ehemals die Hauptstadt der Grafschaft von Venaissin war und dem Papste gehörte. Er war der Sohn eines „Baylon" oder Vorsteher der israelitischen Gemeinde, eines Mannes, der sich sowohl durch sein Vermögen wie durch die glänzende Erziehung auSzeichnete, die er seinen Kindem gab. Gabriel Mosse, der älteste Sohn, war der zweite Israelit, der zur polytechnischen Schule zugelassen wurde; er verließ sie im Jahre 1801 als Brücken- und Wegedaumeister und starb als Oberingenieur über Brücken- und Wegedauten. Derjenige, über den diese Bemerkungen handeln, war der jüngste Sohn. Er zeigte von seiner Kindheit an eine entschiedene Neigung für das Studium und eine große Leichtigkeit im Versemachen. Seine Fortschritte waren so schnell, daß er zu sieden Jahren die schönsten Scenen aus der„Athalie" auswendig wußte und mehrere Partieen des „Telemach" in Versen nachahmre. Dieser frühreife Verstand d«S jungen Jsraelsten erregte die Eifersucht des katholischen KleruS; er wurde 1787 feiner Familie, auf Befehl des RekloratStaazlerS, entrissen und gewaltsam getauft. Zu dieser Zeit war es in der Grafschaft hinreichend, um ein israelitische- Kind gesetzlich seinen Eltern zu entreißen, daß der erste Lest^ versichert«, eS getauft zu haben. Vergebenerreichten die vier jüdischen Universitäten (die

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