Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 33 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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oder die Anleitung zu der Sage. Allein Nichts, gar Nichts war da zu finden. Um inzwischen -nichtversäumt zn haben, that ich noch einen anderen Schritt. Ich wendete s mich auch an da- Archiv, worin die älteren holsteinischen Urkunden von 1730—1763 nun aufdewahrt find, und verlangte, daß eine Untersuchung möchte angestellt werden. Von diesem Archive erhielt ich erst gestern die Mittheilung, welche ich Ihnen hiermit in Originalk, unterzeichnet von dem Bevollmächtigten des Archive-, Secretair Klein, übersende. Sie werben bemerken, daß auch diese Untersuchung kein anderes als ein negative- Resultat ergeben Hai. Mir einem solchem muß man sich oft begnügen und hier ist eS ein sprechendes. Ich weiß keine andere Stelle, wo man mit dem geringsten Anscheine von Wahrscheinlichkeit noch nachsuchen könnte, und ich bitte Ihnen diese Bemerkungen anzunehmen als ein Zeichen von meinem guten Willen und von der Hochachtung, womit ich die Ehre habe zu sein Ihr ehrerbietiger C. S. 101 a t r. Copenhagen, Königl. Gch.-Archiv d. 25. Sepkbr. 1661. An den Herrn A. D. Cohen, Prediger bei den mosaischen Gemeinden im Herzrh. .Schleswig, Ritter vom Dannebrog in Kriederichstadt. ' » * DerOber-RabbinerJonathan Eibenschütz hatsich in keiner von den an den König Friedrich V. eingegebenen Derthei» digungsschrifren sich auf die ihm event. vergönnte Erhebung in den Adelstand berufen. In einer Einlage vom 20. August 1752 in dem Streite angehend „die Amulette" sagte er unter anderem: „Der Allerhöchste Gnade womit Allerhöchst Dieselbe meine Vorfahren im Amt und bisher mich selbst zu meiner devotesten Verehrung begnadigt haben" .... aber von einem Titel als „Baron" ist da keine Rede. In den Königlichen Reseripten ist Eibenschütz niemals als Baron titulirt worben. Das schleswigsche Ministeriums- Archiv - Büreau d. 24. Septdr. 1661. Klei«. * * Es ist also hierdurch bewiesen, daß die Baronisirung tz's nicht allein wie der geehrt« Herr Verfasser selbst in seiner Anmerkung zu genanntem Capitel etwas Zweifelhaftes, sondern auch factifch nur eine geschichtliche Fadel ist. — Jl. Cohea. Friedrichstadt d. 1. Novbr. 1861. Eine Nacht im Aargau. Bon einem Durchreisenden. Gestatten Sie mir, Herr Redakteur, Ihnen eia Legegniß mit wenigen Worten zu schildern, das wir unvergeßlich bleiben wird, und welches^ so betrübend auch seine Veranlassung, au wildromantischer Schönheit reich war. Ihre Leser werden aus den Berichten insbesondere der Allg. Zeitg. d. JubenthumS, von den Bewegungen Kenntniß haben, welche ein Schweizer Cantoa Aargau in Folge der vom Regierungsrarhe desCanrons vorgeschlcgenen und' vom Große» Rath« angenommenen und mit de n 1. Juli in Kraft getretenen Gleichstellung der Juden 1 iattfanden. In vieljährigem Ul^muthe über ihre zursickgedräng e Stellung und den völlig verlorenen Einfluß nahm die uliramontane Partei diese nicht einmal unbedingte Bessersellung der Juhen zum Vorwände, utn mit. gewohntem Eifi rund ohne Scheu vor den anzuwehbenden Mitteln das Noik gegen den Großen Rath aufzuchiegeln. Beweggründe zur Unzufriedenheit finden sich bekanntlich in der Maf e zu aller Zeit und unter jedem Regime, und so gela'r g eS jener Partei mehr al» 9000 Unterschriften für die Aufforderung, die Abberufung des Großen Rarhes einer Volkosti nmung zu uarerwerfen, zu gewinnen, wodurch diese nach l em Gesetze vor'sich gehen mußte. Am 27. Juli fand di- Volksabstimmung statt, und die gute Sache unterlag. Ich befand, mich auf einer Geschäftsreise durch di« mittler Schwei;,: und das Schicksal führte lmich gerade an 'diesem Tage nach Endingen, dem bekanntta Hauptwohnorte der Juden in. der Schweiz. Ich logirlr mich bei einem GeschiäftSfremche rin, der mich freundlich willkommen geheißen. Das Haus desselben befindet sich gechbe in dem von Christen viel bewohnten Theil des DorsleS und ihm gegenüde^ liegt da-i Bierhaus, der Sammelplatz der ganzen Patteis Abends, als eS anfing dunkel z» werben, bespannte« die Versammelten unter Jubel zwei große mir Fahnen »geschmückte Wagen, die schwer mit crocknem Holz beladen r raren, diese wurden unter Gesang ui^d Geschrei nach zwei i ahen Bergen gefahren und dort erhoben sich bald zwei mächtige Freudenfeüer, die «eit ins Land hineinleuchtete,, und die Berge widerhallten von dem fortwährenden S hießen. — Um 10*/, Uhr waren sie noch nicht zurück unl wir legten uns von der Hitze des Tageermattet zu Beitt. Kaum war ich aber eben eingeschlafen, so weckte mich ein tagesr heller Schein im Zimmer und ein fortwährendes Schlagen au die Thür.» Im erste» Augenblick nicht anders vermuthend,!alö baßchas Haus i» Brand stehe, war mei» Schrecken sehr grvß, bald aber übepzeugten wir uns, daß die Helle von den haushohen Hotzfackeln herrühre, mit denen das Volk aus allen umliegenden Ortschaften unter gräßlicher Musik und Lärm herbeiÜromte, um da- Fest! mit allen Gesinnungsgenossen gemeinschaftlich zu feiern. Don diesen Tumult kann ich kaum sagen und von der entsetzlichen Angst, die jedes arm« Judenherz zusammenschnürte. In ihren Häusern brannte, bis der Morgen kam, ein einsames Lichtchen und (>u Angst ließ sie erst zwischen 3—4 Uhr des Morgens in ihren Betten die ersehnt« Rahe finden. Wir standen nun auch auf und sahen von unsirn Fenstern aus ein Schauspiel, welchewunderbar schön gewesen wäre, wenn es edlere Motive gehabt hätte. Jede hjwanziehende Schaar hielt vor dem Lierhause still, dann! senkten sie ihre riesenhaften Fackeln zu Boden, so daß die Gruppe von dem hellaufladerndrn Feuer malerisch beleuchtet war und sang eines von dep schönen Schweizer Freiheit^ lieben», die in ihrer eigenthümlichen Vortragsweise feierlich durch die Nacht klangen. Waren diese aber verstummt, so klang wieder das häßliche „Hep Hep" durch dl« Meyge. Nachdem wir ihrem Treiben so einige Stunden zugefihaut hatten